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Masken in Mitteleuropa : volkskundliche Beiträge zur europäischen Maskenforschung ; anläßlich des sechzigjährigen Bestehens des Vereines für Volkskunde in Wien
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Diese Proben zeigen bereits, daß der Maskenbestand an öster-reichischem Gut in außerösterreichischen Sammlungen gar nichtklein ist, vermutlich bei weitem größer, als die wenigen Notizenüber mehr oder minder öffentliche Sammlungen ergeben. Was inPrivatsammlungen aufgenommen wurde, läßt sich noch nicht über-blicken. Ein Verfolgen der Museumsjahresberichte wie der Ver-steigerungskataloge in den letzten achtzig Jahren würde unsereKenntnisse zweifellos einigermaßen vermehren. Für die nachÜbersee verbrachten Bestände mangeln uns leider fast alle Unter-lagen. Die erfaßbaren Bestände hüben und drüben werden jeden-falls mit der Zeit nicht nur festgestellt, sondern auch kritischgemustert werden müssen. Schon in den wichtigsten und zustän-digen Sammlungen befinden sich Fälschungen, und zwar in garnicht geringer Anzahl. Was bei der Belieferung auswärtigerSammlungen verunechtet wurde, konnte oben schon angedeutetwerden. Es ist wohl eindeutig klar, daß hier für jede deutendeForschung eine unübersteigbare Schranke gegeben ist: Diemuseale Zuordnung und Bestimmung muß hier das erste Worthaben. Sie ist aber selbst noch kaum richtig in die Wege geleitet,vielmehr in bestimmten Fällen um Jahrzehnte verzögert worden.Für die nächste Zeit liegt hier sehr viel Arbeit vor.

2. Maskenschnitzer

Die Sammlung von Masken und Maskenspielen hat die längsteZeit durchaus nicht zur Beschäftigung mit den Maskenherstellernhergeführt. Der romantische Grundsatz, daß die Volkskunstanonym sei, hat die Beschäftigung mit den Persönlichkeiten imVolk, in diesem Fall mit den Maskenschnitzern stark hintan-gehalten. So hat sich nicht die große Zeit der österreichischenVolkskunstsammlung, die Zeit vor dem ersten Weltkrieg, mitdiesem Thema beschäftigt, sondern erst unsere Berichtszeit, inder namentlich Arthur Haberlandt theoretisch für die Berücksich-tigung dieser schöpferischen Menschen im Volk eintrat 177). Er hatauch bei seiner Beschäftigung mit den Krimmler Spielen dieFrage nach den. Maskenherstellern angeschnitten, und örtlich dieentsprechenden Feststellungen getroffen, die allenthalben nach-gewirkt haben.

1938 ging Haberlandt auf den Spuren von Wilhelm Hein nachKrimml, um das Weiterleben der dortigen Volksschauspiele zu

177) Arthur Haberlandt Die deutsche Volkskunde. Eine Grund-legung nach Geschichte und Methode im Rahmen der Geisteswissen-schaften( Volk. Bd. 1). Halle/ Saale 1935, S. 105 ff.

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