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Masken in Mitteleuropa : volkskundliche Beiträge zur europäischen Maskenforschung ; anläßlich des sechzigjährigen Bestehens des Vereines für Volkskunde in Wien
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sprache 80), die sich von der Maskenforschung nicht trennen läßt,hat er die entsprechenden Kärntner Bildquellen zu diesemThemenbereich überprüft und ist dabei zu reichen Ergebnissengelangt. Dieser Weg wird sich zweifellos als der ergebnisreichereerweisen als jener vielbegangene, an dem die vielen mittelalter-lichen Bildwerke stehen, die immer wieder als Maskenabbilderangesprochen werden, ohne es in den meisten Fällen zu sein. DerFortschritt, den unsere Jahre auf diesem Gebiet erzielen könnten,würde darin gelegen sein, der stoffreudigen Materialsammlungeine methodensichere Interpretation gegenüberzustellen. Das giltfür die ganze Volkskunde der Gegenwart, und daher für die sosehr zentralgelegene Maskenforschung im ganz besonderen Aus-maẞ.

II

Zur Geschichte des Maskenwesens

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert befaßte sich der größteTeil der Maskenforschung mit der Materialsammlung in derGegenwart, und ein kleinerer, damit manchmal eng verbundenerTeil mit der Frage nach der Sinngebung des Maskenwesens. DieVerstärkung des historischen Denkens in der gesamten Volks-kunde, insbesondere die Einflüsse von der Ur- und Frühgeschichteher und die geschichtlichen Zeugnisse, welche von der Heimat-forschung da und dort erbracht werden konnten, lenkten allmäh-lich in die Richtung einer historischen Maskenforschung über. Inden letzten Jahrzehnten hat diese Richtung durch die Einbezie-hung neuer Fundgruppen, durch die Überprüfung älterer Bild-und Schriftquellen wie durch die Übertragung von Interpreta-tionen, die in anderen Forschungsdisziplinen vorgenommenwurden, bedeutend an Raum gewonnen. Freilich stehen nebenbesonnenen Ausgriffen in dieses Neuland immer wieder unberech-tigte Verallgemeinerungen und Vereinfachungen, die nicht ge-eignet sind, dieser Forschungsrichtung mehr Festigkeit zu ver-leihen als die älteren Hypothesen, die sich auf die Sinngebungder Masken bezogen. Nur zu oft werden Schlagworte wie Die

80) Leopold Schmidt, Die volkstümlichen Grundlagen der Ge-bärdensprache( Beiträge zur sprachlichen Volksüberlieferung, Festschriftfür Adolf Spamer, herausgegeben von Ingeborg Weber- Kellermannund Wolfgang Steinitz, Veröffentlichungen der Kommission fürVolkskunde an der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin,Bd. II, Berlin 1953, S. 233 ff.).

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