dert worden war 68), wurde für Dörrer nun zum Hauptansatz-punkt der Forschung, wobei ihn die Komplexität gerade dieserErscheinung zur kritischen Beschäftigung mit der Männerbund-schule führte 69). Zweifellos konnten dadurch ausgesprocheneÜberspitzungen der Interpretation auf ein richtiges Maß zurück-geführt werden. Anderseits konnte Dörrer manche ältere Vor-arbeiten und Quellen erneut zur Geltung bringen, die in dieRichtung der geschichtlichen Maskenforschung wiesen, wie sie sichin diesen Nachkriegsjahren herauszuformen begann.
In Wien ließ sich inzwischen in den ersten Jahren nach demzweiten Weltkrieg auch einiges weitertreiben. Die Maskensamm-lung des Österreichischen Museums konnte neu inventarisiert undaufgestellt werden, eine eigene Volksschauspiel- Ausstellungbrachte wesentliche Teile von ihr schon 1946 zu neuer Geltung 70).Die Verbindung von Volkskunde und Theaterwissenschaft durchmich, die durch Lehraufträge im akademischen Unterricht fest-gelegt wurde, ergab die Möglichkeit, die Sammlung und ihreProbleme mehrfach in Vorlesungen und Übungen durchzu-besprechen. Von Dissertationen dieser Zeit ist die Arbeit ,, DerGeschlechtswechsel im österreichischen Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum" von HertaScholze besonders erwähnenswert 7). Bereicherungen der Samm-lung erfolgten vor allem hinsichtlich der Erfassung lebenderMaskenschnitzer und Erwerbungen der Vergleichssammlung durchTauschstücke 7). Dazu trat bald und in steigendem Ausmaß dieBeleg und Bildsammlung. Was vorher bei der Sammlung derösterreichischen Belege für den Atlas der deutschen Volkskundeversäumt worden war, das wurde jetzt durch die Befragungendes neugegründeten Archivs für österreichische Volkskunde auf-zuholen versucht 73). Die Erfassung des Maskenbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Maskenbrauchtums desBurgenlandes, die während des zweiten Weltkrieges durch KarlM. Klier privat begonnen worden war 74), wurde nun in Zusam-
68) Karl Kugler, Schemenlaufen und Scheibenschlagen in Imst( Oberdeutsche Zeitschrift für Volkskunde, Bd. XVII, Bühl 1943, S. 1 ff.).
69) Dörrer, Tiroler Fasnacht, wie Anmerkung 11, S. 26 ff. Dazukritisch Leopold Kretzenbacher( Wiener Zeitung vom 1. Mai 1949, S. 8).70) Leopold Schmidt, Ausstellung Volksschauspiel in Österreich,Katalog. Wien 1946, Museum für Volkskunde.
71) Herta Scholze, Der Geschlechtswechsel im österreichischenBrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum. Diss. Maschinschrift, Wien 1948.
72) Adolf Mais, Die Rindbacher Holzmasken( Österreichische Zeit-schrift für Volkskunde, N. S. Bd. VI, Wien 1952, S. 1 ff.).
73) Leopold Schmidt, Archiv der österreichischen Volkskunde( Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, N. S. Bd. VIII, 1954, S. 72).
74) Karl M. Klier, Das Blochziehen. Ein Faschingsbrauch von derSüdostgrenze Österreichs(= Burgenländische Forschungen, Heft 22).Eisenstadt 1953.
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