engsten Zusammenhang damit widmete sich jedoch der klassischePhilolog Basels, Karl Meuli, der Maskenforschung und bot inseinem umfangreichen Artikel„ Masken, Maskereien" im Hand-wörterbuch des deutschen Aberglaubens eine sehr selbständigeÜberschau des ganzen Gebietes mit vielen wichtigen neuen Ein-sichten 1). Auch bei ihm stand die gesellschaftliche Grundlage, derMaskenträger, im Mittelpunkt der Forschung, und das männer-bündische Element wurde dabei nicht weniger betont als in derWiener Schule Rudolf Muchs. In Weiterführung der Gedankender klassischen Religionswissenschaft betonte Meuli aber wiederdie Sinngebung der Gestalt, die durch die Maske dargestelltwird. Nicht eine mythische Figur, auch kein Vegetationsdämon,sondern der Tote, genauer vielleicht der Ahne wird nach Meulivom Maskenträger verkörpert 52). Alles Maskenrecht geht nachihm auf das Recht des Toten zurück. Was in den Zwanzigerjahrendie deutsche Volkskunde so stark bewegt hatte, der von HansNaumann so sehr betonte Glaube an den„ lebenden Leichnam" 53),wurde hier bei Meuli in einer anderen Form wieder lebendig.
Die Wiener Männerbundschule fand durch die SkandinavistenAndreas Heusler und Otto Höfler Anschluß an diese sehr nahe-liegende Gedankenwelt Meulis. Ein guter Teil der weiterenMaskenforschung ist von der systematischen Verfolgung dermännerbündisch- totenkultischen Forschungsziele ausgegangen 54).Selbst die Wiener Ethnologie wurde dadurch nachhaltig beein-flußt. So hat Alexander Slawik seine Interpretation der japani-schen ,, kultischen Geheimbünde" ganz darauf aufgebaut 55). MancheJahre später hat sogar Robert Bleichsteiner, in dem die Gedanken-
51) Karl Meuli, Artikel Maske, Maskerei( Handwörterbuch desdeutschen Aberglaubens, Bd. V, Berlin 1933).
Karl Meuli, Schweizer Masken. 60 Abbildungen und eine Farbtafelnach Masken der Sammlung Eduard von der Heydt und aus anderemBesitz. Mit einer Einleitung über schweizerische Maskenbräuche undMaskenschnitzer. Zürich 1943.
52) Karl Meuli, Bettelumzüge im Totenkultus, Opferritual undVolksbrauch( Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Bd. XXVIII, Basel1928, S. 1 ff.).
53) Hans Naumann, Primitive Glossar ::: zum Glossareintrag Primitive Gemeinschaftskultur. Beiträge zurVolkskunde und Mythologie. Jena 1921. S. 18 ff.
54) Richard Wolfram, Altersklassen und Männerbünde in Rumä-nien( Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien,Bd. LXIV, 1934, S. 112 ff.).
55) Alexander Slawik, Kultische Geheimbünde der Japaner. Einevergleichende Studie( Die Indogermanen- und Germanenfrage, NeueWege zu ihrer Lösung, herausgegeben von Wilhelm Koppers, WienerBeiträge zur Kulturgeschichte und Linguistik, Bd. IV, Wien 1936;S. 675 ff.).
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