Es machte sich hier also bemerkbar, daß hinter der Sammlungkeine entsprechende Forschung stand. Michael Haberlandt hatauch späterhin die Masken mehr oder minder nur im Rahmen derVolkskunst gesehen 26), ihr Zusammenhang mit dem Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumund Aufführungswesen, der auch in dieser Zeit von bescheidenenLokalforschern wie Karl Adrian in Salzburg immer festgehaltenwurde 27), kam dabei zu kurz. Die allgemeine Volkskunde warinzwischen von der rein aufnehmenden und sammlerischen Tätig-keit weitgehend zu Ansätzen der Interpretation fortgeschritten.Ethnologie und Religionswissenschaft hatten in England undDeutschland den Weg gebahnt. In der Fortsetzung und Über-windung der Grimmschen Mythologie entstand das LebenswerkWilhelm Mannhardts, das die vegetationsdämonische Betrach-tungsweise einführte und für lange Jahrzehnte zur Herrschaftbrachte. Die Forschung auf Wiener Boden wurde vor allem durchdie neuere Indologie befruchtet. Michael Haberlandt war selbstursprünglich Indolog gewesen. Nun aber wurde ein religions-geschichtlich orientierter Indolog von durchaus eigener An-schauung nach Wien berufen: Leopold von Schroeder. DieserKenner des estnischen Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums sah hinter den Versen desRigveda die mimische und dramatische Überlieferung stehen undschuf aus der vergleichenden Interpretation dieser altindischenDichtungen ein Bild ältesten indogermanischen Volksschauspieles,wobei die Materialien Mannhardts reichlich herangezogen werdenkonnten 28). Dabei blieb Schroeder aber immer Mytholog undsuchte stets die mythischen Gestalten hinter den in Brauch undSchauspiel auftretenden Masken. Aufschlußreicherweise zogSchroeder auch die Forschung von Heinrich Schurtz heran, undübertrug dessen Erkenntnisse auf dem Gebiet der gesellschaft-lichen Grundlagen des Maskenwesens, der Jünglings- undMännerbünde, auf die arische Urzeit, wie er sie sah 29).
Schroeder hat sein„ Mysterium und Mimus im Rigveda" be-merkenswerterweise seinen Schülern und Freunden gewidmet.Überblickt man nur auf dem Gebiet der Maskenforschung, was
26) Michael Haberlandt, Einführung in die Volkskunde. Wien 1924.S. 45 ff.
27) Karl Adrian, Salzburger Volksspiele, Aufzüge und Tänze( Mit-teilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Bd. XLV, 1905,11, S. 1-160).28) Leopold von Schroeder, Mysterium und Mimus im Rigveda.Leipzig 1908.
29) Heinrich Schurtz, Altersklassen und Männerbünde, eine Dar-stellung der Grundformen der Gesellschaft. Berlin 1902. Schroeder, wieoben, S. 471 ff.
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