Druckschrift 
Das Pfettenstuhldach : eine Dachbauweise im östlichen alpinen Übergangsbereich
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

schaft ihrer Gefügeform mit der oberdeutsch- bairischen Art der Dachstrebenzimmerungnaheliegen. Bei den ostalpinen Pfettenstühlen wurden solche Fußblattstreben im übrigenam häufigsten in den giebelseitigen Gebinden, seltener bei Innengebinden angebracht,weil sie im Innern doch raumbehindernd waren.

3. Grundgebälk und Wandgefüge

Wie man an unseren Beispielen und Dachquerschnitten unschwer erkennen kann,gehören das Dachgefüge und das Wandgefüge dieser Bauten zwei völlig verschiedenenHolzbauweisen zu. Während der tragende Dachaufbau im wesentlichen ein( Zwei-)-Ständergerüst darstellt, besteht das Wandgefüge darunter fast in allen älteren Baufällenaus Blockbauwänden. Nun ist es für die Beurteilung der Gesamtstruktur dieser Steil-dachbauten von nicht geringer Bedeutung, daß die Verbindung dieser beiden Bauweisenauch das Raumgefüge derselben entscheidend beeinflußt. Nicht von ungefähr sind solcheBauten schon einem halbwegs geübten Auge von ihrer Hauskörperform und von denUmriẞlinien ihres Dachaufbaues her relativ leicht erkennbar, auch wenn sie keinen Knie-stock aufweisen. Durch das aufgesteilte und oft sehr mächtige Dach mit Pfettenstuhl-gerüst und abgewalmten Giebeln wird der eher kleinteiligen, würfeligen Raumstrukturdes Blockwerkunterbaues gleichsam etwas vom großzügigen Hallenhauscharakter derZweiständerbauten in der Dachzone aufgesetzt. Dennoch legen die von außen sichtbarenQuerwände des Blockgeschosses die Gerüstjoche und damit auch die Raumgliederung desStänderobergeschosses bzw. des Dachraumes fest. Das Wandgefüge bleibt somit auchentscheidend für das Grundgerüst im Dachgefüge.

Wir können nun schon anhand unserer wenigen Beispiele Wandgefüge von Block-unterbauten feststellen, die eine zwei- bis sechsjochige Raumteilung der Länge nachaufweisen, die jedoch im Querschnitt ausnahmslos die Dreischiffigkeit des Zweiständer-baues übernehmen und damit auch dem übrigen Hauskörper und dessen Giebelseitenförmlich diese Dreigliedrigkeit aufzwingen. Wir haben weiters Wandgefüge ohne undsolche mit Kniestockaufbauten zu unterscheiden, wobei die letzteren was nicht zuübersehen ist weitaus überwiegen. Diese Kniestockaufbauten sind hier alt; sie lassensich spätestens seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts an unseren Beispielen( 2.4)nachweisen. Von den zwölf mir vorliegenden Aufmaßplänen aus dem Lungau, die wirAdalbert Klaar verdanken 132, weisen bei Wohnhäusern sieben, bei Stallscheunen sämt-liche( zwölf) im Aufrißquerschnitt einen Kniestock auf 133.

Aus dem Grundgebälk und Wandgefüge dieser Blockbauten ergeben sich somit mehr-fache Variationsmöglichkeiten für das Dachgefüge, und zwar in der Horizontale desWandgefüges durch die wechselnde Zahl der Raumjoche je nach dem Raumgefüge undder Länge der Gebäude, in der Vertikalen dagegen durch wechselnde Niveauhöhe derLagerschwellen für die Stuhlsäulen. Für alle diese Differenzierungen waren im über-lieferten Sprach- und Wortgebrauch keine Bezeichnungen festzustellen. Selbst für dieimmerhin wichtige Einrichtung des Kniestockes oder für die eigenartige Einsenkung derHochtenne in diesen gab es keinerlei Sonderbezeichnungen. Wo und wie immer die Quer-balken der Blockwände angeordnet sind, auf die die Stuhlsäulen gestellt werden, heißensie z. B. im Lungau einfach ,, Stuhlschwellen"( ,, schtuischwöidn). Alle übrigen Block-

132 Siehe Anm. 67 oben.

133 Über Alter und Verbreitung des Kniestockes im Ständerbaugebiet Mittel- und West-europas sowie zu seiner möglichen Herleitung aus dem Ankerbalkengefüge bzw. aus feuerungs-technischen Gründen vgl. Winter, Heinrich: Der Kniestock. Versuch einer Begründung auskonstruktiven und kulturgeschichtlichen Erwägungen. In: Hess. Bll. f. Volkskunde 49/50( Gießen 1958), S. 317-344. In den Alpenländern und im Blockbaugebiet scheint man ihn bislangnoch kaum beachtet zu haben.

48