zu stellen wäre 113. Die westkärntischen und osttirolischen Namen der Mittelpfette:,, Tragfirst" ,,, Trager" und„, Tragbaum" gehören hingegen nicht mehr zu unserem Dach-gefüge des aufgesteilten Pfettenstuhldaches. Sie erinnern aber vielleicht an die entspre-chende Pfettenbezeichnung„, Wassertrager" aus der Gegend südlich von Rosenheim inOberbayern 114, gehören also offenbar auch zu einer anderen, vielleicht jüngeren gemein-bairischen Dachterminologie.
Die Querbalken im Kranzgebälk unseres Pfettenstuhldaches werden in Ober-kärnten meistens als„ ,, Stuhlriegel" bezeichnet, und zwar im Mölltal als„ hrigl", im Malta-tal als ,, schtö: hrigl" und im Katschtal als„, schtuihrigl". Mein Lungauer Gewährsmann 115nannte diesen Balken nach dem darüberliegenden Scheunenraum„ Hüldernbaum"( ,, hü: danpam"), und im obersten steirischen Murgebiet notierte ich dafür ,, Brustriegel"oder„ Spannriegel", aber auch„ Stuhlbalken"( ,, schtulpålkchn") 116. Hier wurde fernerbei Verdoppelung der„, Stuhlriegel" der untere als„ Auflagbånk" bezeichnet.
Wie ,, Stuhlsäule“ und„ Stuhlbaum" so weist offensichtlich auch das hier verwen-dete Grundwort„ Riegel" in die Terminologie des süddeutsch- bairischen Ständerbaues.Aus ihm wird zweifellos unsere Pfettenstuhlzimmerung letztlich abzuleiten sein. Derenauffallendste Besonderheit in unserem ostalpinen Steildachbereich scheint mir die Er-weiterung des Kranzgebälks bis zu sechsfachen Balkenlagen über den Stuhlsäulen zusein, eine besonders schwere, aber noch immer sorgfältige zimmerungstechnische Aus-führung, in der diese beispielsweise auch stark zu dem viel zierhafteren Dachgefüge desTiroler Inntales kontrastiert. Dort haben wir es wohl mit einer verwandten Ausgangs-entwicklung im Flachdachbereich, im Dachgefüge jedoch vermutlich, ähnlich wie in Süd-tirol, mit einem Stockpfettengerüst( nach B/ III/ 2) zu tun, das offenbar schon in derSpätgotik entwickelt worden ist 117, sicher jedoch seit 1600 im ländlichen Hausbau ange-wendet wurde. Für das ostalpine Pfettenstuhldach im Südbereich fehlt zu einem maẞ-hältigen Vergleich zunächst noch die Erarbeitung seiner im Nordosten unmittelbar an-schließenden Sachbestände. Aber der weitere Aufschluß über Herkunft und Ausgangs-basis liegt für dieses Gerüstsystem unseres Pfettenstuhldaches wahrscheinlich eher beimaltbairischen Dachgefüge mit seinen ,, immer wiederkehrenden drei Spangenhölzern oderKranzhölzern" in der Kopfzone der„ Säulen" 118 als in den späteren Parallelentwick-lungen beispielsweise der Nordtiroler Stockpfettendächer und offenen Bundwerkgiebel 119.Deren Aufarbeitung nach Maßgabe einer modernen Gefügeforschung steht leider nochaus und wäre für die vergleichende Hausforschung ebenso wichtig und dringend wieetwa eine solche im Salzburger Raum und im anschließenden Voralpengebiet 120.
c) Bänder und Streben: Der vorstehende kurze, vergleichende AusblickHauses in Krain„ das auf den Stuhlsäulen ruhende Längsholz glajtna greda genannt wurde,worin wir das bairische Gload erkennen dürfen, wie auch die Stuhlsäule selber als glajtna stop,also als Glaitsäule bezeichnet wurde". Siehe Gebhard, Torsten: Alpenländische Dachformen( wie Anm. 10), S. 145.
113 Tschinkel, W.: Wörterbuch der Gottscheer Mundart( wie Anm. 110), S. 95
s. v. Dach.
114 Wie Anm. 109, S. 17.
115 Siehe Anm. 94 oben.
116 Wie Anm. 94 oben.
117 Dafür sprechen u. v. a. die Darstellungen des Stalles von Bethlehem z. B. auf demFlügelaltar in St. Wolfgang von Michael Pacher.
118 Gebhard, Torsten: Wie Anm. 112.
119 Über das eigentliche und gebräuchliche Dachgefüge geben die älteren, vornehmlichformal- ästhetisch intendierten Bauaufnahmen aus Tirol von Johann Deininger wie auch imBauernhauswerk für Österreich- Ungarn( dieses wie Anm. 12 oben) leider nur unzureichendAufschluß.
120 Dazu vgl. Conrad, Kurt: Probleme der Scheunenforschung( wie Anm. 84), S. 137 ff.,der auf die zahlreichen hier noch zu lösenden Aufgaben im Lande Salzburg hinweist.
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