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Das Pfettenstuhldach : eine Dachbauweise im östlichen alpinen Übergangsbereich
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gestellt ist. Auf ihm sitzen die Dachrofen rittlings auf. Dieser Stuhl" wird mit( vielfachnur losen) Bohlen oder Pfosten" belegt und dient zugleich als Lagerbühne. Die Quer-verbindung dieses Stützgerüstes stellen die in das Kranzgebälk in größeren Abständenunabhängig von den Rofenlagen eingebundenen Riegelbalken her. Das Kranzgebälk be-steht daher an den Dachseiten immer aus mehreren, mindestens aber aus zwei Balken-lagen, die in der Dachflucht annähernd die Funktion von Mittelpfetten haben. Stuhl-riegel und zusätzliche Längsunterzüge steifen das Kranzgebälk bzw. den Stuhl" gegenSeitendruck und Längsschub aus. Die Verbindung zwischen den Stuhlsäulen und demKranzgebälk sowie zwischen diesen und dem Unterbau des Wandgefüges sichern einfacheoder verdoppelte Kopfblattstreben bzw. seitlich ausgreifende Fußblattstreben( Steig-bänder). Dieses einfache Gerüst von wechselnder Höhe, je nach Landschaft als Stuhl",,, Bock" ,,, Hochgerüst" oder Zimmer" bezeichnet, erweist sich in seiner besonderen her-kömmlichen Terminologie als ganz eigener und möglicherweise relativ jüngerer Sach-komplex. Allerdings lassen sich für seine einzelnen Gefügeteile mangels an vergleich-baren Worterhebungen nur schwer endgültige und maßhältige Urteile treffen.

a) Die Stuhlsäulen: Die in der Regel auf darunterliegende Querwändeder Blockbauten gestellten Stuhlsäulen" führen diesen Namen ziemlich allgemein auchim örtlich- mundartlichen Wortgebrauch. Dieser folgt hier aber offenbar der jüngerenFachsprache der Zimmerleute und gehört somit zu einem sehr viel weiteren Anwen-dungsbereich, der noch kaum zu ermitteln oder auch nur annähernd abzustecken ist. ImGebiet altbairischer Pfettendächer entspricht unserer Stuhlsäule" die( vielfach ver-kürzte) Glaitsäule", die Torsten Gebhard vielleicht als einer spätmittelalterlichenWortschichte" zugehörig erwogen hat 109. Dafür spricht nicht zuletzt die Tatsache, daßsich dieser Terminus beispielsweise im Wortschatz der Gottscheer Mundart für denselbenGefügeteil als glaitštekkchle" erhalten hat 110.

b) Die Kranzbalken: Diese setzen sich aus zwei- oder mehrfachen Längs-balken zusammen, in die in größeren Abständen querübergelegte Spannbalken, allen-falls mit weiteren längsgerichteten Einzugbalken eingebunden sind.

Das oberste der meist mehrfachen, pfettenartigen Längshölzer über denStuhlsäulen wird in unserer Dachlandschaft ziemlich allgemein als, Stuhlbaum"( ,, schtuelpām" ,,, schtö: pam" oder, schtuipam) bezeichnet. Außerhalb der aufgesteiltenPfettenstuhldächer, also an der Grenze zum flachgeneigten Pfettendach im Westen undbereits in dessen Verbreitungs- und Geltungsbereich, gebraucht man ab dem mittlerenMölltal für die Mittelpfette( ohne Kranzzimmerung!) regelmäßig einen ganz anderenNamen, diese heißt bis unter Heiligenblut im Mölltal und bis nach Nörsach in Osttirol,, Tragfirst"( ,, trågfirscht) oder Trager"( tråga"), mitunter auch Tragbaum"( ,, trågpam"). Im östlichen Randbereich dagegen bestand nur ein steirischer Gewährsmannaus Ranten 111 in diesem Falle auf dem neueren, schulmäßigen Ausdruck Mittelpfette"( ,, mitlpfätn"). Für die Balkenunterlagen des Stuhlbaumes" waren hingegen Sonder-namen bisher nicht zu erfragen. Im Lungau und Murauerland bezeichnet man sie wiealle zusätzlichen Einzugbalken in der Firstrichtung bloß als Unterzüge".

Wieder setzt sich auch diese Namengebung im Gefüge des Pfettenstuhldaches vonseinen älteren bairischen Entsprechungen, wie etwa Wasserbaum" oder Glaitbaum",merklich ab 112, wozu übrigens wieder ein sinngleiches Wort glaitpām" aus Gottschee

109 Gebhard, Torsten: Maßaufnahme eines Söldnerhauses( wie Anm. 101), H. 2, S. 19.110 Tschinkel, Walter: Wörterbuch der Gottscheer Mundart( Studien z. Österr.- bair.Dialektkunde 7). Wien 1973, S. 95 s. v. Dach.

111 Vgl. dazu Anm. 94 oben.

112 Gebhard, Torsten: Maßaufnahme eines Söldnerhauses( wie Anm. 101), H. 2, S. 17;an anderer Stelle weist Torsten Gebhard nach, daß beim stehenden Dachstuhl des slowenischen

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