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Das Pfettenstuhldach : eine Dachbauweise im östlichen alpinen Übergangsbereich
Entstehung
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Haltepflock oder Stütznagel( ,, tipl") an die Unterseite der Rofen vor der Fußpfette( vgl. Abb. 9, Fig. 3). Es ist hier aber auch der Ausdruck Fersstall"(, ferschtl") imBereich der flachgeneigten Pfetten- Rofendächer( nach B/ I, III und IV) überhaupt nichtmehr gebräuchlich. Ebenso ändert sich zugleich die Benennung der Fußpfette, die zu-mindest im mittleren und oberen Mölltal bereits als Rofenbaum(, hrofnpam"), seltenerals ,, Wandbaum(, wåndpam") bezeichnet wird. Das erstere deckt sich bezeichnender-weise bereits mit dem entsprechenden altbayrischen Ausdruck Rofenspange"( ,, Rafen-spange"), weist somit terminologisch ganz deutlich auf das eigentliche Pfettenrofendachalter Provenienz hin 101.

Anders im östlichen, steirischen Grenzbereich des Pfettenstuhldaches. Hier be-obachtet man allenthalben etwa im Seebachtal um Ranten sowie im oberen Murtal undim kärntischen Metnitztal den völlig anderen Wortgebrauch von Sparrenbank"( ,, schpårnpånk") oder meist Mauerbank" für die Fußpfette auch unseres Dachgefügesmit den Einfersungen für die Sparrstangen bzw. die Rofen. Das hier gebräuchlicheGrundwort ,, Bank" entspricht dabei völlig seinem ursprünglichen Wortsinne von,, Sitz" ,,, Auflager, Unterlage" 102 und folgt darin durchaus dem mundartlichen Sprach-gebrauch ähnlich wie etwa in der Terminologie des Arbeitsgerätes beispielsweise mit,, Rechnbånk" 103, Eggenbånk/ Adnpånk" 104 oder Hobelbånk" usw. Der Wort-gebrauch ,, Sparrenbånk/, Mauerbånk" freilich scheint bereits außerhalb des Geltungs-bereiches unserer Pfettenstuhldächer zu liegen und vermutlich dem Scheren- und Spar-rendachgebiet zuzugehören 105.

Noch ein kleines Bezeichnungsdetail dieses Gefügebereiches ist zu erwähnen. ImGegensatz zum untergesetzten Fersennagel( ,, tipl") des flachgeneigten Pfettenrofendaches( nach B/ III und IV)( vgl. Abb. 9, Fig. 3) verlangt das aufgesteilte Pfettenstuhldach( nach B/ IV) eine zusätzliche Sicherung des Rofenauflagers mittels eines von außen ange-schlagenen kräftigen Holznagels( siehe Abb. 12, Fig. 1 und 2). Dieser wird zumindest imLungau und im Murauer- Gebiet( Stadl a. d. Mur, Ranten) Fersstallnagel"( ,, ferschtl-någl" ,,, fearschnnågl) genannt; er wird damit eindeutig vom sogenannten, Stuhlnagel"( siehe unter d) und vom, Rofennagel" am First unterschieden, der im folgenden zu be-sprechen ist.

c) Die Verbindung der Rofen a m First: Die allgemein nochrundwälzig belassenen Rofen der Pfettenstuhldächer sind überall am First bereits nachArt von Vollgespärren paarweise miteinander verbunden. Dagegen wird die voneinanderunabhängige, freie Verlegung gegenständiger Dachrofen erst wieder jenseits der Flach-

101 Dazu Gebhard, Torsten: Maßnaufnahme eines Söldnerhauses aus dem LandgerichtRosenheim von 1816: In: Bayr. Hefte f. Volkskunde 12( München 1939), Heft 1 f., S. 6 mit Abb.und S. 17; derselbe: Alpenländische Dachformen( wie Anm. 10), S. 140 ff.; derselbe:Der Bauernhof in Bayern. München( 1975), S. 160 s. v. Rafenspange.

102 Zur Bedeutungsentwicklung von" Bank" vgl. Trübners Deutsches Wörterbuch, hrsg. v.Alfred Götze, I( Berlin 1939), S. 224 f.; zur mundartlichen Verwendung siehe Kranz-mayer, Eberhard: Wörterbuch d. bairischen Mundarten in Österreich II( Wien 1972),Sp. 211-229, hier besonders Sp. 214 und 223 s. v. Mauerpank( ,, Sparrenbank" fehlt hierübrigens!).

103 Vgl. Karte ,, Grasrechen IV- Bezeichnungen des Rechenbalkens" nach der Bearbeitungdes Verfassers im Österreichischen Volkskundeatlas, 4. Lfg.( Wien 1971), Bl. 64 mit Kommentar.104 Kranzmayer, Eberhard: Wörterbuch d. bairischen Mundarten( wie Anm. 102),Sp. 214 unter 2 c); Koren, Hanns: Die steirischen Eggen- Übersicht und Bestandsaufnahme.In: Volkskunde- Fakten und Analysen. Festgabe für Leop. Schmidt. Wien 1972, S. 77 ff.passim.

105 Für Kärnten siehe die Übersichtskarte bei Moser, Oskar: Das Bauernhaus( wieAnm. 11), S. 59, Signatur 4 und 5.

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