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Das Pfettenstuhldach : eine Dachbauweise im östlichen alpinen Übergangsbereich
Entstehung
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Kärntner Katschtal, im Lieser- und Maltatal, zugleich auch wieder für den oberstenDachraum der Scheune 95. Erst im äußeren Liesertal, im Lurngau und in der Gegend umden Millstätter See heißt dieser Scheunenraum wieder anders, nämlich Pranta",,, P( r) ater" u. ä. 96, während für das Pfettenstuhlgerüst selbst auch dort meistens nochdie Bezeichnung Stuhl"( ,, schtuel") samt dessen Einzelterminologie gilt.

Die Namen der einzelnen Gefügeteile

Die bisher erhobene Namenüberlieferung für die einzelnen Gefügeteile des Pfetten-stuhldaches im Bereich seiner südalpinen Verbreitung( Oberkärnten, Lungau, oberstessteirisches Murtal samt Seitentälern) scheint mir zumindest teilweise auch für eine letzt-gültige Zuordnung dieser Dachbauweise von einiger Bedeutung zu sein. Sie soll daher imfolgenden, ausgehend von ihrer Stellung innerhalb des gesamten Dachgefüges dieser Art,nach unseren bisherigen Erhebungen einzeln dargelegt werden. Wir beginnen dabei mitden Dachschräghölzern, Rofen oder Sparrstangen und den dazugehörigen Gefügeknotenam Dachfuß, am First und in der Dachmitte. Es folgen sodann der Pfettenstuhl mitseinen Einzelteilen und Verstrebungen, ferner das tragende Grundgebälk für denselbenim obersten Wandgefüge.

1. Die Dachschräghölzer

a) Die Rofen und Sparrstangen: Es muß gleich von vornehereinhervorgehoben werden, daß nach unseren Erhebungen zur Nomenklatur des aufgesteiltenPfettenstuhldaches die Dachschräghölzer von Nörsach in Osttirol über ganz Oberkärntenund den salzburgischen Lungau bis ins Murauerland, das Ennstal und Ausseerland allge-mein als ,, Rofen" bezeichnet werden, und zwar in Osttirol, im Lesach-, Drau- undMölltal als ,, rofn" oder hrofn"; im ganzen Liesergebiet, im Lungau und anschließendenMurtal bis Murau als hrafna, hrafnen, hrafn; im Enns- und Ausseergebiet als,, rofn". Abweichungen von dieser Regel gab es nur vereinzelt: in Göriach am Lurnfeldmit Fers- Stall"( ferschtl") oder, Sparren"( ,, schpurn"); im kärntischen inneren Met-nitztal ebenfalls mit Fers- Stall"( ferstl") oder Gespärre( gschpier"); in der Gegendvon Ranten ob Murau mit Sparren"( ,, schpårn). Nur an den Übergangsrändern derhier behandelten Dachlandschaft sehen wir also den Einbruch einer fest überliefertenDachterminologie derselben. Über den Begriff und die Herkunft des sicher alten Wortes,, Rafe" ,, Rofe" im Sinne von Dachstange" haben wir oben bei der allgemeinen Über-sicht der Dachgerüste und ihrer Hauptelemente bereits alles Notwendige angeführt.

Als ein wichtiges Bezeichnungsdetail im Randbereich der Wortlandschaft von,, Rofe" muß freilich das gleichfalls schon kurz berührte Appellativum Fersstall" oder,, Ferstl" im Sinne auch von Rofe" beachtet werden. Mit ihm werden wir nämlich be-reits auf den nächsten und äußerst wichtigen Gefügeknoten des unteren Rofenauflagersauf der Fußpfette und auf diese selbst verwiesen.

b) Das untere Rofenauflager und die Fußpfette: Die Rofen-auflager am Dachfuß kennen auffallenderweise in unserem ganzen Bereich nur eine Artder Verbindung von Rofenfuß und Fußpfette, die allerdings in zwei Varianten vor-kommt, nämlich als aufgesetze Ferse( vgl. Abb. 9, Fig. 6; Abb. 12, Fig. 1;Abb. 19, Fig. B 5) und als eingesetzte Ferse( vgl. Abb. 9, Fig. 9; Abb. 12,

95 Vgl. Weber, Otto F.: Beiträge( wie Anm. 71), S. 164 und 169, Karte 2.

96 Zu ,, Pranta", P( r) ater" usw. vgl. jetzt Kranzmayer, Eberhard( Hrsg.): Bayerisch-Österreichisches Wörterbuch I: Österreich II( Wien 1972), Sp. 245-248 s. v. Pänter, P( r) ä( n) ter;zum baugeschichtlichen Hintergrund vieler dieser Termini siehe ferner Moser, Oskar: Standund Bedeutung der Scheunenforschung im Ostalpenraum. In: Volkskunde im Ostalpenraum(= Alpes Orientales II). Graz 1961, S. 101.

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