Feistritz, Schnatten), traten dagegen an dessen Stelle regelmäßig Scherenjochdächer nachA/ 3, und ganz allgemein überwog bereits bei jüngeren Bauten mit schmälerem Giebeldas hier offenbar auch jüngere Schersparrendach nach C/ 2, ein Übergang im Gefüge desDachgerüstes, der sich hier- äußerlich kaum merklich in der zeitlichen Entwicklungunter Aufgabe der alten breitgiebeligen Einfirstanlagen, in der räumlich- horizontalenAusdehnung auf das Unterkärntner und Innerkärntner Rauchstubenhaus mit schmäle-rem Giebel hin offenbar schon seit dem 18. Jahrhundert vollzieht.
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3.3. Ortschaft Karchau bei St. Blasen, Gemeinde St. Lam-brecht, oberes Murtal( Steiermark): Hof vulgo Trattler, Stallscheune( ,, Stådl") des Paarhofes in Blockbau, datiert 1730. Das vom Verfasser im September1945 aufgenommene Wirtschaftsgebäude ist eine der östlichsten Längsscheunen, diedamals im oberen Murtal noch festzustellen waren 74, ein zweigeschossiger Blockbau, indessen Dachgeschoß die Längstenne lag( Abb. 20, Fig. 3). Man gelangte in diese vombergseitigen Giebel her über eine überdachte ,, Tennpruggn". Der oberste Scheunenraumwar durch drei Dachstuhlgebinde nur in zwei Joche unterteilt; seinen zentralen Raumbildete die über beide Joche verteilte Dreschtenne( ,, da Tönn“) in einer Breite von 5,40 mund einer Länge von 7,60 m unterhalb des Pfettenstuhlgerüstes. Dieses selbst bestand aus3 m hohen, kräftigen Stuhlsäulen( Stärke 30: 20 cm), die über doppelte und sorgfältigmit Versatz angeblattete Kopfbänder( siehe Abb. 20, Fig. 3a) mit den Stuhlbäumen( Unterpfetten) und den Stuhlriegeln verzimmert waren. Die Art der Verzimmerungsowie die Anbringung des Baudatums an den Stuhlsäulen mit der Jahreszahl 1730 scheintauch hier wieder wie beim Göriacher Stadel oben( vgl. 1.3) auf die Beteiligung vonBerufszimmerleuten hinzuweisen. Die Stuhlgebinde bestanden aus je zwei Stuhlsäulen miteinfacher Stuhlpfetten- oder Kranzzimmerung. Nur am Ende der Längstenne war derStuhlkranz außerhalb der Gebindeebene durch eine mittlere und schwächere ,, Tennsäule"unterstellt, auf der ein Längsunterzug lag( siehe Abb. 20, Fig. 3). Diese Mittelsäule ge-hört somit nicht zum Dachgerüst des Pfettenstuhles, sondern sie dient als Stütze für dieBohlenwände, die sogenannten„ Einsötz", mit denen die Dreschtenne abgeschlossen war.
Im Dachaufbau ergibt sich hier das für das steirische Murtal kennzeichnende, steileund beträchtlich ,, über dem Winkel" abgebundene Nagelschindeldach mit Zwergwalm.Seine 10,70 m langen Sparrstangen( Rofen) sind wieder in die Fußpfetten mit Überstandeingeferst( vgl. Abb. 9, Fig. 9), am First jedoch bereits in kantigem Zuschnitt verkämmtund genagelt wie Schersparren( vgl. Abb. 11 A).
In seiner lokalen Terminologie ergaben sich beim Stadel in Karchau bereits neuer-liche Veränderungen. Hier nannte man mir das eigentliche Dachstuhlgerüst samt demdazugehörigen Raum„ Pogratn“, eine Bezeichnung, die in dieser Anwendung anscheinendauch bis in den Lungau hinauf reicht 75. Der oberste Dachraum darüber heißt hingegenin der Karchau wie im Obermurtal, der Gegend von Katsch- Triebendorf und von Ober-wölz,„ Priagl". Für die Dachschräghölzer kennt man hier nur das Wort„ Sparren"( ,, schpårn").
Wortbefund und Dachgefüge
Wie in seinem bautechnischen Gefüge so erweist sich das bisher in einem Dutzendvon Beispielen beschriebene Pfettenstuhldach auch in seiner örtlich überliefer-ten Terminologie als ein durchaus eigenständiger Sachkomplex gegenüber anderen undbenachbarten Dachbauweisen. Wäre es hingegen nach bisherigen Auffassungen nur eine
74 Zu dieser Scheunengrenze vgl. Moser, Oskar: Das Bauernhaus( wie Anm. 11), S. 104.75 Vgl. Bünker, J. R.: Dorffluren und Bauernhäuser im Lungau( wie Anm. 65), S. 183,187 und 193.
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