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Das Pfettenstuhldach : eine Dachbauweise im östlichen alpinen Übergangsbereich
Entstehung
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3.2. Ortschaft Wöbring, Gemeinde Metnitz, Metnitztal( Kärnten): Hof vulgo Unterer Kuster( jetzt: Simon) Nr. 11; Einhof in Blockbau,dreigeschossig in Hanglage, ohne Datierung, doch vermutlich noch aus dem 16. Jahr-hundert stammend.

Der Querschnitt des vom Verfasser im Oktober 1945 aufgemessenen Bauernhauseszeigt über dem Wohnteil mit Rauchstube ein mächtiges Pfettenstuhldach über einemGrundriß von 17,30 m Tiefe und nur 16,20 m Länge mit einem Drei- Säulen- Gebinde indreifacher Kranzzimmerung( Abb. 20, Fig. 2). Das Obergeschoß gliedert sich in dreiJoche, hat jedoch keinen Kniestock. Der sorgfältig und in relativ schwachen Hölzernabgezimmerte Pfettenstuhl war rund 4 m hoch und hatte die beträchtliche Spannweitevon 9 m. Die 3,60 m hohen Stuhlsäulen waren durch doppelte, angeblattete Kopfstrebenmit den Kranzbäumen( Unterpfetten) und den Stuhlriegeln verbunden, die Mittelsäulenstanden unter den Längsanzügen des Stuhlkranzes und waren nur mit den Stuhlriegelnin der Gebindeebene durch einfache Kopfbänder abgebunden; der gesamte Dachstuhlsetzte auf den Blockwänden des Hauptgeschosses auf.

Damit ergab sich ein mächtiges, steiles, knapp einen Schuh über dem Winkel" ab-gebundenes Dach mit ± 13 m langen Sparrstangen( Rofen), die auf den Fußpfetten in dergewohnten Weise mit Ferse eingesetzt und sogar noch durch Aufschieblinge verlängertwaren( siehe Abb. 20, Fig. 2 a). Die Rofen waren außerdem an den Stuhlpfetten mitHolznägeln angeschlagen( Abb. 20, Fig. 2b) und am freien First jedoch nach Art derSchersparren paarweise verkämmt( vgl. Abb. 11 A). Das Dach war ferner an beidenGiebeln bis auf die Höhe des Pfettenstuhles herab, d. h. bis zur Hälfte abgewalmt; dieWalmsparren waren an den Firstkronen der Vollgespärre zum Teil mittels Holzspangeuntergesteckt, die äußeren Gratsparren an die Rofen angeschlagen. Feine, aufs Drittelüberbundene Lärchenschindel waren noch mit Holznägeln an den Latten befestigt.

Das hohe Stuhlgerüst war zum Teil mit losen Brettladen belegt und diente als Lager-raum für das Getreide vor dem Drusch bzw. als Tennreite. Bezeichnenderweise nenntman diesen obersten Dachraum im inneren Metnitztal allgemein das ,, Hoahkhrist"( Hoch-gerüst), ein Wort, das, gegen die steirische Landesgrenze zu, dann in die Lautform,, Koarast" umschlägt und auch im obersten Murtal üblich ist( neben dem sinngleichen,, Tafl" der Gegend weiter östlich!). Das legt Zeugnis für diese typische und sicher auchalte Einrichtung des hohen Pfettenstuhlgerüstes im breitgiebeligen, einfirstigen Bauern-haus des Lungaus und des, Murauerlandes", wie es von Bünker vielfach beschrieben wor-den ist und wie es auch bis in das kärntische Metnitztal hereinreicht 73. An der örtlichenTerminologie hier im Metnitztal ist ferner noch bemerkenswert, daß die Dachschräg-hölzer im ganzen inneren Talbereich als, Ferstl" oder, Ferstlpâm" bezeichnet werden.Während also im Katschtal diese Bezeichnung pars pro toto von der Einfersung derRofenfüße auf die Fußpfetten( Mauerbänke) übertragen wurde( siehe oben 2.5), erfolgtediese Begriffsübertragung im Metnitztal auf die Dachschräghölzer, ging aber jedenfallsauch von der besonderen Gefügeart der auf- bzw. eingesetzten Ferse dieser Dachhölzeraus, dem sogenannten Fersstall" oder Ferstl"( siehe Abb. 12). Die Bezeichnung Rofe"ist hier dagegen nicht geläufig bzw. sie ist in der korrumpierten Lautform ,, Råchn" deneigentlichen Rofenstangen der Scherenjochdächer nach A/ 3( vgl. Abb. 1, Fig. 6) vorbe-halten wie im benachbarten Gurktal.

Man wird freilich nicht übersehen dürfen, daß zur Zeit unserer Bestandsaufnahmenin den Jahren 1945 bis 1947 im Bereich des Metnitztales nur noch die ältesten Bauern-häuser im nördlichen Talabschnitt ein Pfettenstuhldach oder Reste eines solchen auf-wiesen; im südlichen Teil desselben, besonders in den südlichen Seitengräben( Vellach,

73 Siehe oben Anm. 65. Für das Metnitztal Eigenaufnahmen des Verfassers im Rahmeneiner Gesamtinventarisation der Bauernhäuser 1945 bis 1947.

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