von drei Beispielen beschränken, um diese durchgehende Übereinstimmung im Gefügedes Pfettenstuhldaches hier wie dort aufzuzeigen.
3.1. Ortschaft Lintsching, Gemeinde Mariapfarr, Lun-gau( Salzburg): Hof vulgo Mühlbacher, Einhof mit Wirtschaftsteil in Blockbau-weise, ohne Datierung; Wiedergabe des Stadelquerschnittes nach einem Aufnahmeplanvon Adalbert Klaar vom 24. August 1936( Abb. 20, Fig. 1). Seiner ganzen Anlage nachist der auf annähernd quadratischem Grundriß errichtete Bau( 16,20 × 16 m) den Ein-höfen des Katschtales in Kärnten sehr ähnlich, jedoch fehlt hier bereits die Rauchstubeim gemauerten Wohnteil. Wie bei den meisten Lungauer Altbauten treffen wir auch hierein in drei Jochen gegliedertes, drempelartiges Obergeschoß mit einem Pfettenstuhl inKranzzimmerung. Die 2,40 m hohen Stuhlsäulen stehen auf den Querwänden desScheunengeschosses, den sogenannten„ Zimmern", die in einer Höhe von ± 1,20 mschlüssig aufgeführt sind und zugleich die beträchtlich schmälere Längstenne begrenzen.Wie im Katschtal so fällt auch hier die große Spannweite des Pfettenstuhles( 7,50 m!)gegenüber dem Tennenquerschnitt( 5,55 m) auf. Als gesichert kann gelten, daß dieStuhlsäulen mit den Kranzbäumen( Unterpfetten) durch Kopfbänder zur Längsverstei-fung des Stuhlgerüstes verbunden waren, wie wir dies in unserer Umzeichnung nachAdalbert Klaar angedeutet haben. Die 11,70 bis 12,40 m langen Dachschräghölzerdürften ähnlich wie im Katschtal Auflanger sein, die mit Ferse in die Fußpfetten ein-greifen und am First paarweise verblattet oder verkämmt und ersichtlich durch einenHolznagel miteinander verbunden sind. Auf dem Aufmaßplan Mühlbacher gibtKlaar leider keine Detailskizzen dazu. Das Dach ist fast 2 m ,, unterm Winkel" abgebun-den, also nur mäßig steil, und mit Nagelschindeln gedeckt. Über dem Wohngiebel miteinem ,, Gangl" im Obergeschoß sind die Pfettenhölzer stark vorgezogen und erscheintwieder ähnlich wie im Liesertal( vgl. Beispiel 2.3) ein Zwergwalm.
Die Terminologie dieses Dachgefüges im Lungau ist bisher leider nicht ausreichendabgefragt worden und aus den Veröffentlichungen J. R. Bünkers 69 sowie auch aus denPlanaufnahmen von Adalbert Klaar nicht vollständig zu ermitteln. Beim Mühlbacher-Haus in Lintsching verzeichnet Klaar jedoch ausdrücklich die Bezeichnung ,, Rafen" fürdie Dachschräghölzer. Nach Klaar gilt ferner„ Zimmer" für die seitlichen Bansenräumemit Blockwänden, wofür man im Katschtal„, Pårm“( Barn) sagt; angeführt sind fernernoch die Benennungen„ Stuhlsäule“ und„ Gebinde", die Klaar jedoch offenbar zur bau-technischen Kennzeichnung und daher ohne Anführung in seinen Plan eingetragen hat.Der oberste Dachraum über dem Pfettenstuhl, für welch letzteren ich bis jetzt ebenfallsnur die Bezeichnung„ Stuhl"( ,, schtui“) im Lungau finden konnte, scheint hier nachBünker Hida'n" zu heißen 70, was sich zu„ Hille"= Scheunenraum stellt und nachOtto F. Weber im gleichen Sinne wie im Lungau auch für das oberste Scheunengeschoßin Krakauebene und im Murtal westlich von Murau gilt 71. Das Wort„ Hille" ist indessenweniger in Hinblick auf das Dachgefüge als auf die Entwicklung des Scheunenwesensvon Interesse 72.
69 Siehe oben Anm. 65.- Zu einigen Orientierungsumfragen des Verf. vgl. Anm. 94 unten.70 Vgl. Bünk er, J. R.: Dorffluren und Bauernhäuser im Lungau( wie Anm. 65), S. 183,187 und 193.
71 Weber, Otto F.: Beiträge zu einer Dialektgeographie der nordwestlichen Steiermarkund der angrenzenden Gebiete. In: Zeitschr. d. Histor. Ver. f. Steiermark LX( Graz 1969),S. 157 f. und S. 169, Karte 2. Ebenda, S. 158, kündigt Otto F. Weber eine„, seit Jahren vorbe-reitete Monographie" über dieses Wort„, Hille" an.
72 Vgl. Schmeller- From mann2: Bayer. Wörterbuch I, Sp. 1085 f.; R hamm,Karl: Ethnogr. Beitr. II/ 1, S. 1099 b, Register s. v.„ hille"; Hornung, Maria: Mundart-kunde Osttirols. Eine dialektkundliche Darstellung mit volkskundlichen Einblicken in die alt-bäuerliche Lebenswelt(= Studien zur Österr.- bairischen Dialektkunde 3). Wien 1964, S. 30,
Anm. 104.
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