Wohngiebel einen Drittelwalm auf, wie er für diese Breitgiebelhäuser des Liesertaleshäufig gebräuchlich war; es ist mit Nagelschindeln gedeckt. Das einheitliche Gefüge imDachgerüst läßt sich mit großer Sicherheit mit dem Baudatum 1767 identifizieren, das indie nördlichen Konsolwangen über der Rauchstube eingekerbt ist. Kniestock und Pfetten-stuhl ergeben über einem dreijochigen Raumgefüge ein mächtiges Steildach, das nach derallgemeinen Zimmermannsregel„ einen Schuh unter dem Winkel" abgebunden wurde 58.
2.4. Ortschaft Mühlbach, Gemeinde Rennweg, Katschtal:Hof vulgo Melcher Nr. 2; mächtiger Einhof mit Rauchstube, sehr wahrscheinlich17. Jahrhundert, sicher vor 1723 zu datieren. Das kurze Zeit vor seiner Abtragung vonmir noch im April 1946 aufgemessene Gehöft lag unmittelbar am Südfuß der altenKatschbergstraße. Schon wegen dieser günstigen Lage scheint es mehrfach fotografiertund zufolge seiner großartigen Geschlossenheit als Blockbau von gewaltigen Ausmaßenauch mehrfach abgebildet worden zu sein 59. In unserem Zusammenhang ist hier beson-ders der Hausquerschnitt mit der Anlage eines mächtigen, über sechs Raumjochen, d. h.auf einer Länge von fast 24 m errichteten typischen Pfettenstuhldaches von besonderemInteresse( Abb. 18, Fig. 2). Sein Pfettenstuhl ist auf fünf Stuhlbäume verstärkt und mitvier Stuhlriegeln auf einer Spannweite von 8,40 m abgezimmert, wobei in dessen Mittenoch doppelte Längsbalken eingebunden wurden. Die mächtigen Stuhlsäulen haben eineGesamthöhe von ± 3,80 m und stehen in den Innengebinden auf den Querwänden desBlockbauuntergeschosses. Der als eigener Lagerraum( ,, schtui") des Scheunengeschossesbenutzte Pfettenstuhl ragt also noch 3,05 m über die Grundpfetten auf, in deren Längs-wände wieder die verkürzten Kegelquerwände des drempelartigen Scheunengeschosseseingebunden sind, jedoch so, daß diese hier nicht mit den Stuhlsäulen verbunden sind. Esfehlen somit auch hier die„ Steigbänder". Die Stuhlsäulen sind mit doppelten, ange-blatteten Kopfbändern wieder sehr sorgfältig mit den Stuhlbäumen abgezimmert, diehier ausschließlich der Längsversteifung des Gestühles dienen. An den Stuhlsäulen fandensich neben verschiedenen anderen und späteren Einkerbungen die Jahreszahlen 1723 und1734, die wohl nicht von Zimmerleuten, sondern von Leuten stammten, die im weitenTennenbereich gelegentlich beschäftigt waren, beispielsweise beim langewährendenWinterdrusch, wie die typischen Tennritzzeichnungen von Hirschen, Heufudern u. dgl.deutlich erkennen ließen 60. Das Bauwerk muß also zu einem Terminus ante quem,höchstwahrscheinlich wohl im 17. Jahrhundert schon errichtet worden sein.
Auf dem gewaltigen Stuhlgerüst reiten die paarweise am First miteinander verblatte-ten Rofenbäume von je 12,25 m Länge und entsprechender Baumstärke, die in dieschweren Grundpfetten überstehend, doch mit Ferse eingesetzt und angenagelt sind( vgl.Abb. 9, Fig. 9). Damit ergab sich für das Melcherhaus ein mächtiges, jedoch nur mäßigsteiles Giebeldach, das am First noch beträchtlich ,, unterm Winkl" abgebunden und zu-letzt mit breitscharigen Nagelbrettschindeln eingedeckt war. An der Bergseite befandsich im Giebel die Einfahrt in den„ teint", die Hochtenne, die sich als brückenartigerEinbau über die drei hintersten Joche des Scheunengeschosses erstreckte, aber nur etwazwei Drittel der Breite des Dachstuhles einnahm. Im vorderen Hausteil war hingegen,
58 Zu diesem Neigungsmaß für die Gruppe der sogenannten„ gelagerten Dächer" nachzimmermannsmäßiger Faustregel vgl. Hecki, Rudolf: Oberösterreichische Baufibel( wieAnm. 42), S. 193, Abb. 239.
59 Vgl. Spamer, Adolf( Hrsg.): Die Deutsche Volkskunde. Leipzig( 1935), Band 2,S. 408, Abb. 3; Dinklage, Karl: Geschichte der Kärntner Landwirtschaft usw. Klagenfurt( 1966), Tafel XIX, Abb. 33, vor S. 65; Haus und Hof in Österreichs Landschaft( Notring- Jahr-buch 1973), Wien( 1972), S. 98 f.; Moser, Oskar: Der Melcher- Hof in Mühlbach ob Rennweg.60 Vgl. dazu Moro, Oswin: Bäuerliche Ritzzeichnungen. Carinthia I 138( 1939),
S. 305 ff.; derselbe: Volkskundliches aus dem Kärntner Nockgebiet. Klagenfurt 1952,S. 173-179.
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