Druckschrift 
Das Pfettenstuhldach : eine Dachbauweise im östlichen alpinen Übergangsbereich
Entstehung
Seite
26
Einzelbild herunterladen
 

pfetten liegen sie, mit geringen Einebnungskorrekturen an deren Kanten, ohne Absatz aufund sind hier gleichfalls mit eingetriebenen Holznägeln befestigt; sie reiten also aufeinem Stuhlgerüst mit doppelten Kranzhölzern. Die Stuhlsäulen haben hier eine Längevon 2,05 m und sind mit einfachen, angeblatteten Kopfbändern sowohl mit den Unter-pfetten wie auch mit den Stuhlriegeln abgebunden( Abb. 15, Fig. 1). In der Dachmitteist ferner in die doppelten Stuhlriegel ein Längsbalken eingebunden. Über diesem steht injedem der fünf Gebinde eine 2,50 m hohe Stocksäule, welche die Firstpfette trägt undsowohl durch Fußstreben mit dem oberen Stuhlriegel wie auch durch kürzere Kopfbändermit der Firstpfette abgebunden ist, in diesem Falle also sowohl in der Gebindeebene wieim Längsverband abgesichert erscheint. Dazu finden wir im Firstsäulengefüge hier Fuß-streben, die an die Stuhlriegel seitlich angeblattet, in die Firstsäule oben hingegen mitZapfen ,, eingestemmt" sind, eine Zimmerungsart, die sicher erst dem 19. Jahrhundertangehört und an die Stelle der altartigen, durchgehend angeblatteten sogenannten ,, Steig-bänder" getreten ist, eines Gefügemerkmales, das wir vielleicht hier schon als Leitmerk-mal" im bairischen Ständerbau vormerken dürfen und dem wir in der Folge noch mehr-fach begegnen werden.

1.2. Obere Gnoppnitz, Gemeinde Steinfeld, Drautal: Hofvulgo Lex Nr. 16( Kleinanwesen), Stallscheune( ,, Marhof"), sehr alter Blockbau, nichtdatiert. Es handelt sich um das Futterhaus eines Paarhofes in zirka 1300 m Seehöhe aufsteilem Abhang. Zur Zeit der Aufnahme im März 1946 war dieser nur noch als, Halt-hube" benützt. Aus Zeitmangel mußte sich die Aufnahme auf die wesentlichen Haupt-maẞe beschränken, da der Bau bereits sehr schadhaft war und eine Woche später abge-tragen wurde. Nach seiner Anlage und dem Baugefüge dürfte er noch dem 17. Jahr-hundert zuzurechnen sein; allerdings wäre eine spätere Erneuerung des Dachaufbauesmöglich. Genauere Erhebungen in dieser Richtung konnten leider aus Zeitmangel 1946nicht angestellt werden.

Es handelt sich hiebei um eine alpine Längsscheune in Blockbau mit querliegendemStallgang( ,, Hof") und 3+ 2 Stallzellen im Untergeschoß. Das Scheunengeschoß darüberhatte nur eine Wandhöhe von 1,70 m, so daß die Hochtenne( der Drösch- und Fuetar-tönn") mit seiner Zufahrt vom bergseitigen Giebel her bereits als brückenartiger Einbauin der Höhe des Dachgeschosses zu liegen kam 49. Der aus Rundhölzern derb gefügteBlockbau hatte eine Gesamtlänge von 10,20 m und eine Breite von 11,90 m. In seinemObergeschoß war er durch verkürzte Querwände in zwei rund 5 m lange Raumhälften( Joche) unterteilt. Daraus ergaben sich für das Gerüst des Pfettenstuhldaches nur dreiGebinde. Dieses hatte außerdem einen Firststuhl mit Firstpfette. Die Säulen beider Stühlehatten annähernd dieselbe Höhe( ± 1,70 m) und ergaben ein mäßig steiles, mit Klub-brettern ziemlich breitscharig eingedecktes Nagelschindeldach ähnlich dem vorigen Bei-spiel aus dem Gailtal( siehe Abb. 15, Fig. 2). Als Dachrofen dienten kräftige, unbe-hauene Rundhölzer, die am First zum Teil roh abgeblattet und durch Holznägel verbun-den waren( nach Abb. 8, Fig. 8).

Sowohl die Stuhlsäulen wie die Firstsäulen hatte man hier lediglich durch einfache,angeblattete Kopfbänder in der Längsrichtung des Dachgerüstes abgesteift. Es bietetsich uns damit das einfachste Beispiel eines derartigen Dachaufbaues über zwei Raum-jochen eines Breitgiebelbaues dar, dessen bergseitiger Einfahrtgiebel mit dem Scheunen-tor einen Schopfwalm mit stark ausladenden Saumbrettern und dessen talschauenderSW- Giebel einen oben etwas vorgeneigten Steilgiebel mit spärlicher Bretterschalung auf-wies. Seine auffallend geringe Längenerstreckung war durch die Anlage in einem extremsteilen Hanggelände bedingt.

26

49 Zum Scheunentyp vgl. Moser, Oskar: Das Bauernhaus( wie Anm. 11), S. 95 ff.