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Das Pfettenstuhldach : eine Dachbauweise im östlichen alpinen Übergangsbereich
Entstehung
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Ähnlich wie in der Hallenhausforschung Nordwestdeutschlands und der Nieder-lande wird nämlich auch in den alpinen Räumen für die Beurteilung der ländlichenBauentwicklungen erst eine ausreichend entwickelte Gefügeforschung wirklichmaẞhältige Aufschlüsse bringen können. Dies gilt namentlich für die Dachbauweisen, beidenen die ältere Hausforschung viel zu sehr in formal- äußerlichen Aspekten befangenwar, deren Gesichtspunkte, wie Dachneigung, Giebel- und Walmbildungen, Verformungder Dachhölzer( Konsolen, Flugpfetten, Giebelbundwerk und Gitterwerk u. dgl.), völligübersehen, daß alle diese Erscheinungen letztlich ihre Wurzeln im Grundgefüge desDachaufbaues haben und mit diesem stets ursächlich zusammenhängen bzw. zugleich mitdiesem verändert wurden und werden. Die gewaltigen Fortschritte in der neueren Haus-forschung beispielsweise in ganz Nordwesteuropa und die bedeutende historische Ver-tiefung und Abklärung der Hausbaugeschichte in Verbindung mit der Urgeschichts-forschung und Mittelalterarchäologie sind ohne Gefügeforschung nicht denkbar. Diesekann daher von der volkskundlichen Hausforschung weder an die Kunstwissenschaftoder Architekturgeschichte, noch an die technische Hochbauforschung oder gar an dieGeographie delegiert werden 43. Gerüst und Gefüge sind im Hausbau vielmehr das, wasbei der Tracht Schnitt und Machart bedeuten. Nur über sie lassen sich schlüssige Sach-merkmale festlegen, bauliche Entwicklungen klarstellen und damit auch das Sinngefüge,die Raumstruktur als solche erklären, mit denen wir letztlich vom Hausbau zum,, Hausen" als solchem und zum erklärten Ziel volkskundlicher Hausforschung vorzu-dringen vermögen.

Unseren nachfolgenden Beispielen liegen daher ausnahmslos genaue bautechnischeGesamtaufmessungen zugrunde, aus denen wir jeweils Querschnitte des Dach-gerüstes oder des gesamten Hauskörpers maßstabgerecht aufgetragen haben. Dabei er-übrigt die Beigabe von Streckenmaßstäben bei jeder Beispielgruppe die Eintragung vonMaẞzahlen in die Dachaufrisse und ermöglicht so eine bessere Vergleichsübersicht, fürdie die erforderlichen Maßverhältnisse dennoch greifbar sind. Fallweise wurden denDachquerschnitten auch Einzelskizzen von bestimmten Knotenpunkten desDachformen und Dachneigung als Baumerkmale ersten Ranges", nach denen die Dächer jenach Neigungswinkel in sogenannte, Legdächer"( 180 bis 270), gelagerte Dächer"( 370 bis 42°)oder Steildächer"( 48° bis 52°) eingeteilt werden. Und von den Pfettendächern, zu denenimmerhin die beiden ersten Gruppen immer" gehören, meint auch Rudolf Heckl:... Die Artder Pfettenunterstützung ist dabei belanglos. Dieser, Vollbinder oder kurzweg, Binder genannt,kann auf verschiedenste Weise konstruiert sein."( Heckl, Rudolf: Oberösterreichische Bau-fibel. Die Grundformen des ländlichen Bauens, Salzburg( 1949), S. 185-193, hier zitiert nachS. 185, Abb. 232 auf S. 186, und S. 190.)- Etliche Anhaltspunkte für das Pfettenstuhldach inunserem Sinne geben Klaar, Adalbert: Die Siedlungsformen von Salzburg( wie Anm. 6),Tafel VIII bei S. 56; Heckl, Rudolf, Oberösterreichische Baufibel, S. 190 f. mit Abb. 233 a,Fig. 3( ,, Scherendach"); Schlegel, R.- Conrad, K.: Das Bauernhaus im Lamprechts-hausener Dreieck. In: Mitt. d. Ges. f. Salzburger Landeskunde 100( Salzburg 1960), S. 587,Tafel 3( ,, Bauart der Wände"), Zeichen Fw.- Mittelbar ersichtlich wird die Bedeutung des,, Bockdachstuhles" oder Pfettenstuhles" für den Dachbau dieses nordalpinen Übergangsraumesu. a. aus der Karte über die Verteilung der Dachneigungen" im oberösterreichisch- salzbur-gisch- steirischen Grenzraum bei Heckl, Rudolf: Oberösterreichische Baufibel, S. 186,Abb. 233, sowie bei Schlegel, R.- Conrad, K.: Lamprechtshausener Dreieck( wieoben), S. 617-625( ,, Ausbildung der Giebelwände und Dachform des Hauses") und S. 642( ,, Dachform und Dachdeckung" der Scheunen).

43 Zu dieser Problematik in der Aufgabenstellung der volkskundlichen Hausforschung vgl.etwa Conrad, Kurt: Der Flachgauer Einhof.- Zur Problematik der Bauernhausforschungin Österreich. In: Mitt. d. Österr. Geographischen Gesellschaft 109( Wien 1967), S. 129–141,hier besonders S. 137 f. Völlig abseits liegt in seiner tendenziös- einseitigen Polemik gegen dievolkskundliche Hausforschung Christiansen, Jörn: Zu Wertvorstellungen volkskundlicherHausforschung. In: Kieler Blätter zur Volkskunde 2( Kiel 1970), S. 105 ff.- Zur Gefügefor-schung vgl. jetzt Hähnel, Joachim: Zur Methodik der hauskundlichen Gefügeforschung. In:Rhein.- westfäl. Zs. f. Volkskunde 16( Bonn und Münster 1969), S. 51-69.

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