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Zweiständergerüst mit durchlaufenden oder„ gleitenden" Standrofen dar-stellt, ein Dachbausystem, welchem übrigens im Hausgerüstbau Europas, besonders imnördlichen Mittel- und in Nordeuropa, sehr frühe und altartige Vorformen entsprechen( vgl. Abb. 6, rechte Tafel). Jurgis Gimbutas hat solche Zweiständergerüste aus Litauennachgewiesen, und zwar bezeichnenderweise als„ Übergangsform zum( Scher-)-Sparrendach 35. Sigurd Erixon behandelt diesen Gerüsttyp mit zwei seitlichen Pfostenoder Ständern( schwedisch sidostolpar, sidosulor) am Beispiel eines bemerkenswertenScheunenquerschnittes aus Gotland und spricht dabei ausdrücklich von„, Stand-rofen"( schwedisch ståndrafter), die mit ihren naturgewachsenen Aststummeln ineiner Nut des Wandrähms stehen und durch die beiden Seitenpfetten des Zweiständer-gerüstes gestützt werden( vgl. Abb. 10, Fig. 3) 36. Solche Standrofen finden sich auchsonst bei schwedischen Torf- und Holzdächern nach Erixon 37 und entsprechen mit ihremFußgefüge den sogenannten„ gleitenden Sparren" nach Hermann Phleps 38. Unter ande-rem hat man diese Bauweise mit durchlaufenden Sparrstangen dieser Art auch als Aus-gangsform für die Zimmerung des Zweiständergerüstes angenommen, wie es den nord-und nordwestdeutschen und niederländischen Hallenhäusern zugrunde liegt 39; und nachAdalbert Klaar dürfte es ebenso bei den altartigen Längsscheunen im niederösterreichi-schen Weinviertel vorgegeben sein 40. Zweifellos also kündigt sich in dieser Art vonStandrofen ein sehr weit verbreiteter und früher Übergang vom hängenden Rofendachzum Schersparren- und Sparrendach an, der u. a. auch durch unsere Pfettenstuhldächerund ihre Gefügedetails signalisiert wird( Abb. 10).
2. Die Sparren: Sie sind selbsttragende Glieder des Dachgerüstes, indem siepaarweise zu einem sich„, sperrenden" Dreiecksverband, dem„, Gespärre", gegeneinandergelehnt und ihre Fußenden gegen seitliches Ausscheren gesichert werden. Sparren be-dürfen daher sowohl am First wie am Dachfuß scherfester Verbindungen und müssenbei größeren Spannweiten außerdem in ihrer Mitte, wo das Moment der Durchbiegungam größten ist, durch einen besonderen„ Kehlbalken" abgesteift werden. Im Sinneunserer Unterscheidung von Scheren- und Sparrendächern( nach C und D) müssen wirjedoch auch hier zwischen dem Gefüge der Schersparren und dem der eigentlichen oder
35 Gimbutas, Jurgis: Das Dach( wie Anm. 33), S. 18-22: Variante RS von dessen,, Rofendach".
36 Siehe dazu Erixon, Sigurd: Svensk byggnadskultur. Stockholm 1947, S. 104 f. mitFig. 106 auf S. 100; derselbe: Svensk byggnadsteknik i jämförande belysning( wie Anm. 29),S. 56 f. mit Fig. 8 D auf S. 51.
37 Erixon, Sigurd: Wie Anm. 29, Fig. 11 A- B auf S. 65 und S. 68 f.
38 Phleps, Hermann: Der Blockbau, S. 121, Abb. 168, Fig. 5 und 6.
39 Vgl. Eitzen, Gerhard, und Ried, Hans: Das Bauernhaus im Niederbergisch- West-fälischen Grenzgebiet. Eine volkskundliche Untersuchung(= Werken und Wohnen/ Volkskund-liche Untersuchungen im Rheinland, Band 2), Wuppertal 1958, Fig. 1 a) auf S. 6.
40 Klaar, Adalbert: Der Scheunenbau im Viertel unter dem Manhartsberg. In: Jahrb. f.Landeskunde v. Niederösterreich, NF 27( Horn 1938), S. 243 ff.- Zur außerordentlichen Be-deutung sowie zur Sonderstellung derartiger gegeneinander gelehnter Dachhölzerpaare( Sparr-stangen, Spannen)" in der vor- und frühgeschichtlichen Hausbauentwicklung Mitteleuropas vgl.Schepers, Josef: Westfalen- Lippe(= Haus und Hof deutscher Bauern II), Münster( 1960), S. 29 f. Schepers sagt( ebenda, S. 30) sehr klar:„ Sparren stehen, die sparrenhaftenDachstangen( Sparrstangen) des Zweipfostengerüstes reiten(!), während die Rofen hän-gen." Bei den Scherbalken" im Sinne von Adalbert Klaar, den„, Standrofen" in unserem Sinnesowie den ,, Schersparren" nach C/ 1 bis 2 unseres Schemas handelt es sich jedenfalls um Dach-schräghölzer, die auf den Längsbalken der Fußpfetten oder„ Mauerbänke" bzw. auf den spreng-werkartigen Gerüsten der Pfettenstühle mit Kranzzimmerung oder der einfachen Dachstühle mitRähmzimmerung„ reiten". Die„ Schersparren" der letzteren Dachgerüste stehen dabei den reinen„ Sparren" näher, die ,, Scherbalken" oder„ Standrofen"( Sparrstangen) über Pfettenstühlen mitKranzzimmerung dagegen haben wie noch zu zeigen sein wird noch wesentliche Gefüge-merkmale von reinen„, Rofen" an sich.
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