Bis heute hat sich im übrigen beim Terminus„ Rofe" eine gewisse Unsicherheit inder Lautform des Wortes erhalten. Seinen frühen Bezeugungen zufolge, wie althoch-deutsch râvo, râfo und entsprechend altnordisch raptr, schwedisch raft, angelsäch-sisch rafter, englisch rafter, mittelniederdeutsch râve usw., wäre die Lautform ,, Rafe" zuerwarten; doch hat sich seit dem Vorgange Karl Rhamms in der Hausforschung diemundartliche Form„ Rofe" weitgehend durchgesetzt 30 und als Fachterminus einge-bürgert. Ihm stehen freilich auch andere örtlich- mundartliche Korrumpierungen wie z. B.kärntisch ,, Råchn" gegenüber 31. Wie schon Bruno Schier hervorhebt, sollte man sich inder Hausbauforschung des Wortes„ Rofe" als eines„ bequemen Terminus", der sonstvöllig unbesetzt ist und der wohl von Anfang soviel wie„ Dachstange" bedeutet, nichtbegeben 32.
Entsprechend ihrer Funktion im Dachwerk sind die hängenden Rofenregelmäßig mit ihrem Wurzelende zum First gerichtet, während das schwächere Zopf-ende unten, d. h. an der Grundpfette liegt 33. Daraus ergeben sich wieder spezifischeGefügemerkmale sowohl in ihrer Aufhängung, Befestigung oder Verbindung am Dach-first wie auch ihres Auflagers an der Traufenpfette, die möglichst eindeutig festzulegensind. Als hängende Dachhölzer können ja die Rofen einzeln oder paarweise verlegt seinund in ganz verschiedener Weise miteinander verbunden werden. Wieder anders sind dieverschiedenen Walmrofen nach der Art ihrer Befestigung zu beurteilen( Abb. 8). Ähnlichdifferenziert kann auch die Lagerung der unteren Rofenenden auf der Traufpfette oderdem obersten Wandholz sein( Abb. 9).
Im Gegensatz zur bisherigen Hausbauforschung, die nur von hängenden Rofen beiPfettendächern spricht 34, wird man jedoch auch den Begriff der„, stehendenRofen" im Sinne der skandinavischen Hausforschung als zweckmäßig einführen. Dieslegt u. a. schon die Ausbildung bestimmter Gefügearten von Rofenfüßen in der soebenbesprochenen Gefügereihe derselben nach Abb. 9 nahe. Solche stehende Rofen erweisensich als Übergangsform zu den Schersparren gerade im Hinblick auf die Pfettenstuhl-dächer als von besonderer Bedeutung. Sie hängen nicht am Firstbalken des Daches,sondern stemmen sich vielmehr mit ihrem Unterende, das zugleich das Wurzelende ist,gegen das Auflager der Fußpfette, den sogenannten„ Fers- Stall", und sind frei an denPfettenstuhl angelegt, wobei die Firstpfette sich bei genügender Aufsteilung erübrigt. Aufdiese Weise kommen wir zu einem reinen Pfettenstuhldach, das also in seinem Prinzip ein
30 Rhamm, Karl: Beitr. II/ 1, S. 544 f. Dazu Schier, Bruno: Hauslandschaften( wieAnm. 5, 1. Aufl.), S. 29, Fußnote 11).- Zu„ Rafe/ Rofe" vgl. Falk, H. S.- Torp, Alf:Norwegisch- Dänisches etymologisches Wörterbuch. 2. Aufl., Oslo- Bergen 1960, II, S. 870S. v. Raft.
31 Im nördlichen Unterkärnten( Gurktal, Metnitztal) werden nach den Erhebungen des Ver-fassers( um 1950) Stallscheunen mit einem strohgedeckten Scherenjochdach( nach A/ 3) als,, Råchnstådl" bezeichnet, wobei mehrfach die auflangenden, steilen Rofenhölzer, die man hier„ Råchn" nennt, dafür als bestimmend angeführt wurden. Hier scheint somit eine Vermischungoder Verwechslung von„ rafe" mit bair.„ rachen"= Stange( siehe Schmeller- From-mann2: Bayerisches Wörterbuch II, Sp. 81 f.) vorzuliegen, das sich mit dem seemännischen„ Raa",„ Rahe" nach Fr. Kluge zu dem Verbum„ ragen" stellt. Vgl. Kluge- Götze:Etymolog. Wörterbuch d. deutschen Sprache¹¹. Berlin 1934, S. 466 s. v. Rahe.
32 Schier, Bruno: Hauslandschaften( wie Anm. 5, 1. Aufl.), S. 28 f.
33 Gimbutas, Jurgis: Das Dach d. litauischen Bauernhauses. Stuttgart 1948, S. 24.34 Schier, Bruno: Hauslandschaften( wie Anm. 5, 1. Aufl.), S. 29; Gimbutas,Jurgis: Das Dach( wie Anm. 33), S. 24; Weiss, Richard: Häuser und Landschaften derSchweiz. Erlenbach- Zürich( 1959), S. 78.- Hingegen erwähnt bereits Torsten Gebhard imZusammenhang mit den„ zeltartigen oder satteldachartigen Gerüsten" der„, Dachhütten" ,, Stand-rofendächer", wie sie die Ethnographie und die Prähistorie in vielfältigen Abwandlungennachgewiesen hat"; siehe Gebhard, Torsten: Wegweiser zur Bauernhausforschung( Bayer.Heimatforschung, Heft 11). München- Pasing 1957, S. 130.
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