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Das Pfettenstuhldach : eine Dachbauweise im östlichen alpinen Übergangsbereich
Entstehung
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und allgemein verbindlichen Bezeichnung der außerordentlich verschiedenen Dachgerüst-systeme und ihrer Gefügeteile. Leider sind wir bis heute namentlich im zentraleuropä-ischen Raum der Alpen- und ihrer Vorländer von einer solchen einheitlichenund allgemein verwendbaren Terminologie selbst im Deutschen noch weit entfernt.

Dazu muß freilich festgestellt werden, daß die vergleichende Hausforschung darinmit historischen oder örtlichen Bezeichnungen allein nicht auskommen wird. Vielmehrwird gerade in ihr eine Terminologie anzustreben und zu fixieren sein, die über denletzteren steht und generell anwendbar sein muß. Zugleich sollte sie aber doch alsFachterminologie an den Sprachgebrauch der bisherigen wissenschaftlichenLiteratur ohne zu große Brüche anschließen. Dagegen sollte alle historisch und lokal oderregional überlieferte Nomenklatur, insbesondere auch die der einschlägigen Berufs-sprachen und Handwerksüberlieferungen aus einer solchen Fachterminologie möglichstausgeklammert werden, und zwar aus dem leicht einzusehenden Grund, weil sowohl das( vielfach nur scheinbar) autochthone mundartliche Wortmaterial wie auch die hand-werkliche Nomenklatur selbst wichtige Quellen zur vergleichenden Forschung sind odersein können und daher innerfachlich erst gar nicht generalisiert und zugleich subjekti-viert werden sollten. Ausdrücke dieser Art belasten daher eher die Verständigungs-möglichkeiten einer objektiven Sprachregelung. In jedem Falle aber wird diese letztereaußerdem erst in Verbindung mit bestimmten Gefügearten und Konstruktionsweisen, diestets möglichst auch bildlich zu verdeutlichen und festzulegen sein werden, die notwen-dige Voraussetzung für vergleichende Untersuchungen der ungemein verschiedenfältigenDachgefüge und ihrer Einzelheiten bilden können.

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Wir werden allerdings hiebei mit den weitgehenden Vereinfachungen nach der Praxisder bisherigen Hausforschung nur schwer vorankommen. Deren gebräuchliche einfacheNamengebung, wie Sparrendach, Pfettendach u. ä., reicht zur Kennzeichnung der Dach-bauarten eben nicht mehr aus, sobald diese selbst als mehr und weniger komplizierteZimmerungssysteme mit baustatisch weitgehend differenzierten Gefügeteilen zu definie-ren sind. Wir haben also nur die Möglichkeit, zu einem Bezeichnungsschlüssel von mehr-teilig zusammengesetzten Fachbezeichnungen oder gar ähnlich wie etwa in der Pflug-forschung zu kombinierbaren Formeln überzugehen. Der erste Weg empfiehlt sichzweifellos beim Vorgehen in einem engeren räumlichen Bereich und in Gebieten miteiner Sprache. Der zweite wäre unter Umständen für die internationale wissenschaftlicheVerständigung und kontinentale Vergleichsforschung anzustreben. Wir behelfen uns alsomit mehrgliedrigen Fachwörtern, die wir unter Bedacht auf die möglichen Systemanwen-dungen im Dachbau herkömmlicher Art bestimmten Gefügearten zuweisen und nur inVerbindung mit diesen anwenden.

Einteilung der Dachgerüste

Im Vergleichsbereich Mitteleuropas wird man zumindest folgende Dachbau-arten und Gerüstsysteme grundsätzlich zu unterscheiden haben und diesegegenüber den bisherigen Bezeichnungen in der vergleichenden Hausforschung, dieaußerordentlich uneinheitlich und schwankend sind, nach folgendem Klassifikations-schema bezeichnen, das auf die Gefügeeigenarten der herkömmlich überlieferten Dach-gerüste besser und konsequenter als bisher abgestimmt ist:

A. Jochbalkendächer

1. Sochadächer- 2. Cruckdächer

3. Scherenjochdächer.

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