Druckschrift 
Das Pfettenstuhldach : eine Dachbauweise im östlichen alpinen Übergangsbereich
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

EINLEITUNG

Das Dachwerk im Bereich herkömmlicher ländlicher Bauüberlieferungen ist bisherbesonders in der volkskundlichen Hausforschung nur recht spärlich und unzureichenderfaßt und behandelt worden. Erst seit dem Aufkommen von Forschungsrichtungen, diesich stärker am bautechnischen Gefüge der Hausbauten orientieren, hat neben der äuße-ren Form und Bedeckungsart auch die Bauart des Daches, das sogenannte Dachgerüst",etwas an ihrer Bedeutung gewonnen. Hand in Hand ging damit die Notwendigkeit einerbesseren Abklärung der verwendeten Bezeichnungen und Arbeitsbegriffe, vor allem auchder spezifischen Gefügebezeichnungen, wie das in dieser Hinsicht für eine solche ,, ele-mentaristische Betrachtungsweise" bahnbrechende Buch von Josef Schepers über dasBauernhaus in Nordwestdeutschland am deutlichsten zeigt 1.

Annähernd gleichzeitig, wenn nicht sogar schon etwas früher setzten jedoch auch inÖsterreich entsprechende Bemühungen von Adalbert Klaar ein, der im Rahmenseiner umfassenden siedlungstechnischen Bestandsaufnahmen in Salzburg sowie in denDonauländern auf die Ziele und Aufgaben einer technischen Hausbauforschung mitNachdruck hinweist 2 und dabei auch im Sinne der älteren Hausforschung in Österreich( A. Dachler, M. und A. Haberlandt) die Zusammenhänge der Siedlungsgestaltung unddes Bauwesens mit der Besiedlung und ihrer Geschichte nachhaltig unterstrich 3. Auseiner solchen siedlungstechnisch orientierten Arbeitsrichtung, deren unerläßliche Grundla-gen nach Adalbert Klaar ,, eine technisch genaue Maßaufnahme und Darstellung von Grund-riẞ, Gerüstbau und Baustoff" sein mußten, kamen gewiß nicht bloß aus Zufall auch ent-scheidende Anstöße für eine spezifische Dachgefügeforschung, die zugleich neue Grund-lagen und Voraussetzungen für die Beurteilung der Baubestände einbrachten. Die langevorher von Karl Rhamm 4 und vor allem von Bruno Schier 5 in Gang gebrachte Diskus-

1 Schepers, Josef: Das Bauernhaus in Nordwestdeutschland(= Schriften d. Volks-kundl. Kommission f. westfäl. Landes- und Volkskunde, Heft 7), Münster i. W.( 1943), hier be-sonders S. 108 u. ö.- Grundlegend sind u. a. folgende Vorarbeiten zur Dachgerüstforschung:Schwab, Hans: Die Dachformen des Bauernhauses in Deutschland und in der Schweiz, ihreEntstehung u. Entwicklung, Berlin- Oldenburg 1914; Bachmann, A.: Dach w sloviańskiembudownictwie ludowem(= Arch. tow. naukowego we Lwowie Abt. II, Bd. V, Heft 4), Lemberg/Lwów 1929; Schier, Bruno: Hauslandschaften und Kulturbewegungen im östlichen Mittel-europa, Reichenberg 1932, 2. Aufl., Göttingen 1966; wegen seiner Systematik und der vortreffli-chen Details sei noch hervorgehoben Gimbutas, Jurgis: Das Dach des litauischen Bauern-hauses aus dem 19. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte des Holzbaues. Stuttgart 1948.-Zu Baukonstruktion und Baustatik von Holzdächern im allgemeinen sind u. a. nützlich heranzu-ziehen: Gesteschi, Th.: Hölzerne Dachkonstruktionen. Ihre Ausbildung und Berechnung.4. Aufl., Berlin 1928; Neiss, Fritz: Sparrendach und Pfettendach( Diss. Braunschweig 1939),Hamburg 1940.

2 Siehe Klaar, Adalbert: Aufgaben und Ziele einer technischen Hausbauforschung. In:Wiener Zs. f. Vk. 47( Wien 1942), S. 33-44( mit 11 Abb.); vgl. auch derselbe, in: UnsereHeimat 1951, Heft 3/4, S. 62 f.

3 Klaar, Adalbert: Ebenda, S. 33.

4 Rhamm, Karl: Ethnographische Beiträge zur germanisch- slawischen AltertumskundeII/ 1: Urzeitliche Bauernhöfe im germ.- slaw. Waldgebiet, Braunschweig 1908, S. 539–589;derselbe: Ebenda II/ 2: Die altslawische Wohnung, Braunschweig 1910, S. 204-294.

5 Schier, Bruno: Hauslandschaften und Kulturbewegungen im östlichen Mitteleuropa(= Beitr. z. sudetendeutschen Volkskunde XXI), Reichenberg 1932, S. 26-68; dasselbe,2. Aufl., Göttingen 1966, S. 23-57.

9