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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
Entstehung
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Realismus in der Textumsetzung in Aktion festzustellen, 196 so setzt sich dieser Trend ineiner weitergehenden Dialogisierung der Aufführungen des Johannesklosters auf Patmosfort. 197 Dies scheint auch einem chronologischen Kriterium zu entsprechen: Die späterenBeschreibungen 198 zeigen stärkere Bestrebungen zu einer ausgewogenen Dialogisierungals die früheren, 199 wobei sogar unwesentliche Abweichungen von den Evangelien inKauf genommen werden.200

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Die Begehung erfolgt von kleinen Änderungen abgesehen 201 nach einemSzenarium, Ακολουθία τοῦ ἱεροῦ νιπτήρος, das in zwei Handschriften aus dem Anfangdes 19. Jahrhunderts erhalten ist. 202 Krumbachers Autopsie gibt nur einen sehrallgemeinen Eindruck, 203 die Deskription von Alexakis ist weit detaillierter. 204

Die Szene wird am Gründonnerstag jedes Jahr abwechselnd auf einem der beidenHauptplätze der Stadt gespielt. Am Karmittwoch schon wird der Nipter, tischförmigaus Brettern geformt mit Kreuzen und Blumen obenauf, aufgestellt. Am Donnerstag um11 Uhr vormittag gehen der Hegumenos 205 und elf Priester unter Glockengeläute zumPlatz. Der Hegumenos stellt Christus vor, die Priester die Apostel. Judas wird von einemArmen aus dem Volke gespielt, der dafür ein Paar Schuhe und 30 grosia bekommt.206Um den Tisch sind zwölf Stühle in zwei Gruppen zu sechs aufgestellt. Je zwei Apostelschreiten in Pompe zum Nipter, während der Chor das Hallelujah singt. Zuletzt kom-men Petrus und Judas, die das Silberbecken, in dem den Jüngern die Füße gewaschen

196 Im Kaiserpalast wurden die Apostel noch nicht differenziert: Der Actus( Fuẞwaschung)sowie der gesamte Evangelientext wurden monoton zwölfmal wiederholt. In Konstantinopelsind die Apostel zwar schon zu unterscheiden( bezeichnenderweise durch Namensschilder; nurJudas auch schon durch die Kleidung), die Dialogisierung ist aber noch nicht ausgeführt: DieWeigerung Petri wird noch vom evangelienlesenden Priester gesprochen. In Jerusalem 1750spricht sie Petrus selbst aus. Die Unterscheidbarkeit der Apostel( außer Judas) war offenbardurch die Sitzordnung gewährleistet.

197 Über die anderen angeführten Orte Antiochia, Zakynthos, Madytos und Kappadokienliegen keine Beschreibungen, sondern nur Hinweise vor.

198 Axelos, 1957: 14 ff. und Mavrudis, 1957: 41 ff.

199 Alexakis, 1889: 336 ff.; Krumbacher, 1889: 376; Malandrakis, 1905:369 f., 382 ff., 392 ff.

200 Der Klostertradition gemäß wird hauptsächlich das Johannes- Evangelium benutzt.201 Besonders nach dem Akt der Fußwaschung, vgl. Malandrakis, 1905: 393 f.202 Die erste ist einem Liturgiebuch am Ende beigebunden, das mit Venedig 1714 datiertist, die zweite findet sich am Ende eines Evangeliums, gezeichnet mit Bukarest 1693( Malan-drakis, 1905: 393 f.). Der Liturgieforscher A. Dmitrievskij berichtet in einer Autopsievon der Aufführung in Patmos( Skizzen aus Patmos, Kiew 1893, russ.) von einer ähnlichenBegehung, die in einer russischen Handschrift im Panteleimon- Kloster auf Athos beschrieben sei.Auch Pallas( 1965: 87, Anm. 283) weist auf eine Beschreibung im Typikon Euergetidos,Cod. Athen Nation. Bibl. 788 hin.

203 1889: 376: Auf dem kleinen Platze vor der Apotheke war ein mit grünen Zweigenund Blumen geziertes Holzgerüst aufgeschlagen, auf welchem zwölf ehrwürdige Mönche in kirch-lichem Ornate die Apostel darstellten; ein alter, von der Gemeinde unterhaltener Krüppel Glossar ::: zum Glossareintrag  Krüppel spieltein maigrünem Talar den Verräter. Die ganze Aufführung hielt sich genau an die Erzählung derBibel, auch die vom Abte gesprochenen Worte geben unverändert den heiligen Text wieder. DieFeier machte einen würdigen Eindruck, ohne jedoch die dramatische Lebendigkeit zu besitzen,welche den freier ausgearbeiteten Mysterien eigen ist. Die ganze Einwohnerschaft hatte sich zurFestlichkeit versammelt, auch der Gouverneur fehlte nicht, und von den Fenstern eines derSchaubühne gegenüberliegenden Hauses befriedigten sogar die wenigen Türkinnen von Patmosihre Neugierde."

204 1889: 336. Dort wird auch darauf hingewiesen, daß die Aufführung der Nipter- Szenein Konstantinopel alle 25 Jahre stattfinde, wofür jedoch keine Evidenzen erbracht werdenkonnten.

205 Abt eines griechisch- orthodoxen Klosters.

206 Die 30 Silberlinge des Verräterlohns.

21 Puchner

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