schen Liturgiesprache, an der alle Neuerungen und Sprachmetamorphosen bis zum Vul-gärmittelgriechisch hin vorübergingen. Die Klöster stellten nicht nur eine traditionelleGeistesmacht dar, sondern auch eine real- weltliche. 136 Von der Lateinerherrschaft( ab1204) bis zur Halosis( 1453) waren sie im Besitz fast der Hälfte des byzantinischenGrundbesitzes.137
Im Überblick ist festzustellen, daß die Ansätze zu einer Ausformung eines liturgi-schen Dramas dreimal unterbrochen wurden: durch den fast 200jährigen Ikonoklasmus,die Liturgiereform im 9. Jahrhundert und durch die politischen und territorialen Wirrender Paläologenzeit. Macht, Ansehen und partielle Unabhängigkeit der Klöster in dieserletzten Phase sowie während der nachfolgenden Osmanenherrschaft, die venezianische,genuesische und katalanische Herrschaft über weite Gebiete des ehemaligen imperialenTerritoriums, lateinischer Kultureinfluß und Proselytentum schaffen günstige Voraus-setzungen, die rezenten liturgischen Dromena auf fiktive monastische Vorbilder aus derPaläologenzeit bzw. der nachfolgenden zwei Jahrhunderte bis zur totalen Eroberung desGebietes durch die Türken( außer Heptanesos) zurückzuführen.138
2.2.1. Das Lazarus- Dromenon und der zyprische Passions-zyklus
1916 edierte Spyridon Lampros den Codex Vaticanus Palatinus Graecus 367fol. 34- fol. 39 in seiner griechischen Zeitschrift. 189 Die Ausgabe blieb gänzlich ohneEcho. Vogt redigierte 1931 das griechische Original 140 und fügte eine französischeÜbersetzung des gesamten Textes hinzu. 141 Carpenter 142 bringt Teile des Textes in
nen sie nicht( Vorhang), wohl aber die um 600 n. Chr. sich abspaltenden Kopten; nach 563( demJahr des 1. Kuppeleinsturzes der Hagia Sophia), wurden die Interkolumnen durch eine silber-überzogene Wand ausgefüllt, wie wir aus einem deskriptiven Gedicht des EpigrammatikersPaulus Silentarius anläßlich der Einweihung der renovierten Kirche wissen. Die ungefähre Über-einstimmung beider Daten legt den Zeitraum der Innovation klar fest. Holl meint, man gehehier auf eine fertige Vorstellung zurück und übertrage einfach die scenae frons des römischenTheaters auf den griechisch- orthodoxen Sakralraum. Die Analogien gehen bis in die Einzelheiten( zwölf Säulen, drei Türen, größere Mitteltur, Interkolumnen mit Tafeln ausgefüllt).„ Vielleichterstreckt sich die Parallele noch weiter: Die solea in der Hagia Sophia hat ihr Gegenstück in demRaum zwischen dem Proskenion und der Thymele, wo der Ambo steht... etwa an der Stelle, wodie alte Thymele sich befand, und auch die Lage der kaiserlichen Loge deckt sich in beidenFällen( 383). Der Große und Kleine Einzug ist an die Existenz dieser Türen gebunden, denn imFalle eines Vorhangs kann man diesen auch einfach zurückziehen, um die Mysterien sichtbar zumachen. Auch die beiden etoodot gehen also auf eine fertige Vorstellung zurück: sie entstammendem antiken Drama. Wie dort der Aufzug des Chores die Szenen schied, so markieren in dergriechischen Liturgie die stoodot die Akte des heiligen Dramas. Auch der Name stooooç ist wohlvon dorther entlehnt"( 383). Das spektakuläre Moment dieser These ist aus der Situation dama-liger Liturgiewissenschaft und Byzantinistik zu verstehen: die Provokation, daß eine der tra-ditionellsten Meẞliturgien des Christentums auf pagan- antike Vorbilder, noch dazu auf das vonden Kirchenvätern so verteufelte Theater rekurriert.
136 Dazu bes. Savramis, 1962.
137 Savramis, 1962: 49.
188 Aber auf keinen Fall weiter zurück. Die Datierungsgeschichte des Cod. vat. palatin.Nr. 367 mag dafür als Paradigma stehen.
139 Lampros, 1916: 381 ff.
140 Vogt, 1931: 37 ff., bes. 49 ff. Die volle Texterstellung gestaltete sich insofern schwie-rig, als von den Dialogteilen immer nur die ersten Worte angegeben sind. Die Passagen findensich in den kanonischen Texten und den Acta Pilati.
141 64 ff. Mahr, 1947: 45 wirft ihm später vor, daß er in der Textergänzung manchmaldanebengegriffen habe.
142 1936: 21 ff., bes. 32 ff.
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