jeros- Dromenon die Darstellung der Leiden des Gottes sieht, 505 vergleicht Thrakiotisden rezenten Ritus mit dem 1912 aufgefundenen Satyrspiel Ichneutes von Sophokles,wobei sich einige Übereinstimmungen ergeben.506 Die Kontroversen zur antiken Dramen-entwicklung von Ridgeway, Cornford, Farnell, Nilsson, Harri-son, Murray, Dieterich und Usener seien hier ausgespart, da sie denKalojeros nur indirekt betreffen und ohnehin noch genauer ins Blickfeld rücken.507 Inder großen Synopsis von Festformen, Ritualen und Mythen von vorderasiatischen anti-ken Mysterienkulten bis zum Volksschauspiel, wie sie James, Gaster und Rag-lan durchgeführt haben, findet auch der Kalojeros gebührende Achtung.508 Und in denStudien zum rezenten oder mittelalterlichen Volksschauspiel wie die von Cham-bers, Stumpfl oder Brody dient er als missing link für den Brückenschlagzum antiken Vergleichsraum.509 Kakuri schließt in Auseinandersetzung mit der
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505 1963: 398 f. Die vier Phasen: Geburt, Hieros Gamos, Tod und Auferstehung seien auchdie Elemente der altgriechischen Tragödie. Der Dionysos- Liknites entspreche der Babo- Szene; seinMord habe aber keinen Bezug zum orphischen Dionysos- Zagreus( 1966: 330 ff.). Papa-christodulu folgt hier unausgesprochen und in modifizierter Weise dem von Murray( in Harrison, 1962: 341 ff.) aufgestellten Elementenschema, stützt sich sonst auf die völligveraltete Studie von A. Müller, Lehrbuch der griechischen Bühnenaltertümer( Freiburg i. B.1886)( 1963: 309 ff.). So wird die Behauptung erklärlich, die griechisch- antike Theaterentwick-lung sei aus den heutigen Survivals heraus zu erklären.
506 1960/61: 35 ff. und in Néot Etabuoi, Alva 1959, p. 1-3( mir unzugänglich). Die Ahn-lichkeiten erstrecken sich auf das theriomorphe Gefolge( Satyren) und auf eine Szene, in der dieNymphe Kallene den Satyren das Geheimnis der übernatürlichen Geburt des Hermes entdeckt:In sechs Tagen sei er vom Säugling zum erwachsenen Menschen geworden. Das übermäßigrasche Wachstum entspricht der Babo- Szene mit dem Sieben- Monate- Kind. Thrakiotisversucht nun, Elemente der Tragödie aus Satyrspiel und Dromenon zu erklären: So sei derParodos aus der orgiastischen Pompe ins Freie zu einer Gottesstatue entstanden, Peripeteia undAgon entsprächen der Entdeckung und Überwältigung des Opfers für die Thysia, der Exodosdes Chors entspreche dem Komos, der triumphierenden Rückkehr der Gläubigen und der Auf-erstehung des Gottes. Der Theriomorphie der Satyren wird die Totemtheorie unterlegt.- Für soweitgehende Konsequenzen sind die Parallelen im Ichneutes allerdings zu wenig tragfähig.
507 Siehe 2.1. Dasselbe gilt auch für Wintersteins psychoanalytische Ursprungs-theorie.508 James( 1961) macht dabei zwischen paganen und christlichen Festen keinen Unter-schied, wohl aber zwischen verschiedenen Graden von Sakralität und Profanität. Eine gewisseSäkularisierung ist ihm für die Ausformung eines Dramas unabdingbar:" In the process they losttheir earlier serious purpose and significance. From being the dromenon, the sacred actiondone, they became drama performed at best for edification, instruction and worship, as in theMiracle, Mystery and Morality plays, or merely for recreation, amusement or' luck', as a pastimeof seasonal revel"( 277). Auch Gaster( 1950: 3 ff.) sieht das Drama aus dem Saisondramaentstehen: Mythen und Riten handeln vom selben Thema, dem Tod und der Auferstehung einesStellvertreters einer Kommunität als Erneuerung der Zeit. Die Erneuerung des Lebens ist derKern jedes Dramas. Es entsteht in der gegenseitigen Durchdringung von Ritus und Mythos,wobei sich der Mythos nicht bloß vom Ritus ableitet und auch nicht bloß das gesprochene Kor-relativ zu den Dromena ist( Harrisons things done), wohl aber dieselben patterns wie dieSaisonriten hat. Dies weist Gaster an mythologischen Texten des Vorderen Orients Glossar ::: zum Glossareintrag Orients nach:Er bezeichnet sie als Libretti für Saisondramen. Diese Thematik reicht nicht nur bis ins literarischeDrama, sondern findet sich ebenso in der Psalmen- und Hymnendichtung sowie in den Liedern,die zu Kalenderfesten gesungen werden. Konsequent endet die Reihe bei den englischenMummery Plays:" The Mummer's Play is the last stage in the evolution of the Ritual Drama,before it loses its theatrical structure altogether and becomes mere literary and poetic compo-sition"( 404).- Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Raglan in seiner Untersuchung überden Heros in Märchen, Epos, Mythos und Drama( 1949): Ausgehend von der Tatsache, daß dieHeroen eigentlich keine realen Personen sind und alle einander irgendwo gleichen( Typen wieder Narr, der König, der Heilige, der Teufel usw.), kommt er zum Schluß, daß sie Saisonritenentsprungen sein müssen( bes. 223 ff.).
509 Chambers entwickelt daran die Hypothese, daß es ein gesamteuropäisches Ludusmit der Tod/ Auferstehungs- Szene als Zentrum und zoomorpher Verkleidung gegeben habenmüsse( 1933: 211 ff.). Stumpfl( 1936: 215 ff.) begrüßt dies als Stütze für seine These der
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