mus eine Kontinuität durch die byzantinischen Jahre hindurch zu gründen: AntikerMystizismus habe bei Gnostikern und Manichäern, Eucheten und Paulikanern, Bogomi-len und Katharern, später in mohammedanischen Glossar ::: zum Glossareintrag mohammedanischen Derwischorden auf thrakischem Gebietfortgelebt. Viele der genannten Namen sind aber bloß große Fragezeichen; zudem ist esfraglich, ob man den Zusammenhang Kalojeros- Anastenaria durch jahrtausendelangeKontinuität belasten kann.500 Die Einflüsse einer Christianisierung zeitigen bei beidenBräuchen auch unterschiedliche Konsequenzen, denn der eine konnte sich an einen heorto-logischen Termin anlagern, der andere nicht. Die Quellenlücken in bezug auf die Vorge-schichte der Dionysosreligion lassen die eine Seite des Vergleichs im Dunkel; die Kom-mensurabilität der angesprochenen Fakten bleibt hypothetisch. In einem abschließendenStatement bekennt sich die bisher fundierteste Studie zum Thema doch zur Möglichkeitirgendeiner Form des Zusammenhangs:„ Der bescheidene Kalojeros, chthonischer Toten-dämon, Geist der Anabiose, heute unter dem Schutz des bacchischen Thiasos befindlich,ist vielleicht der Überrest des panarchaischen Ruraltyps, aus dem sich der Gott Dionysosder historischen Jahrhunderte des Griechentums herleitete. Er ist vielleicht der frühesteAhne und der späteste Nachkomme des Dionysos. Das Phänomen der generellen Streu-weite der Volkskulte wie auch die historischen und sozialökonomischen Umstände derthrakischen Provinz machen eine solche Ansicht wahrscheinlich.501" Die Vergleichs-möglichkeiten in den richtigen Proportionen anzusetzen, wird solange schwierig sein,als Dionysos• herausgelöst aus dem Zusammenhang unter allen vergleichbarenKulten der Antike und des Vorderen Orients Glossar ::: zum Glossareintrag Orients eine wissenschaftliche Vorzugsstellunginnehat, die selbst schon im Hellenismus gründet. Das von Epoche zu Epoche wechselndeBild und die Bedeutung des Maskengottes sind selbst ein Stück europäischer Geistesge-schichte. Es ist also weiter nicht verwunderlich, daß man bei vielen Bräuchen auf einenso berühmten Vergleichspartner Bezug nimmt. Hängt dieser doch engstens mit der Ent-stehung des griechischen Theaters zusammen.
bb) Parallelen zur altgriechischen Theaterentwicklung
Politis hat 1910 das Kalojeros- Dromenon eine„ rückgebildete dramatischeVorstellung" genannt.502 Dies charakterisiert in groben Umrissen die Meinung der grie-chischen sowie der internationalen Forschung bis heute. 503 Während K. A. Romaiosdie Thesen der Cambridge- Schule referiert 504 und Papachristo dulu im Kalo-
500 Megas, 1960/61: 532 sieht in dieser Personalidentität bloß einen äußeren Zusammen-hang und schließt sich damit einer älteren Meinung von Arnaudov, 1917: 81 f. an.Kakuri gibt an( 1963: 99 f.), Politis habe in noch unveröffentlichten Schriften deninneren Zusammenhang zwischen beiden Zeremoniellen nicht für unmöglich gehalten.
501 Kakuri, 1963: 151.
502 AF B', 1910, 47, onu. 1. Er bezieht diese Bezeichnung auch auf den Karneval vonSkyros und folgt damit Dawkins( 1906: 191 ff.) in der Ansicht, zwischen dem thrakischenund dem skyrischen Karneval bestehe ein genetischer Zusammenhang.
503 Mit Rücksicht auf die Tatsache, daß das gesammelte Datenmaterial noch an andererStelle mit der griechischen Theaterentwicklung in Bezug gesetzt wird, sei hier nur den wichtig-sten und ausdrücklichen Bezugnahmen auf das Kalojerosdromenon nachgegangen. GriechischeForschung: Politis, AF B', 1910, 47, Anm. 1; K. A. Romaios, 1944/45: 1 ff., bes. 119 ff.;Megas, 1956: 101; Megas, 1960/61: 472 ff., bes. 525 ff.; Thrakiotis, 1960/61:35 ff.; Kakuri, 1963: 153 ff.; Papachristodulu, 1963: 395 ff.; Papachristo-dulu, 1966: 226 ff. Internationale Forschung: Farnell, 1896-1909: 5, 106 ff.; Ridge-way, 1910: 16 ff.; Cornford, 1914: 62 ff.; Nilsson, 1951: 140 f.; Harrison,1962: 332 f.; Murray in Harrison, 1962: 341 ff.; Chambers, 1933: 206 ff.;Stumpfl, 1936: 215 ff.; Winterstein, 1928: 10 ff., 156 ff.; Raglan, 1949: 223 ff.;Gaster, 1950: 56 f.; James, 1961: 276 ff.; Brody, 1970: 104 ff.
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504 1944/45: 115 ff.