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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
Entstehung
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len und mythologischen Entstehungskonstellationen der einzelnen Maskentypen sind nursehr vage zu bestimmen. 458

6a) Literaturbericht zum Kalojeros- Dromenon 459

Als Dawkins 1906 aufbrach, um den Vizyinos- Bericht auf seinen Wahr-heitsgehalt zu prüfen, war er den Dionysos- Parallelen gegenüber sehr kritisch eingestellt.Seine Autopsie übertraf aber alle Erwartungen und so gehen die Übereinstimmungennach ihm noch weiter als in Vizyinos' Erinnerungsbericht aus der Kindheit.Dawkins' Bericht fand weltweiten Widerhall in der kulturanthropologischen, reli-gionswissenschaftlichen, altphilologischen Fachliteratur und beeinflußte auch die Theo-rien zum Ursprung des griechischen Dramas. 460 Wollte man diesen Verweisen undKontroversen im Detail folgen, so ergäbe das eine eigene Studie. Hier seien nur Ansätzedazu ohne Vollständigkeitsanspruch vorgebracht.

aa) Parallelen zur antiken Religion

Die wesentlichen Beiträge zur Diskussion lieferten Dawkins, 461 Liung-man, 462 K. A. Romaios, 463 Megas 464 und Kakuri. 465 Eigentlich wurde nurder Bericht des Archäologen Dawkins international rezipiert. Die weitere griechi-

zwischen wahrscheinlich machen, daß sie in irgendeinem Zusammenhang mit der Lazarus- Auf-erstehungsszene des zyprischen Passionszyklus stehen müssen( Spyridakis, 1975: 235 ff.,bes. 247 ff. und 249 mit weiterer Literatur). Megas verbindet die martialischen Lazarus-prozessionen in Epirus mit Waffentänzen und Winter- Sommer- Agonen( 1956: 142 f.). DieTod/ Auferstehungssymbolik wird in der Persephone- Sage und dem Kore- Mythos wiedererkannt( K. Romaios, 1964: 12 f.; Megas, 1956: 26). Von ähnlich genereller Unverbindlich-keit ist die Bemerkung, daß der Bittgang des Regenmädchens einer Pausanias- Stelle entspreche( Apradixà VIII, 38), wo die Athener in der Umgebung der Stadt eine Statue der Ge und desZeus Ombrios mit Wasser begießen und dazu eine Regenlitanei sprechen( Sitaras, 1946/47:236 f.; Eckert/ Formozis, 1943: 49 ff. hielten das Regenmädchen noch für slawischenUrsprungs).

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458 Zum Großteil ist dies schon in Kap. 3 geschehen. Während Clemen( 1914: 155) dieGeschlechtswechselverkleidung noch für nicht hinreichend erklärt hält, weist für Eliade( 1954: 480 f.) der Kleidertausch auf Androgynie hin. Der Mann, der Frauenkleider trägt, wirddadurch nicht eigentlich Frau, wie es oberflächlicher Betrachtung erscheinen könnte, sondern erverwirklicht für einen Augenblick die Einheit der Geschlechter"( 481). Als Umsturz der Ordnun-gen ist diese Verkleidung der zeremoniellen Orgie( Fest) analog. Als Symbol einer coincidentiaoppositorum tendiert sie aber auch zur Kreation einer neuen Ordo, der Ritual- und Festordnung( 512 ff.). In der Figur ,, des Alten und der Alten" sieht Eliade( 1954: 404)( im Sinne desFrazer schen ,, Corn spirit") Vegetationsgeister, die sich unter dem Einfluß des Totenglaubenszu ,, Ahnen" profilieren. Braut und Bräutigam sind aus dem Vorstellungsfeld der Hierogamieentstanden( 404 ff.).

459 Die wichtigsten Deskriptionen sind in der Materialdarstellung zu finden.

460 Die weitere griechische Forschung wurde dagegen nicht zur Kenntnis genommen.

461 1906: 191 ff., bes. 203 ff.

462 1937: 2, 768 ff., bes. 780 ff. und 839 ff.; 1939: 21 ff.

463 1944/45: 1 ff., bes. 80 ff., 99 ff., 112 ff.

464 1956: 96 ff.; 1960/61: 472 ff., bes. 506 ff. und 525 ff.

465 1952: 216 ff.; 1963: 1 ff., bes. 31 ff., 49 ff., 93 ff. und 111 ff. Um Breite und Tiefeder internationalen Diskussion auszumessen, wurde noch folgenden Verweisen nachgegangen:Farnell, 1896-1909: 5, 106 ff.; Frazer, 1911-1920: VIII, 331 ff.; Wace, 1909/10:232 ff.; Wace, 1912/13: 248 ff.; Harrison, 1962: XX, XXXVIII ff., 332; Murray inHarrison, 1962: 341 ff.; Chambers, 1933: 206 ff.; Wace/ Thompson, 1914:139; Stumpfl, 1936: 212 ff.; Kakuri, 1946: 152 ff.; Politis, 1920-1931: 3, 199 ff.;Winterstein, 1928: 10 ff., 156 ff.; Ridgeway, 1910: 16 ff., 20 ff., 23 ff.; Hasluck,1926: 58; Megas, 1958: 62 ff.; James, 1961: 276 ff.; K. Romaios, 1960: 24 f.;Papachristodulu, 1963: 395 ff.; 1966: 330 ff.; Thrakiotis, 1960/61: 35 ff.;Penew, 1966: 247 ff.; Gaster, 1950: 56 f.; Raglan, 1949: 251; Brody, 1970:

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