Druckschrift 
Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
Entstehung
Seite
248
Einzelbild herunterladen
 

Aktion, die Handlung bekannt ist. Noch ist die Sprache nicht auch Medium des poeti-schen Wie der Ausgestaltung, so daß der Dialog einfach Mittel der Improvisations- undVariationslust auf einem gegebenen Grundgerüst ist wie andere auch, Material zur For-mulierung von Fäkal- und Sexualwitz, Bildung von Assoziationsketten, Mißverständ-nissen u. a. In diesem Sinn ist Volkstheater durchwegs vorliterarisch.

1.8.2.1. Die pontischen Momoeria

Diese relativ komplexe, z. T. mehrszenige Vorführung vereinigt zwei archetypischeSzenen in sich( Gerichtsspiel, Tod/ Auferstehung) und reflektiert auch einen gewissensozialhistorischen Hintergrund. Die Beschränktheit auf die griechischen Kolonien amEuxinischen Pontus und seinem Hinterland legt einen Zusammenhang zum türkischenOrta Oyunu nahe. Die Aufführungsperiode erstreckt sich in einigen Fällen von Neujahrbis zum Karneval und zeigt die Zusammengehörigkeit beider Krisen- und Festperioden.Auffällig ist das Hervortreten einer gewissen analen Komponente bei der Auferweckungdurch Gestank bzw. bei der Auffindung der Frau durch ihren Körpergeruch. Nr. 1627zeigt schon Tendenzen zur Allegorik und urbanen Einfluß.1621) I. Babalio( 79 a, 4 a), Flüchtlinge aus Keppekklisia im Pontus( 1 b). II. Vortagvor Weihnachten, früher. III. Der Chuspos, der Araber, der Alogas( Pferdezüch-ter), die Braut mit Haube und ein Lyraspieler ziehen von Haus zu Haus. Zuersttritt der weißhaarige Chuspos ein, mit einem Holzschwert und einem Sack überder Schulter. Er ist müde, grüßt mit dünner Stimme den Hausherrn und strecktsich am Boden aus. Der Hausherr grüßt zurück und fragt ihn, woher er kommt.Doch der Alte ist recht einsilbig. Sowie der Hausherr die Erlaubnis zu bleibenausspricht, ruft er die anderen herein. Die Lyra spielt, und man tanzt. Die Brauthat keine Lust zu tanzen. Der Alogas fragt sie, warum. Da tritt der Araber einund beschimpft den Chuspos, daß er ihm die Frau gestohlen habe. Nach demStreit wird die Braut gefragt, wen sie lieber habe. Sie bevorzugt den jüngerenAraber. Jetzt hat sie auch wieder Lust zu tanzen. Die Masken werden bewirtetund verlassen mit einem Glückwunsch das Haus. V. Hs 1622/1972: 72 f.1624) I. Raum Kilkis( 8 f), Flüchtlinge aus Metalliko im Pontus( 1 b). II. Neujahr 1940.III. Der Teufel( dáẞolov) stiehlt mit Hilfe anderer Zuschauer und Maskierterdie Braut. Der Bräutigam gerät außer sich und rast in der Zuschauermenge her-um, läuft Leute nieder und schlägt mit dem Stock um sich. Aber er findet sienicht; sie ist in der Zuschauermenge versteckt. Er kommt verzweifelt zum König( Baothès in offizieller Generalsuniform mit Orden, Goldborten, Szepter, Kroneund roten Streifen an der Stiefelhose) und zeigt den Raub an. Dieser schickt denKaẞáns( Amtsdiener auf Pferd) auf die Suche. Der findet die Braut und ver-haftet den Teufel. Dieser wird vor den König gebracht, und der Prozeß beginntsofort. Der Kadi( in Richtertracht, sehr dick) setzt sich neben den König, dochzieht ihm jemand den Stuhl weg, so daß er hinfällt. Das Aufstehen ist für ihnwegen seines Körperumfanges sehr schwierig, und er fällt wieder hin. Endlichsitzt er auf dem Richterstuhl, hat aber nun seine Kaltblütigkeit verloren und ver-urteilt alle zum Tod durch Erhängen. Die Braut hört das Urteil und fällt besin-nungslos zu Boden. Der Arzt( in üblicher Kleidung) kommt und untersucht sie.Als Folge seiner komischen Therapiebemühungen stirbt sie. Da weint der Bräuti-gam, beugt sich über sie und küßt sie. Das erweckt sie wieder zum Leben. DerKönig ist von diesem Wunder bewegt und begnadigt alle. Es folgt ein Gruppen-tanz. V. Sa muilidis, 1973: 36 ff.

1626) I. Pontus( 1 b). II. Ab Neujahrstag früh. III. Die Truppe formt sich am Tag nachWeihnachten; gespielt wird in Häusern, auf Höfen, auf Tennen in verschiedenen

248