immer Eier. Es folgt die Babo mit dem Sieben- Monate- Kind, das sie in Deckengewickelt im Arm trägt. Sie bekommt immer Geld. Zuletzt kommt der Bären-führer mit der Bärin. Sie fällt in Ohnmacht, bekommt Futter und steht wiederauf( Regenzauber). Man schneidet ihr einige Haare aus dem Pelz( Abwehrzau-ber). Der derart gestaffelte Sammelumzug dauert bis in die frühen Nachmittags-stunden. In der vierten Nachmittagsstunde versammelt man sich am Dorfplatz.Erde und Bäume werden vorher mit Wasser besprengt, an der Stelle, wo derKönigswagen steht- unter einem großen Baum soll sogar Schlamm sein.Jeder der Teilnehmer macht sich ein Schlammkreuz ins Gesicht. Es folgt dashalbstündige Tauziehen um den Königswagen; auf der einen Seite ziehen die ver-heirateten Männer, auf der anderen die unverheirateten und der Kapistras. Siegendie Burschen, so wird es ein gutes Jahr. Sie ziehen den Wagen dann zum Haupt-platz unter den Baum; dort findet die Pflügung und Aussaat statt. Die Pflügungwird mit einem echten Pflug durchgeführt. Vier Burschen, die„ Jungstiere"( früher trugen sie Häute) ziehen den Pflug gegen die Sonnenrichtung. Beim An-blick von Frauen werfen sie sich auf die Erde und beschmieren sich mit Schlamm.Der Kalojeros führt den Pflug. Auch der König- Sämann wirft sich zu Boden( oder der Königswagen mit ihm wird umgeworfen; sein Fall hat mantische Bedeu-tung). Die Szene ist von großer Komik; nur der Kalojeros ist ernst. Drei Kreisewerden gezogen. Dann folgt die simulierte Aussaat: Der Kalojeros übergibt demKönig das Sieb; dieser bekreuzigt sich, ruft die beiden Heiligen an und beginntdie Aussaat. Unter Anrufungen, Epoden, obszönen Wünschen usw. führt er dieAktion durch. Dann wird von den Zigeunern Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeunern der Phallus in Form der Lyra mitobszönen Bewegungen auf den umgeackerten Boden gelegt( die Autorin vermutet,daß die volle Saftigkeit der lasziven Aktionen durch ihre Anwesenheit nicht zurAusfaltung kam). Der Kalojeros setzt sich auf eine Sitzgelegenheit in der Mitteder gepflügten Kreise. Der Archianastenaris bietet ihm Brot, Käse und Oliven inkleinen Mengen an. Der Kalojeros bekreuzigt sich und iẞt. Sofort darauf werfenihn der König, Kapistras und andere der Truppe zu Boden und„ töten" ihn. Erwird auf den Rücken gelegt und über die gepflügte Erde geschleift. Vier Leichen-träger heben ihn auf, tragen ihn zum Trog und tauchen ihn dreimal bis zu denKnien ins Wasser( der hl. Quelle). Bei der Berührung mit dem Wasser belebt ersich und wirft Maske und Filz ab. Inzwischen hat die Truppe am Dorfplatz einenzyklischen Tanz begonnen, den der König anführt. Beim Eintreffen des Kalojerosführt ihn dieser selbst an. Der Tanz gleicht dem letzten Tanz der Anastenaria.Das„ Gute Jahr" ist gesichert. Das eingenommene Geld wird hauptsächlichder Kirche gegeben oder für öffentliche Zwecke verwendet. Speisen werden andie Darsteller verteilt, vor allem an den Kalojeros. Dann geht man in den Konakund führt erneut die Beweihräucherung durch. Es folgt eine Feier bis in die Mor-genstunden. V. Kakuri, 1963: 31 ff.
1515)( 232, 2 b) Hs 1104 A'; Megas, 1960/61: 506 ff.
1.8.1.1.2. Faschingskönig und Hunde- Bey
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Diese auf den Raum Thrakiens beschränkte Figur stellt für die jeweilige Kommuni-tät den obersten Repräsentanten der Verwaltungshierarchie dar, temporär begrenzt imSinne der Verkehrten Welt“, transzendental überhöht durch die Dimension des Jahres-königs, von dessen Konstitution und Euergie die Prosperität des Jahres abhängt. Daherträgt er als Zeichen großer Kraft eine überdimensionale Pfeife und die Spielkette mitZwirnsspulen. Dieses Amt des Königs ist erblich, oder er wird mit sozialer Schichten-präferenz gewählt. Konstante Aktionen sind die Pflügung und Aussaat sowie der Tod
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