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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
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Pferd durchreitet er die Menge der Zuschauer gegen eine Quelle hin, wo nachoraler Tradition das Nest des Drachen gewesen sein soll, der dem Dorf das Was-ser absperrte. Wenn der hl. Georg bei der Quelle anlangt, wird aus einem kleinenReservoir Wasser ausgelassen und ein dicker Wasserstrahl schießt mit Macht ausder Quellenrinne. Die Quelle ist wieder frei. Vor und nach der Zeremonie Tanzund Lieder, in der Folge auch Pferderennen und Ringkämpfe. V. Aikateri-nidis, 1969: 129 ff.

1506)( 42, 7 c) Hs 1253/1971: 108 ff. 1508) coapáda, napýla( 277, 2 a) Mo-schidis, 1962: 153. 1509)( 410, 81) Tasios, 1929: 262. 1510)( 477, 2b)Hs 1154: o. S. 1512)( 338, 8 j) Thrakiotis, 1961: 347 ff.; Daskalopu-los, 1962: 353 ff.

1. 8. Interaktives Rollen geflecht

Der progressive Prozeß der Konkretisierung der mimetischen Metamorphosebe-mühungen findet in der Konstitution einer Rollenfigur seinen Abschluß. Treten nun dieanthropomorphen Verkleidungstypen in einen interdependenten Aktionszusammenhang,so ist ein ,, Drama" entstanden. 347 Der Systembegriff wird wegen seiner weithin noch inDiskussion stehenden Implikationen vermieden, Geflecht" charakterisiert die Eigen-schaft der( sinnhältigen oder nicht) Zueinandergeordnetheit und Aufeinanderbezogen-heit der einzelnen Rollenfiguren. Insofern die derart durchgestalteten Rollenfiguren inder Maskierung realitätshältig sind( sie vermitteln und definieren eine oder mehrere Per-spektiven bzw. Ebenen möglicher Wirklichkeiten) und sich korrelativ verhalten, gelingtes ihnen, eine der denkbaren in realiter nicht existierenden- Realitäten konkret undaugenscheinlich darzustellen. Vor diesem ausreichend signalisierten Hintergrund wirddie Verkleidung zum Kostüm, der Symbolgegenstand zum Requisit, der Platanenbaumzum Praktikabel, die dynamistischen Bedeutungszentren( Tenne, Kirchplatz, Haushof,Wegkreuzung) zur Bühne, der Brauchtermin zum Aufführungstermin. Die Definitiondieser Gegen- Wirklichkeit wird durch eine Handlung( Dromenon, Drama) geleistet. Dersoziokulturelle Kontext bestimmt den( archetypischen) Inhalt der Szene; neben seinerstereotypen Grundstruktur ist er variabel, d. h. improvisiert in der Ausführung, die Dra-matis Personae sind grob schematisierte Typen. Individualität und ästhetische Bemes-sungskriterien können noch nicht in ihre Rechte treten.

1. 8. 1. Un dialogisches Rollengeflecht

Die verbale Kommunikation( Sprache) als spezielle Form der Interaktion ist für dieKonstituierung einer Rollenbeziehung sekundär; Aktion und Reaktion können auch aufanderen Zeichensystemen beruhen, ritualisierten Ablauf haben oder sich spontan er-geben. Aber selbst wenn zwei Rollenfiguren Sprache benutzen, ist der dialogische Kon-nex solange nicht gegeben, als sie z. B. aneinander vorbeireden, nur ihre eigene Situiert-heit explizieren usw. Zwei Monologe ergeben noch keinen Dialog. Die Verwendung vonSprache ist noch kein Nachweis der Kommunikation. Die geläufige Literarisierung vonTheater verwischt das Empfinden für diese Vorstufen, und man muß schon auf diePantomime rekurrieren, um eine adäquate Vorstellung anzutreffen.

1.8.1.1. Karneval

Die ,, revolutionäre" Atmosphäre des Karnevals wird manchmal deutlich, manch-vom Gegensatz Sauber/ Schön Schmutzig/ Häßlich durchzogen. In

mal weniger

-

347 Drama setzt im üblichen Sprachgebrauch die Kommunikationsform der Sprache voraus,den Dialog, weshalb ,, Drama" hier noch in Anführungszeichen zu setzen ist und die theatrali-sche Manifestation, abstrahiert von ihrem Sich- Ereignen in der Aufführung meint.

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