Byzanz gebracht wurden. Am leeren Grabe des hl. Lazarus, einem schlichtenrömischen Sarkophage in der Gruft unter der Ikonostasis, der goldfunkelndenBilderwand der altbyzantinischen Lazaruskirche, beginnt die vom jeweiligenBischof von Kition zelebrierte Lazarusfeier und wird am Altartische vor derBilderwand beendet./ Die ganze Kirche ist mit Lazaruszweigen zu einer Riesen-laube austapeziert. In der Fest Lithurgia näselt der Protopappâs( d. h. der erstePriester) seine Gesänge, dem die ganze Gemeinde in gleichem Nasentone gegen-singt, während der Bischof im vergoldeten Chorstuhle steht, umgeben vom Archi-mandriten, Exarchos und zwei Diakonen mit dreiarmigen Leuchtern. Die Luftwird dick vom vielen Weihrauchschwenken und von Tausenden brennender Ker-zen. Zum Schlusse drängt sich die ganze Volksmasse zum Lazarusbilde, einerölgemalten Holztafel am Hauptplatze in der Bilderwand, um dieses zu küssen.Selbst jeder Säugling wird emporgehoben und mit den Lippen gegen die Hand desHeiligenbildes gepreßt. Noch größeres Gedränge aber umgibt die heilige Säule amLazarusgrabe, die jeder küssen, an der jeder, auch der ärmste Bettler, die ihm ge-schenkte brennende Wachskerze ankleben muß./ Nun zieht der Metropolit mitden Priestern und der Gemeinde nach dem großen Empfangsraume, der Sala desanstoßenden Lazarusklosters. Inzwischen haben die Epítropoi, d. h. die Kirchen-vorsteher und Diakonen(-sic-) den schönsten und intelligentesten Knaben desOrtes, das Paedí tù Lazáru, den Lazarusknaben, in das eigens für das Fest vonden besseren Frauen der Stadt aus gelben Lazarusblumen, den„ Lulúdia tù La-záru"( der prächtigen Pflanze Chrysanthemum coroniarum L.) geflochtene La-zaruskleid gehüllt./ Unter Anstimmung von Trauerliedern und Trauermusikwirft sich der mitten im Gemache auf ein buntes Blumen-, Blätter- und Teppich-lager. Das duftet von Rosen und Orangen, glüht von purpurnen Granatenblüten,ist umragt von Palmen, Lorbeer und Myrten, umstanden von grünem in Töpfengezogenen Getreide und umflackert von riesigen Wachskerzen in silbernen mehr-armigen Leuchtern./ Der Protopapas(-sic-) verliest das Lazarus- Evangelium im11. Kapitel St. Johanni und wenn er zum 43. Verse kommt, erhebt er seineStimme, genau wie Christus tat:„ ,, Da er das gesagt hatte, rief er mit lauterStimme: ,, Lazarus, komm heraus". Während des„ Lazare éxelthe"-Rufes( d. h.Steh auf, komm heraus aus der Grabkammer) des Protopapas sind drei gleich-zeitig zelebrierende Priester oder Diakonen(-sic-) beschäftigt. Der eine legt dasKruzifix auf den Kopf des Lazarus- Knaben, der zweite beschwenkt ihn mitWeihrauch und der dritte besprengt ihn mit einem in das Weihwasserbecken ge-tauchten Myrtenbüschel./ Nun erst erwacht der Totgesagte. Der Lazarusknabespringt auf, die Frauen begießen ihn mit Rosenwasser, bewerfen ihn mit Rosen-blüten und stecken ihm Rosenglykò und andere Süßigkeiten in den Mund und einEpítropos( ein Kirchenvorsteher) reicht ihm einen Schluck Wein und einen BissenLazarusbrot. Die Pfeifen, Flöten und Tamburine, die Geigen und Lauten mit-samt dem Kirchenchor intonieren im Walzertakt einen Freudenhymnus, in dendie Gemeinde einstimmig einfällt. ,, Der Lazarus ist auferstanden", ruft jeder neuHerantretende dazwischen./ Die den Kirchenvorstand und Festausschuß bilden-den Larnakioten reichen nun mit ihren Frauen und Töchtern bei den Bevorzugtenallerlei Speisen und Getränke herum, so besonders die reich mit Früchten undKonfekt dekorierte Toten- Gedächtnisspeise, das bereits beschriebene Kollyva desLazarus, dazu phantastisch geformte Kuchen und Brote, wie wir sie beim Oster-gebäck wiederfinden, ferner in silbernen Prunkgefäßen das Glyko, d. h. dieSüßigkeit, nach Landesart eingemachte Früchte der verschiedensten Art. Auchkredenzen sie Landesliköre und Mastika, den cyprischen Weinschnaps und Com-
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