schen Denken weit größer als im ästhetisch reflektierenden Bewußtsein, und das was wieAndeutung oder Anspielung aussieht, kann schon für das Ganze stehen. Die häufigeVerbindung mit Lärmen und die kalendarische Fixierung auf Dämonenzeiten und Früh-lingstermine weisen auf den fertilitätspromovierenden Hintergrund der Begehungen. DieAuferweckung und Beförderung der Vegetation bildet den Motivationshorizont desBrauchgeschehens.
1.7.2.1.1. Anthormorphe und phyllomorphe Verkleidung
Die Motivation der Blumen- und Blätterverkleidung besteht in der Teilhabe desMenschen an der jährlichen Erneuerung der Natur im Frühling. Das zyklische Verständ-nis des Vegetationsrhythmus manifestiert sich in den Tod/ Wiedergeburt- Dromena, diein diesem Zeitraum stattfinden, und in der Einsicht in die praktische Lebensnotwendig-keit von Eueterie- Aktionen( auch in Verbindung mit der Regenprozession). Vor demHintergrund der vegetativen Anagenese unterscheiden sich christlich- liturgische und" pagane" Festformen wenig. Der gesamte Osterzyklus mit der Resurrektion Lazari undChristi erscheint unter diesem Aspekt als Blumenfest, als rekapitulierende Wiederver-gegenwärtigung des Epochendramas in zwei Thanatos/ Palingenesie- Akten. Auf die Be-deutungsverschiebung durch die intensivere Teilnahme der Frauen am Heilsgeschehenkonnte schon hingewiesen werden, der massive Gebrauch des vegetativen Wiedergeburts-symbols der Blume als Festattribut darf noch hinzugefügt werden.
Der Regengang
In Trockenperioden im Spätfrühjahr und Frühsommer führt man eine Regenbitt-prozession aus: Meist ein armes Kind oder Waisenkind, die soziale Outsiderpositiondeshalb, um Gott leichter zu rühren-, oft auch ein Mädchen( Altersgrenze und Virgini-tät) werden in Blätter gekleidet, welche man begießt, so daß das Wasser vom Laub zurErde tropft wie bei Regen; oder eine Pfanne wird auf dem Kopf getragen, auf die manWasser gießt, so daß das typische Regengeräusch entsteht. Der besondere Bezug der Frauzum feuchten Element im dynamistischen Gefüge des vorliegenden Kulturkontextssichert ihr den Vorrang der aktiven Teilnahme an dieser Aktion. Darauf weist auch derdurchwegs weibliche Name der verkleideten Person, auch wenn dieselbe ein Mann vor-stellt. Die Regenlitanei, in monotoner Weise gesungen, lautet in ihrer einfachsten Form( Passow, 1860: 233. CCXII, zitiert nach Petropulos, 1959: 35, B'):
Perperuna geht herum,/ bittet Gott:/ Mein Gott, regne Regen/ einen Regen einenleisen, damit keimen und blühen/ und die Leute bereichern/ der Weizen, dieBaumwolle, die frischen Gräser./ Pfützen, Pfützen das Wasser und die Gebur-ten eine Menge/ jede Ähre einen Scheffel,/ jeder Rebstock eine Ladung.1198) Mapumpitoa. I. Zoodochos Piji( 554, 7 b). II. Sommerdürre. III. Ein kleinesMädchen( bis zwölf Jahre) bindet sich einen Strick um die Mitte, an dem einebestimmte Bergpflanze( μлoopуrévia) gebunden ist. Es trägt einen Topf am Kopfund zieht damit herum und singt ein Regenbittlied. Jeder Hausherr begießt dasMädchen mit Wasser, bis es ganz naß ist. IV. Geld. V. Hs 291/1968: 47 f.1201) Deprеpitoa. I. Ajia Paraskevi( 16, 7 d). II. Im Sommer bei Dürre. III. Ungefährzehn Mädchen gehen um, in der Mitte eines ganz in Blätter gekleidet, und singenein Regenbittlied. Die Hausfrauen gehen in den Hof und überschütten das ver-kleidete Mädchen mit Kübeln von Wasser. IV. Sie bekommen Käse und Mehl,woraus die Pastete für das Regenmädchen gemacht wird. V. Hs 1046/1970: 59.1203) Пeprepoбva. I. Gorgopotamos( 141, 9 c). II. An einem Sonntag bei Dürre, vorvielen Jahren. III. Ein armes Kind wird in Platanenzweige gekleidet, nur das Ge-sicht bleibt frei. Eine Mädchengruppe zieht mit ihm im Dorf umher und singt
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