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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
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dem Frauen- Thiasos Elemente des Adonis- Kultes zu entdecken vermeinte. 336 Sicherge-stellt ist jedenfalls der vegetationskultische Bezug, der im Threnos zum Ausdruckkommt. 337 Ly kuris weist darauf hin, daß der größte Teil der Bevölkerung der Inselaus Matrosen bestehe und im Westteil von Ägina noch ein Aphrodite- Tempel erhaltensei, welche Gottheit den Schutz für Reisende übernommen habe; neben dem Adonis-Begräbnis tritt hier noch ein zweiter Parallelitätsanspruch auf. 338 Der 14. September isteiner der wenigen Herbsttermine, an dem Dromena zu beobachten sind.

9) Krantonellos

Während Kakuri einen möglichen rituellen Bezug zu Adonis als zweifelhafthinstellt, 339 weil die Zeremonie schon immer von Kindern ausgeführt worden sei, es sichalso nicht um den üblichen Infantilisierungsprozeß handle, ergibt sich für Makry-michalis ein solcher durch den Namen' Adovellos, wie die richtige Aussprachelaute, was dem alten" Adooviç entspreche. 340 Aufgrund derselben Lautgesetzlichkeit habeauch der hl. Antonius mit Adonis zu tun.341

10) Topologische Struktur und Finalität

Die ritualisierte Handlung als signifikantes Symbol eines Sinnbezugs im weiterenKulturkontext Dromenon genanntist potentiell rollenkonstituierend und theatro-gen, in realiter aber nicht oder nur über das anthropomorphe Requisit. Agonale, ekstati-sche und mimetische Elemente finden sich auch im entwickelten Theater, weil die Aktion( mehr noch als die Prozession) die Grundlage des theatralischen Ereignisses bildet. DasAgieren erreicht nicht die Ausdruckskraft der reinen Pantomime, hat ohne die Mittelvon Maske und Verkleidung( im vorliegenden Fallmaterial) nicht die realitätsstiftendeund wirklichkeitsdefinierende Kraft, die das Rollengeflecht Theater kennzeichnet. Da-von prinzipiell auszunehmen sind Fälle, die im Sakralbereich spielen, wo Sein und Scheinungeschieden, Spiel und Wirklichkeit, Symbol und Gegenstand, Abbild und Abgebildetesidentisch sind. Aktion bedeutet" hier nicht, sondern ist"; Signifikant und Signifikatfallen zusammen. Die Verifizierung eines Graduierungsschemas von Sakral/ Profan amkonkreten Einzelfall ist sehr schwierig; man kann sich gewöhnlich nur mit polarisiertenModellen helfen: Steht an einem Ende die Sakralität, so am anderen die wissenschaftlichausdefinierte und sozial verankerte( Alltags) Wirklichkeit, von der sich Bereiche wieMythos, Märchen, Kunst, Religion, z. T. auch Philosophie und in besonderer WeiseTheater abheben( Theater erhebt temporär und elitär in realiter den Anspruch, die ein-zige Realität zu sein). Die verschiedenen Dromenaformen befinden sich auf verschiede-nen Positionen innerhalb dieser Skala von Möglichkeiten. Einem sukzessiven Säkulari-sierungsprozeß, der nicht historisch zu verstehen ist als fallender Kulturzyklus, ist inirgendeiner Form steigende Bewußtwerdung zugeordnet. Das erwachende Bewußtseinsieht sich vor das Faktum des Aktes gestellt, den es ausführt; es erklärt sein Agieren zu-nächst in Sekundärätiologien. Der Schnitt zwischen sakralen und profanen Dromena,zwischen religiösem und weltlichem Theater ist nicht klar zu ziehen. So wie der Inhalt

336 Lykuris, 1953: 53 ff.; Iriotis, 1921-1925: 289 ff.; Deliganis, 1947:

7 ff.; Kakuri, 1956: 24.

337 Kakuri, 1956: 22.

338 Lykuris, 1953: 53 ff.

339 Kakuri, 1952: 224.

340 Makrymichalis, 1941: 229 ff. Zu der Aussprache von 8 und vt als d:M. Filintas, Γλωσσογνωσία καὶ Γλωσσογραφία Ελληνική, Ι, 63.

341 Makry michalis, 1941: 229 ff.

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