Druckschrift 
Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
Entstehung
Seite
181
Einzelbild herunterladen
 

dend beteiligt daran ist die vertraute, rhythmisch akzentuierte Musik mit ihrer monodi-schen Melodie, die nicht künstlerisch, sondern, physisch" wirkt und Bewegungsautoma-tismen stimuliert und lenkt. Ein monolithischer und blinder Glaube ist die Grundlage desBrauches; er verschwindet mit dem ersten Zweifel.- Diese Untersuchung ist im wesent-lichen unüberholt. 1962 gibt K. Romaios eine kurze Zusammenfassung des For-schungsstandes( 1962: 12 f.), 1969 faßt Kuretas die Ergebnisse noch einmal zusam-men( 1969: 614 ff.) und setzt sie in Beziehung zum Dionysoskult.317 Er fügt dem nochdas Phänomen ,, Leydenfrost" hinzu, nach dem ein Tropfen auf einer heißen Herdplatteerhalten bleibt, weil sich an der Unterseite eine Dunstschicht bildet; desgleichen dieBeobachtung Creg Tayer's( 1947), daß Menschen in einem Raum mit einer Tempe-ratur von 100° C keine Verbrennungen erleiden, weil sie die Schweißverdunstungschützt( Sauna- Effekt).

55) Etymologie und Genesetheorien

Die Namensformen ἀναστενάρια, ἀνεστενάρια, νεστενάρια, nestinari 318 haben im we-sentlichen zwei Ableitungen: eine aus ào0evápta, 319 erwähnt bei Niketas Chonia-tes 320 als Dämonenbesessene( oder qoxapta). Diese Bedeutung vertreten nach Poli-tis( Ar, I 343 ff.) und Veis( Bees, 1909: 48 ff.) K. A. Romaios( 1944/45:25 f.) und Je orgakas( 1946: 40 ff.). Naheliegend ist auch die zweite Ableitung vonavasteváto( seufzen, stöhnen): zuerst vom Dichter Vizyinos in einer unveröffent-lichten Beschreibung über Ajios Ioannis aus dem 19. Jahrhundert 321 in Anspruch genom-men, später von Kurtidis, 1938/39: 90 ff. u. a. Arnaudov leitet vonotià( éotia Feuer, Herd) ab, 322 Vakarelski auch von vyoteix( Fasten; 1969:333).

=

Bei den Genesetheorien werden vor allem zwei Hypothesen vorgebracht: die Her-kunft der Anastenaria aus der mittelalterlichen Häresie der Paulikaner, verpflanzt ausKleinasien nach Thrakien und weitergeführt von den Bogomilen; oder ihre Entstehungaus einem Survival vorchristlicher orgiastisch- dionysischer Religionsformen mit christlicherÜberformung. Am Anfang der diesbezüglichen Forschung stehen Passagenfunde: Po-litis( Ar, I, 343 ff.) entdeckt die oben genannte Choniates-Stelle, Veis( 1909:48 ff.) eine Stelle in einem Anonymus aus dem 12. Jahrhundert, 323 wo das Volk derMyser zur Zeit des vlachobulgarischen Aufstandes gegen Isaak II( 1186) beschriebenwird und wo ,, Asthenaria" als Dämonenbesessene und Pseudopropheten bezeichnet wer-den. Den dionysischen Ursprung hatte bereits Churmuziadis vertreten. Kyria-kidis( in MEE 4, 580 ff.) führt schon beide Thesen nebeneinander an. Die angege-benen Parallelen: Dionysos- Kult- Orgien, phrygischer Kult von Attis und Kybele, sibiri-sche Schamanen und häretische Christen in Rußland( durch Tanz Vereinigung mitChristus und Maria) lassen keine Bevorzugung erkennen. Auch Petropulos( 1938/39: 136 ff.) kommt mit demselben Material über diese hypothetische Polarisierung nichthinaus. Kurtidis, 1938/39: 90 ff. gibt der Dionysos- Variante den Vorzug und be-gründet: Der Kult sei in Thrakien heimisch gewesen, überall habe der Gott ein initiiertesGefolge gehabt( die Klodones und Mimallones in Makedonien, die Bacchen in Thrakien,

317 Die Stelle Euripides: Bacchen 757 ist aber, wie schon K. A. Romaios, 1944/45:58 ff. warnte, nicht unbedingt wörtlich zu verstehen.

318 Petropulos, 1938/39: 136 ff.

310 ἀσθενὴς- ἀστενής- ἀστενάρης ist heute noch im Pontus die Bezeichnung für den Kranken.320 Βασιλεία Ισαακίου τοῦ ᾿Αγγέλου 1, 238 B- C, 485 ff. Bonn.

321 In Auszügen bei Megas, 1960/61: 475.

322 Dazu Kakuri, 1963: 175 und K. A. Romaios, 1944/45: 58 ff.

323 Zúvodis xpovern, Kod. CCCCVII der Marc. Bibl., ediert bei K. N. Sathas,Μεσαιονική βιβλ. 7, 371 ff.:... δαιμονόλητοι, οἷς Ασθενάρια τινὲς ὀνομάζουσιν...

181