nie geführt.313 Derselbe Autor schließt eine spätere Übernahme aus, und so wird das ge-nannte Akritenlied indirekt zum Hinweis für das Bestehen des Anastenaria- Zeremoniellsin byzantinischer Zeit.314
44) Pyrobasie
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Frazer( 1911-20: XI, 1-20) hat zum„, fire- walk" ethnographisches Materialaus aller Welt beigebracht und führt zwei mögliche ideelle Hintergründe an: die Solar-theorie und eine purifikatorische Finalität. Die kathartische Funktion der pyrolatrischenZeremonie wird im vorliegenden Fall von den Anastenariden selbst ausgesprochen. DasPhänomen der gymnopodischen Akaïa( Unverbrennbarkeit) ist schon 1940 Gegenstandeiner ausgedehnten Untersuchung von Tanagras in der Zeitschrift für Parapsycho-logie ,, Seelische Forschungen" geworden. 315 Der Autor unterstützt die Brauchträger imKampf gegen die Behörden, bringt eine Fülle von ethnologischer Literatur bei über dasPhänomen der Akaïa bei den Brahmanen, Persern, im Alten Testament, auf denFidschiinseln, in Südafrika, bei muslimischen Asketen; er berichtet auch über die Expe-rimente des Fakirs Cuda Bux 1935 in London. Besonders in Meliki und Mavrolefkinimmt er Untersuchungen vor. Er konstatiert bei den Tanzenden Amnesie( Gedächtnis-verlust), Bewußtseinsverminderung und hysterische Krisen. An der Interpretation desAkaïa- Phänomens entwickelt er die Psychobolie- Theorie, eine halb mystische, halb,, wissenschaftliche" Explikation, nach der die Psyche gewisser Individuen in Grenz-situationen radienergische Strahlenbündel produziert, die den Körper an der Oberflächewie ein Schutzschild umkleiden und ,, unverwundbar" machen. K. A. Romaiosnimmt in seiner großen Studie( 1944/45: 58 ff.) Bezug auf die parapsychologischeThese von Tanagras und wirft ihm historische Oberflächlichkeit vor. Er bringtnoch andere pyrolatrische Phänomene aus der neugriechischen Laographie ins Spiel, sodie Faschings- und Johannesfeuer( um die sich ganze mantische Brauchbündel die Hoch-zeit betreffend ranken), den Feuersprung, die„, Hochzeit des Feuers" am Vorabend vonWeihnachten u. a., mit der Absicht, die Bedeutungsfelder des Phänomens ,, Feuer" auszu-stecken. Jedes Feuer hat positive kraftübertragende und negative apotropäischeWirkungen. Die Kraft des Feuers ist Zeugungskraft im weitesten Sinn; so zu deuten istder Feuersprung und die Feuerhochzeit, wo ein aufrechtes und ein liegendes Holzstückkopulative Bedeutung erhalten.- Feuerkulte sind pro- theistisch, werden erst in ätiolo-gischen Mythen mit Göttern verbunden und dienen der Eueterie. So bei dem riesigenHolzfeuer, das für die Artemis Laphrias in Patras entzündet wurde( Pausanias VII, 18,11), in dem viele Tiere und Früchte verbrannt wurden. Die„ Kraft" so vieler grünerBäume und junger Tiere sollte dem Menschen zugute kommen. Ähnlichen Sinn hat dasHerakles- Feuer am Oita: Nach dem Mythos verbrennt sich Herakles dort selbst, um inden Olymp zu gelangen( Wiedergeburt als Gott). Die Bindung des Feuers an einen Jah-resdämon( Heros) ist eine sekundäre Prosopomorphose und in diesem Sinne haben vieleHelden und Götter besonders im thrakophrygischen und kleinasiatischen Raum pyrola-trischen Ursprung. Auch der aristotelische Katharsis- Begriff bezieht sich nicht nur aufdie Tragödie, sondern selbstverständlich auch auf die orgiastischen Kulte.- Ya k.,1951: 236 ff. befaßt sich mit der theologischen Fragestellung und findet, da das Phäno-men nicht ,, natürlich" erklärt und von der Kirche nicht als„, Wunder" sanktioniert ist,eine ekklesiastische Verurteilung des Brauches gerechtfertigt. Papa christodulu,
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318 Κ. Romaios, 1955: 367 ff. und: Παρατηρήσεις εἰς τὰ κείμενα τῶν δημοτικών τραγου-Stav Opánns, AOгAO, t. 21, 1956, referiert auch bei Kakuri, 1963: 166 f.
314 Wofür auch noch andere Hinweise existieren, vgl. K. Romaios, 1968: 19 ff.; zumganzen Akritenkomplex Beck, 1971: 48 ff., 63 ff. mit Aufarbeitung der Sekundärliteratur.315 1940: 2 ff., 18 ff., 34 ff., 53 ff., 67 ff., 81 ff., 98 ff., 114 ff., 131 ff., 146 ff., 162 ff.,178 ff.
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