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daß der Instrumentenspieler selbst ein Eingeweihter sein muß. Er muß in realem Kontaktmit dem Thiasos stehen, kleine Winke sofort aufgreifen können, um als„, Dolmetscher derGefühle" zu fungieren. Neben der yxáïda und λópa ist vor allem das vtaobht wichtig,das mit Ziegenhaut bespannt ist. Betrachtet man die intensive nonverbale Kommunika-tion von Musikern und Tänzern und die Dichte der interpersonalen Psychoprozesse, ge-winnt der Spruch von der Trommel, die sich von allein schlägt, an Tiefe. Getanzt wirdauf Befehl des Heiligen: Die Finalität ist eine kathartische. Psychische Konzentrationund Autosuggestion sind damit verbunden. Ka vakopulos, 1954: 340 ff. hebt vorallem die stimulierende Funktion der Musik in den Vorbereitungsphasen im Konak her-vor. Die Anastenariden sitzen mit gekreuzten Beinen vor den mit Votivgaben behange-nen Ikonen. In die vollkommene Stille hinein hört man einzelne Trommelschläge, wiewenn ein Stein auf die gespannte Trommelhaut fallen würde. Das ist die Parole des Hei-ligen. Der vtaouλtépns und der λopápns kommen, bekreuzigen sich vor den Ikonen undbeginnen. Der Lyra- Spieler spielt eines der vier aktriteischen Lieder. Beim Ausbruch derEkstase kommt der Dudelsack- Spieler dazu. Die Lieder bestehen fast nur aus Rhythmusund ewigen Wiederholungen. Für die Pompe auf der Straße gibt es eine eigene festlicheWeise. Sie dient aber auch zur musikalischen Untermalung der abklingenden Ekstase.Auf ein Zeichen eines Tänzers hin geht die ,, Weise des Tanzes" in die ,, Weise der Straße"über( Autopsie 23. 5. 1954; mit Notenbeispielen). Als Weise des Tanzes wurde dasakriteische Lied Κάτω στον ῾Αγιθόδωρο τον Αγικωνσταντίνο gespielt. Wie Kavako-pulos, 1955( 376 ff.) nachweist, entspricht die langsame, leidenschaftliche und tiefeMelodie der Weise der Straße" dem akriteischen Lied: Пlà σè apάovo λeißádi. Dasvtaobh herrscht mit seinen dröhnenden Schlägen und den vielfältigen Rhythmen vor.Der Lyra- Spieler spielt relativ schlecht. Der Tanz der Entlassung( Apolyse) ist ein lang-samer Syrtos, der zuerst von Archianastenaris, dann abwechselnd von allen angeführtwird. Kusiadis, 1956: 279 ff. unterscheidet vier Arten von Tänzen während derganzen Zeremonie: a) Haupttanz. Er wird am Vorabend und Feiertag im Konak ge-tanzt, auf der Straße, beim Kirchgang, beim Gang zum Feuer, beim Hagiasmos und beimOpfer. Er ist charakterisiert durch heftige Bewegungen von Beinen, Händen und desganzen Körpers. b) Einsprengsel in die A- Form: noch heftiger und hektischer. c) Feuer-tanz: besteht aus gesetzlosen Schritten. d) Tanz der Apolyse: ist zyklisch und getragen.Er wird vom Volk um das Feuer getanzt, während die Anastenariden die Feuerprobe be-stehen. Papachristodulu, 1954 b: 348 ff. gibt eine genaue Beschreibung derInstrumente: Der Dudelsack hat einen Luftbalg aus Stierhaut, zwei Flöten und ein Blas-rohr. Die Lyra ist dreisaitig, wird mit einem Bogen rechtshändig gestrichen, währendman die Fingernägel der linken Hand auf die Saiten preßt. K. Romaios, 1954:316 ff. schreibt die Möglichkeit der Ekstaseübertragung hauptsächlich der Musik zu. DasErgriffen- Werden in der Vorbereitungsphase geschieht durch zwanghafte Teilnahme amRhythmus. Die Musik muß denn auch fortwährend spielen. Die Aufgabe des eigenenWillens und die Unterwerfung unter den des Heiligen, also die„ Instrumentalisierung"des Individuums, ist Sache der Musik. Sie zwingt zum Weitermachen und Wiederanfan-gen. Der Tanz, zwischen zehn Minuten und zwei Stunden dauernd, kann bis zur völligenErschöpfung führen, aber nicht beendet werden, bevor die Musik es will. Das sympathi-sierende Mitleiden der Zuschauer schafft wiederum neue Voraussetzungen für die Über-tragbarkeit der Hysterie.
33) Ikonen, Opfer, Wasser, Lieder
Hier werden mehrere Elemente zusammengefaßt, die nicht der neurophysiologischenund psychopathologischen Bezugsebene zugerechnet werden können.
12 Puchner
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