träger wurden immer von dem gleichen Mann verkörpert. Ein anderer Gewährsmann( P. Bodomtzidis) berichtet folgendes: In Brodivo wurde das Fest am Tag deshl. Panteleimon abgehalten, in Ajios Stefanos( 29, 2 a) am 21. Mai, in Surgasi( 468, 2 a)am Tag des hl. Johannes( 24. 6.), in Pyrgoplovo( 428, 2 b) am Tag der Hl. Dreifaltig-keit. In einem Nachtrag( 1962: 552 ff.) fügt Megas eine Autopsie der Vorbereitungs-phase bei. Als flüchtig und wahllos in der Datensammlung kritisiert Kakuridiese Arbeiten in ihrem Buch„ Dionysisches"( 1963), das sowohl deskriptiv wie auchin der theoretischen Auswertung einen deutlichen Schlußstrich unter die Phase derDetailrezeption setzt( vgl. Nr. 912). Dann wird es- wissenschaftlich erstaunlichstill um das Phänomen. Nur 1966 reiht Papachristodulu( 1966: 226-406) diebisher geleistete Deskriptionsarbeit ein in einen Versuch, von heutigen Bräuchen auf diealte thrakische Kultur Schlüsse zu ziehen( bes. 234 ff.). Neuere bulgarische Literatur istbei Angelova, 1967: 226 ff. und Vakarelski, 1969: 331 ff. aufgearbeitet.
Die deskriptive Seite bleibt nunmehr der Presse vorbehalten, denn der Brauch ist in-zwischen zur internationalen Touristenattraktion geworden. Das Fernsehen ist ständigerGast. 1972 kommen 15.000 Zuschauer nach Lankadas, 3000 nach Ajia Eleni. Die Kircheläßt aus Protest die Kirchenglocken läuten. Am 21. Mai tanzen im ersten Ort 28, imzweiten zehn Anastenariden ca. 45 min. im Feuer, ohne sich zu verbrennen( Tà Néo,22. 5. 1972). 1973 das gleiche Bild: Fernsehen, Tausende Besucher, Gruppen amerikani-scher Studenten, schweizerische und französische Neurophysiologen bringen Elektrodenam Kopf der Tanzenden an, um Messungen vorzunehmen. Die Kirche appelliert an dieStaatsanwaltschaft, den Brauch zu verbieten, während sich höhere Beamte des Koordi-nationsministeriums und höhere Offiziere der Armee unter die Zuschauer mischen. InAjia Eleni dauert der Feuertanz ca. 40 min., in Mavrolefki wird er abgesagt, weil dieKirche sich weigert, die Ikonen herauszugeben( Tà Néa, 22. 5. 1973). 1974 werden inLankadas bereits Eintrittskarten zum Preis von 25-50 Drachmen ausgegeben. DerFeuertanz dauert 5/4 Stunden. Die behördliche Erlaubnis war diesmal besonders schwerzu bekommen. Anfang Mai wird ein Interview mit dem Archianastenaris von Lankadas,Liuros, veröffentlicht, das zeigt, daß die eingenommenen Gelder für öffentlicheArbeiten oder der Kirche gegeben werden. Der Kleinkrieg mit Behörden und Kirchegeht weiter. Aber getanzt muß werden, wenn auch im Kamin des Hauses.
22) Musik, Tanz, Instrumente
Erst in der zweiten Forschungsphase wurde an das Konglomerat von Brauchelemen-ten analytisch herangegangen und einzelne Medien und Attribute isoliert und gesondertbetrachtet. K. A. Romaios( 1944/45: 44 ff.) sieht im orgiastischen Tanz der Ana-stenariden einfach die Verkörperung der heftigen Gemütsbewegung. Der Alkohol kannhier nur als Stimulus wirken. Wald- und Berglauf sind auch in der Antike so bekannt,daß die phrygische Göttin Rea( oder Kybele oder Agdistis) oft als Beinamen die Be-zeichnung von Bergen trägt. Dionysische Kultstätten lagen auf dem Pangaion und imRhodopengebirge, auf dem Kithairon bei Theben; die Thyiaden gingen auf den Parnaẞ,die Kreter auf den Ida und Diktes. Die Anastenariden setzen die Musik auch als thera-peutisches Mittel für Kranke ein. Die Trommel spielte gleichermaßen im Kult der Kybeleeine große Rolle( Strabon 1, 466-474) ebenso wie die phrygische Flöte. Ähnlichkeitweist auch der Kultruf& x x x x usw. der Anastenariden mit dem der Bacchen auf.Orgiastische Tänze gehören einem vortheistischen Stadium an und sind bloß der dyna-misch- somatische Ausdruck der Gemütsbewegung. Die Tanzenden konzentrieren ,, Mana"auf sich. Auch in der theistischen Periode der Antike haben die Götter einen solchenThiasos, der sich tanzend mit ihnen identifiziert: Satyren, Bacchen, Nymphen, Kureten,Korybanten usw. Papachristodulu, 1953 a: 160 erwähnt das wichtige Detail,
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