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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
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ihrer Popularisierung und Verankerung in nationalen Ideologemen dem theoretischenDesinteresse verfallen. Für die in der Literatur häufige Zusammenstellung mit demKalojeros- bzw. Kukeri- Dromenon scheinen folgende Faktoren relevant: die geographi-sche Deckung( Thrakien), die Parallelisierung mit antiken Phänomenen, die annäherndgleiche Komplexität mit additiver Kumulation sonst isoliert auftretender Brauchele-mente, und- seit Kakuris Erkenntnis die personale Identität der Ausführenden( in Kosti). Für die Kriterien theatrogener Strukturentwicklung liegen beide Zeremo-nielle jedoch auf verschiedenen Bezugsebenen, da die Anastenaria keine Verkleidungaufweisen.

11) Deskriptionen 291

Die früheste Beschreibung stammt aus dem Jahre 1866. Der Bulgare Petros Slo-wejkoff besucht Madschura und Kosti. 292 Die Beschreibung wurde erst bekanntdurch Arnaud off, 293 der sie in deutscher Übersetzung vorlegte. Demnach wurdendamals 40-50 Wagenladungen Holz herangefahren. Man saß an Tischen nahe demFeuer, zündete Kerzen an, bekreuzigte sich und erhob sich dann zum Tanz. Die Tanzen-den zerrissen ihre Kleider. Auch in Madschura beobachtet der Autor 10-15 Männerund Frauen( Nestinari genannt) beim Feuertanz. Je mehr Nestinari tanzen, desto besserwird die Ernte.- Erst der Churmuziadis- Bericht aus dem Jahre 1873 294 findetnachhaltige Verbreitung( vgl. Nr. 911). Die Deskription von A. Lang 295 über bulgari-sche Nestinari bleibt im hellenophonen Raum so gut wie unbekannt. Im Jahre 1917 ver-öffentlicht Arnaudov ausgedehnte Forschungen in 18 Dörfern rund um Kosti:deutsch in den Bulgarischen Festbräuchen"( 50 ff.) und ausführlicher bulgarisch inNovi svedenia za Nestenarite, CлBAH XIV 8, 43-102; 296 in derselben Zeitschrift warschon 1912 eine gedrängtere Darstellung veröffentlicht worden. 297- Den Opfertierenwerden Wachskerzen an die Hörner gesteckt; ihr Fleisch wird noch während des Festesverzehrt. Die Tanzenden inhalieren gierig Weihrauch. Sie halten die Augen geschlossen,pressen die Hände fest aneinander oder klatschen, legen den Kopf nach rechts und brei-ten die Arme flügelartig aus. Arnaudov leugnet ausdrücklich den Alkoholgenuẞund orgiastische Ausschweifungen im Sinne der Orgie". Wer am Tanzen gehindertwird, kann den Verstand verlieren. Außer seiner Autopsie aus dem Jahre 1914 führtArnaudov noch andere Quellen an: Bojatziev, 21. Mai 1907 im Dorfe Urgari( 539, 2 b): Während des Umzugs um das Dorf fällt ein Mann bewußtlos zu Boden; erhat seiner Frau das Tanzen verboten.Nach einer Viertelstunde kommt er zu sich, packtdie Ikone und läuft in die Wälder. Rückkehrend gibt er das Bild zurück und sagt: Ich binbefreit. In Urgari tanzt ein junger Grieche im Kamin des Konak und dreht die glühen-den Kohlen mit der Hand um. Die Anastenariden aus Kosti kommen und führen denFeuertanz aus. 298 Urgari hat den Brauch von den Kosti- Griechen übernommen. 299 Auch

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291 Berücksichtigt werden nur Details, die von den Beschreibungen Nr. 911 und 912 ab-weichen.

292 In: Gaida III, 1866, H. 12, 194 f.

293 1917: 50 f.

294 Abgedruckt in: Churmuziadis, 1961: 143 ff.; das Original: Пlepi tŵy avastevapiwyκαὶ ἄλλων τινῶν παραδόξων ἐθίμων καὶ προλήψεων. Ἔκθεσις τῆς καταστάσεως τῆς Μεγ. τοῦ ΓένουςΣχολῆς κατὰ τὸ σχολικὸν ἔτος 1872-73. Εν Κων/ πόλει 1873, σελ. 429.

295 1896: 232 ff.

296 Ins Griechische übersetzt von M. Zotiadis und in Auszügen bei Megas, 1960/61:492 ff.

297 Studii bârchy bâlgarskite obredy i legendi IV, 1-47 mit französischer Zusammenfassung;Rezension in BZ XX( 1913), 216.

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298 Arnaudov, 1917: 75 f.299 Arnaud off, 1917: 52 ff.