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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
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renden, während das Requisit mit dem Sinngefüge des Aktes korreliert und der Exekutorsekundär und unprofiliert bleibt.

1.6.3.1. Das Kynomartyrion

Die Hundefolter wird in der Karnevalszeit durchgeführt, und zwar mit deutlichemKulminationspunkt gegen Ende der Periode, und steht in vagem Zusammenhang mit derExistenz kynokephaler Dämonen, 244 weniger wahrscheinlich in konkretem Konnex mitdem heulenden Gefolge der Hekate. 245 Die rationalisierenden Sekundärätiologien derAusführenden beziehen sich auf die Nutzlosigkeit der streunenden Hunde, die Bestra-fung der Herdenhunde sowie auf ein Prophylaktikum gegen die Tollwut. Das marker-schütternde Geheul darf wohl als wirksames Lärm- Apotropäum( je lauter desto besser)gedeutet werden. Die Technik der Hundeschaukel erscheint ziemlich einheitlich; der Toddes Tieres ist nicht unbedingt erforderlich, wichtiger erscheint das elende" Geheul, dasauf Dämonenvertreibung schließen läßt( die Kallikantzaroi erscheinen auch in Hundege-stalt). Die geographische Verbreitung weist keine besonderen Schwerpunkte auf, umge-kehrt ist die Anzahl der Belege zu gering, um den Brauch als panhellenisch zu apostro-phieren. Von ,, Gegenstand" ist hier nur im übertragenen Sinne die Rede, und zwarderart, daß das im Zuge des Agierens gehandhabte Requisit" immer ein signifikantesSymbol für Weiterweisendes ist, in diesem Falle der Hund, der nicht als solcher gequältwerden soll, wie die praktische Sinnlosigkeit der, Begründungen" erweist, sondern funk-tionell in einem weiteren, z. T. uneinsichtigen finalen Horizont steht. Gerade den Hun-den gegenüber als erste Haus- und Wachtiere erscheint ein solches Verhalten ziemlichunangemessen. Die resultierende ,, irrationale" Differenz weist auf weitere, zweckrationalnicht bestimmbare Bedeutungsschichten des Brauchaktes.

891) I. Aspropyrgos( 72, 4 b). II. Karneval III. Zwei 6-7 m hohe Holzstöcke werdenin die Erde gerammt, oben lose zusammengebunden und mit Blumen geschmückt.An den Spitzen beider Stöcke wird ein 6-7 m langes Seil fixiert, doppelt genom-men und in der Mitte eingedreht, bis eine Schlinge offenbleibt, in die man denHund steckt. Sodann werden die Enden der beiden Stöcke auseinandergezogen,so daß das Doppelseil sich mit großer Geschwindigkeit ausdreht und den Hund indie Luft schleudert. Der Vorgang wird mit Gelächter beobachtet. V. Hs 1799/

1973: 84.

893) I. Manganiakon( 294, 5 g). II. Reiner Montag ab 9 Uhr vormittags. III. Kinder fan-gen die Dorfhunde, binden sie und bringen sie auf den Dorfplatz. Dort wird anden zwei Platanen ein Seil eingezogen, eingedreht, der Hund hochgezogen, dasSeil dreht sich aus usw. Dauer: ca. drei Stunden. V. Hs 1644/1972: 142. VI. DerBrauch wurde aus dem Dorf Messini übernommen und wird erst seit einigen Jahrengeübt.

896) I. Lykudion( 281, 7 b). II. Käsesonntag. III. Die Hundeschleuder" besteht auszwei 5 m hohen Pfählen, auf deren Spitze zwei Seile gebunden sind, die zweiMänner am Boden, je rechts und links, festhalten. In der Mitte wird ein Seil quer-gebunden mit einem 3-4 m langen Stock, der unten eine kreisförmige Öffnungfreiläßt, wo der Hund mit dem Hinterteil hineingesteckt wird. Die Hunde werdenmit payxavápia, eigenen Fangwerkzeugen aus Holz und Draht, gefangen. Diebeiden starken Seile werden nun eingedreht, der Hund in die Holzzwingen ge-

244 Dazu generell Kretzenbacher, 1968 a.

245 Vgl. die vielen Beinamen wie pthookóla, oxulaɣétis u. a., die auf Hunde verweisen.Auch Hundeopfer wurden ihr zu Ehren durchgeführt. Pauly- Wissowa, unter Hekate,2769 ff.

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