1. 6. 2. Mimetisches Agieren
Der Großteil der rein mimetischen Akte entstammt ,, fruchtbarkeitsmagischem"Usus, so das„ Maikugeln"( das Sich- Wälzen, tò xóλoua, wie es in den griechischenTexten heißt), wo die Fertilität der Erde auf die Fekundität der Frauen positiv einwirkt,wobei in manchen Fällen noch ein Phallusidol mitspielt; ebenso der Piperitanz( Pfeffer-tanz), der gewöhnlich von einem Vortänzer- Vorsänger angeführt wird, der im Solofragt, wie die Teufel den Pfeffer reiben, und dann im Refrain zuerst selbst vorzeigt, mitwelchem Körperteil sie es tun, worauf es ihm alle Tänzer nachmachen müssen. Nasen,Rücken, Knie usw. werden der Reihe nach auf dem Boden gerieben. Die Höhepunkteder ,, Pantomime" fallen natürlich in den Bereich des Fäkalen und Sexuellen. Der„ ReineMontag", der erste Fastentag und zugleich der letzte Karnevalstag, ist bevorzugter Ter-min.- Das Maikugeln am 1. Mai ist( nach Megas, 1951: 3, 113 f.) wie der Blumen-kranz und das Schafopfer panhellenisch. Es handelt sich um eine Brauchgattung, dieMannhardt( 1905: 1, 480 ff.) als„ Brautlager auf dem Ackerfelde" bezeichnet hat.Ob die implizierte Kopulation jedoch wirklich jemals stattgefunden hat, wie er„ ,, ur-sprünglich" annimmt, ist fraglich und auch gar nicht notwendig. Der„, magischen" Ver-kürzung muß kein Realakt vorangegangen sein. Außerdem ist den angeführten Beispielenauch ein hydrolatrischer Aspekt eigen: Wesentlich ist das Durchnäßt- Werden vom Tau.Der Sinnakzent liegt auf der Beziehung Wasser- Erde- Frau mit wechselseitiger Fertilitäts-steigerung, und nicht sosehr auf der Beziehung Mann- Frau. Mimetische Akte im Rahmender Liturgie finden sich bei den Lazaruskalanda( bezeichnenderweise auf Zypern), woder Höhepunkt des Heilsgeschehens um Lazarus, seine Auferstehung, auch optisch darge-stellt wird. Daß der Angriffspunkt mimetischer„ Umsetzung" gerade in einem Anage-neseakt liegt, hat weitreichende historische und theoretische Implikationen.
1.6.2.1. Das ,, Maikugeln"
862) I. Peristera( 383, 2 b). II. 1. Mai. III. Die Frauen knien im Gras und greifen mitden Händen dreimal in die Grasbüschel. Das Gras wird xóptov τns Cáλns( Grasdes Rausches) genannt. Ein Spruch wird dabei gesprochen:' H yyoun's to nepáleκαὶ ἡ ζάλη' ς την γήν( Der Verstand in den Kopf und der Rausch in die Erde).V. Hs 168: 6.
863) I. Mesimvria( 316, 2 b). II. 1. Mai. III. Mädchen und verheiratete Frauen rutschenmit gehobenen Röcken auf dem Gras hin und her. Die heiratsfähigen Mädchensagen dabei:φάγε, μουνί, χόρτο καὶ τοῦ χρόν᾽ τοῦ γαμπρού( Ιβ, muni, Grasund über's Jahr vom Bräutigam; muni ist ein Vulgärterminus für den weiblichenGeschlechtsteil). V. Hs 1104 I': 91.
1.6.2.2.
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864)( 274, 1 a) Hs 1480: 64. 865)( 132, 7 b) Hs 1973: o. S. 866)( 39, 7 b) Hs 1974:66. 867)( 284, 7 b) Hs 1980: 20. 868)( 227, 7b) Hs 1982: 14. 869)( 441, 2 a)Kiakidis, 1960: 63 f. 870)( 494, 2 a) Churmuziadis, 1938: 327. 871)( 124, 2 a) Anonym, 1940: 332. 872)( 453, 2 a) Kukules, 1940: 58 ff.
Phallisches" Agieren
873) I. Ajia Anna( 13, 4 d). II. Reiner Montag. III. Verschiedene Burschengruppen ver-sammeln sich in den Kaffeehäusern, trinken, und essen Fastenspeisen. Sie singenobszöne Lieder, sprechen Wünsche und Fragen in bezug auf die Größe und Be-schaffenheit ihrer Geschlechtsteile aus. Verdeutlichende Gebärden begleiten denDialog; Frauen und Mädchen sehen von draußen zu und lachen. Es kommt niemalszu Ausschreitungen. V. Hs 1355: 61.
876) I. Chalkion( 88, 11 d). II. Ende 19. Jahrhundert, Karneval(?). III." Then all therevellers would enter, one of them in the middle performing various antics which
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