Siedlungszonen hellenophoner Population sieht zahlenmäßig so aus: 1. Kleinasien: 56,2. Nichtgriechisch- Thrakien, Zentralmakedonien und Nordepirus: 50, 3. Zypern: 22,4. Festgriechenland: 153, 5. Peloponnes: 99, 6. Ionische Inseln: 33, 7. Thessalien: 124,8. Makedonien: 72, 9. Epirus: 60, 10. Kreta: 18, 11. Ägäis- Inseln: 81, 12. Thrakien:Nach Populationsdichte und Situation der Brauchvorkommen ist also keinRaum unterrepräsentiert, eine Forderung, die wegen der panhellenischen Verbreitungder Kalanda erfüllt sein muß. Aus demselben Grund aber ist eine kartographische Dar-stellung der Verbreitung ohne Erkenntniswert.
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Regionaltypische Zugehörigkeit zeigen nur folgende Brauchgegenstände bzw.-for-men: der Maizweig, das Glockenbrett, die tetradischen Lazaruskalanda der Mädchenmit dem Korbträger. Der Umgang mit dem grünen Ast, Zweig oder kleinen Baumam 1. Mai beschränkt sich strikt auf die Ionischen Inseln und ist auch in Parga nachge-wiesen. 175 Es handelt sich um eine Variante der in Mittel- und Westeuropa üblichen Mai-umzüge und Maibaumbräuche, die im übrigen hellenophonen Raum unbekannt sind undhier offenbar durch venezianischen Kultureinfluß heimisch geworden sind.- Das Glok-kenbrett mit dem mannshohen Stützstock, dem querliegenden Brett und den zwei bis vierdavon abhängenden Glocken ist fast ausschließlich im Epirus zu finden, 176 was zumTerminus ,, Epirotisches Glockenbrett" berechtigt. Über die Zusammenhänge zwischengeographischer Verbreitung und Erscheinungsform konnte nichts Stichhältiges ausge-macht werden. 177
Zahlenmäßig überwiegen bei den Lazaruskalanda die Kinder( 66), die interessante-sten und kompliziertesten Umgänge werden aber von einer vierköpfigen Mädchengruppeund einem Burschen( Korbträger) ausgeführt( 57). Die chorologische Streuung der Kin-deraufzüge ist eher unprofiliert: Schwerpunkte liegen in der Peloponnes( 14) und auf denÄgäischen Inseln( 11), gefolgt von Epirus( 8), Ionischen Inseln( 7) und Zypern( 7). Diestrukturierte Vierer- bzw. Fünfergruppe weist aber sehr augenfällige Konzentrations-punkte auf: Festgriechenland( 25) und Thessalien( 21).178 Das sind ca. 90% aller bisheraufgenommenen Fälle.
5) Philologie
In den Beginnen der neugriechischen Volkskunde wurden die Kalanda zu denVolksliedern gerechnet 179 und diese methodisch unter der Apostrophierung„, Wortzeug-nisse der Philologie zugerechnet. 180 Erst später setzte sich das Bewußtsein durch, daß es174 Zu den Landschaften siehe die Übersichtskarte der politischen Bezirke. Zur Länder-kunde Philippson, 1950-59.
175 Parga( 372, 9 d) liegt an der Westküste des Epirus, im direkten kulturellen Ausstrah-lungsgebiet der Ionischen Inseln. Vgl. Fig. 13.
176 Von 14 Angaben bezüglich des Glockenbretts sind 12 im Raum Epirus lokalisiert. Vgl.Fig. 13.177 Die Glocken der berühmten Gießereien von Ioannina fanden überall Verbreitung; dieUmgänge mit Glockenlärm sind auch sonst praktisch überall verbreitet.
178 Zum Vergleich die übrigen Zahlen: Makedonien 5, Peloponnes 4, Dodekanes 1, Thra-kien 1.
179 Sie zählen zu der Kategorie der dropτixà τpayoódta, der Umzugslieder. Der AusdruckMyvapróptas wird zum erstenmal von Tzetzes( Xthead. II, 245 ff.) gebraucht( MEE 13, 534 f.),
geht auf altgr. αγυρμός zurück Ιστορικόν Λεξικόν της Νέας Ελληνικής Ακαδημία Αθηνών τόμI, èv' Abvats. 1933, o. 235, mit Stellenangaben) und wird als Hausumgang von Ver-kleideten gedeutet, von Dimitraku MAET I, 25 als Geld und Münzensammlung. Trotz derdefinitorischen Differenzen ist der Ausdruck von der Volksliedforschung geprägt und meint ohneRücksicht auf die semantischen Nuancen bei den antiken Schriftstellern die Gattung der Umzugs-lieder.
180 Politis, 1920-31: I, 4 ff.; die Methode des Nestors der griechischen Laographie, ausmehreren Varianten einen Urtext zu erstellen( Politis, 1914), wurde später kritisiert( Apo-stolakis, 1929). Dazu auch Spyridakis, 1968: 181 ff.
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