tung, mit großer Wahrscheinlichkeit den Kornelkirschzweig bezeichnend, erstreckt sichmanchmal, ähnlich wie„, Kalanda", auf das Fest, den Umgang, die Gaben( insbesondereauf Gebildbrote und Festkringel) sowie auf die gesungenen Lieder. 142 Ähnliches giltauch für das Lazarusfest; 143 die Gaben besitzen darüber hinaus auch vom Fest unabhän-
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These, obwohl schon Hahn, 1854: 1, 155 wörtlich den„ Kornelkirschzweig" erwähnt. DieDifferenz ist bisher offenbar nur halbbewußt geblieben, da erst Karapatak is in jüngsterZeit( 1971: 105 ff.) eine mögliche Lösung andeutet, indem er sagt, die Blüten des Kornelkirsch-baums( pavtà) würden in Thrakien couẞpes genannt( auch die Zweige); statt des üblichenStockschlags findet man dort auch das Auflegen von Blütenzweigen. In jedem Falle sei aber dasKirschholz gemeint, denn in ganz Thessalien, Makedonien und Thrakien gelte es als Kraftsymbol.Warum aber?- Das Μέγα Λεξικόν τῆς Ἑλληνικῆς Γλώσσης von Dimitraku( ΜΑΕΓ 5, 4103)bringt Nachweise aus dem Altertum: Die Früchte der xpaveia seien in der Odyssee( XX, 242) alsSchweinefutter genannt, im Lexikon von Suidas werde erwähnt, daß aus dem harten und elasti-schen Holz der Kornelkirsche im Altertum Bogen und Lanzen gemacht worden seien. MEE( 15, 116) berichtet, daß xpavéa( cornus) der Name einer ganzen Pflanzengattung sei, die bitter-süße Früchte ohne Handelswert produziere. Das Lexikon Пláropos Aapods( 8, 817) gibt bedeuten-dere Auskünfte: Bei xpavtà oder xópvos( cornus) unterscheidet man zwei Arten: 1. Cornus mas.( xópvos& appy) und 2. Cornus sanguinea( ȧyptoxpavtá). Erstere hat gelbe Blüten, die sich imFrühjahr schon vor den Blättern öffnen, eine rote ellipsenartige Frucht mit Kern( ,, Kirsche"),die zwar auch von Menschen gegessen werden kann, aber eine besonders beliebte Nahrung derBären ist. Der Baum kommt einzeln in Bergwäldern vor und wird bis zu fünf Metern hoch.Die„, wilde" Kornelkirsche hat weiße Blüten, die sich aber erst nach den Blättern öffnen. DieFrucht ist rund und violett, aber nicht genießbar. Der Baum kommt seltener vor und steht ver-einzelt in Bergwäldern.- Offensichtlich ist Fall eins zutreffend. Dabei sind folgende Punkte be-sonders interessant: a) die Apostrophierung als„, männlich", b) die Blüten öffnen sich vor denBlättern, c) eine der Lieblingsfrüchte der Bären und d) ihr Vorkommen in Bergwäldern. Nunwird aber auch die Bedeutung der Kornelkirsche als ,, Kraftsymbol" transparent. Ad a): Die ver-breitete Vorstellung von der ,, Männlichkeit" des Baumes( der schon vermutete phallische Aspekt)hat sogar in die botanische Terminologie Eingang gefunden. Ad b): Die Blüten warten nicht erstdie Belaubung ab, sondern brechen direkt aus der Holzrinde hervor. Der oft genannte ,, Blüten-zweig ist also tatsächlich ein Stock ,, mit Blüten übersät", wo die Blüten direkt am Holz auf-sitzen. So kann man sich auch den ,, Wunderstock" des hl. Basilios vorstellen. Diese vorzeitigeAnthophorie wird als Zeichen ungestümer Vitalität und Zeugungskraft gewertet. Ad c): Der Bärist wie aus späterem Material ersichtlich eine der wesentlichsten zoomorphen Verkleidun-gen. Eine der Bedeutungsschichten der Bärenmaske ist seine Darstellung als„, Dämon" der Wälderund Berge. Das Holz des Baumes, der seine Lieblingsfrucht trägt, erhält auf dem Wege der Über-tragung besondere Bedeutung und„ Kraft". Ad d): Das Vorkommen von Brauch und Name istvon verschiedenen Autoren auf Thessalien, Makedonien und ganz Thrakien festgelegt worden.Die Grenzziehung der Streuweite und die geographische Lokalisierung ist allerdings nur einSchritt, dem noch das ätiologische Kriterium hinzugefügt werden sollte, die„ Begründung" desBrauchvorkommens. Hierzu kann nun ein Beitrag geliefert werden: Brauch und Name dercoupẞa sind an das Vorkommen von Bergwäldern gebunden: 1. weil nur dort- vereinzelt-die zahme Kornelkirsche auftritt und 2. weil nur dort der natürliche Lebensraum der Bären ge-geben ist. Demgemäß sind die Ebenen der genannten Gebiete( die thessalische etwa) nichtoriginäre Exekutionsgebiete des Brauchs, und sollte der Name oder Brauch auch in anderenLandesbezirken in Erscheinung treten, so wird man die Interpretation nicht an vage Diffusions-möglichkeiten( durch die mannigfachen Umsiedlungen allerdings in erhöhtem Maße gegeben)knüpfen müssen, sondern einfach an größere zusammenhängende Waldbestände im Bergland.
142 Kapsalis, 1918: 468 ff. versucht diese Namensübertragung( Metonymie) auf zweiWegen zu erklären: Die xálavda seien zur Geschenkbezeichnung geworden, weil die Byzantinerdie ursprüngliche Bedeutung des lateinischen Wortes nicht mehr kannten, im Zuge der Brauch-übernahme durch die Bulgaren sei der Festname coupẞa fälschlich auf den Zweig übertragenworden. Beide Thesen versuchen etwas hilflos, dem Phänomen der Metonymie und Kontagio-sität eine ,, rationale" Kausalität zu unterlegen. Die„, Festzeit" liegt aber nicht in der normalenRealitätsebene, die gewöhnliche Ordnung ist durch eine andere„ Kraft" außer Kraft gesetzt,Signifikant und Signifikat stehen nicht mehr im gewöhnlichen Verhältnis zueinander.
143 Die Metonymie kann sich auch noch weiter erstrecken: Ähnlich wie Xploròs àvéotynoch 40 Tage nach Ostern als üblicher Gruß gilt( mit der Antwort aλnows ovéorn), kann auchcoupẞa und xótada zum Festgruß werden( Nachweise bei Kapsalis, 1917/18: 471 f.).
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