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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
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faßten Maikalanda( 9) fallen sieben auf den Festtag, eine auf den Vortag und eine in denZeitraum von 1.- 8. Mai.

Der zahlenmäßige Vergleich der Jahresepochenkalanda( 40) mit den heortologischfixierten( 795) dokumentiert deutlich die Ergebnisse des Kampfes der Kirche gegen die,, idolatrischen Überreste", die die paganen Feste unter einem liturgischen DeckmantelSchutz suchen läßt.114

2) Etymologie und Onomastik

Wollte man eine Statistik der Gelehrtenstreite aufstellen, es würde sich wahrschein-lich zeigen, daß sich die meisten und zähesten Kontroversen an etymologischen Ablei-tungen, Namensreihen usw. entzünden, da man auf diesem Gebiet offenbar nicht miteiner Punkt- für- Punkt- Widerlegung rechnen muß und also jener gewissen Willkür, diedie Kehrseite der Originalität ist, etwas leichter Raum gibt als sonst. So haftet demetymologischen Nachweis manchmal etwas Vorläufiges an, zum Widerspruch Reizendes,und in der wissenschaftsgeschichtlichen Retrospektive zeigt sich oft ein beängstigendweites Auspendeln in reine Irrtümer hinein, bis eine gültige These formuliert ist und dieDiskussion in solidere Bahnen kommt. Diese aletische Labilität, die aus der mangelndenVerifikations- bzw. Falsifikationsmöglichkeit resultiert und die Grenze von Etymologieund Paretymologie verwischt, wurde, zusammen mit der Schwäche der Gelehrten, sichhier zu kleinen Kühnheiten hinreißen zu lassen, schon von Hegel konstatiert. 115 Imvorliegenden Fall beruhen die Meinungsdivergenzen oft auf begrenzter Sprach- und Sach-kenntnis, da die vergleichende Balkanologie ein relativ junger Wissenszweig ist und langeZeit bloß innerhalb der Nations- bzw. Sprachgrenzen geforscht wurde.

Die Zwölften tragen üblicherweise die Bezeichnung Δωδεκαήμερα, Καλαντόφωταoder Φωτοκάλαντρα, werden aber auch nach den Dämonen Καλλικατζάμερα oderIlayavà( Epirus) genannt. 116 Bei der Namensform dieser Zwölftendämonen, der Kalli-kantzaroi, beginnt das Labyrinth der Meinungen, das hier mit Abkürzungen durch-schritten sei.117 Aus der Fülle der Namensformen lassen sich vier Haupttypen bilden:

114 Bei den nichtreligiösen Epochenfesten wurden noch die drei Holzsammelumzüge fürFaschingsfeuer unterschlagen( Nr. 40-42) sie werden beim Material zum Karneval bespro-chen, so daß die Zahl 40 tatsächlich richtig ist.

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115 Die Bemerkung steht in den Ausführungen über das Symbol im 2. Teil der ÄsthetischenVorlesungen und lautet:,... wenn es auch als möglich einzugestehen ist, daß sich bei solchersymbolischer Erklärungsweise häufig bloß künstliche, witzige Kombinationen wie beim Etymolo-gisieren einschleichen können."( Zitiert nach der Suhrkamp- Ausgabe 1970, Werke 13, S. 404.)

116 Megas, 1951: 3, 53 ff.

117 In einem Aufsatz von K. A. Romaios, im BNJ 19, 1947, 49-78 ist die bezüg-liche Literatur zusammengestellt( veröffentlicht auch in K. A. Romaios, 1955: 264 ff.). Dadie Grundform der Namensgebung nicht von xalλe-, sondern von xalos xávbapos( Käfer) abzu-leiten ist, ist die gewöhnliche Schreibung mit zwei λ eigentlich fehlerhaft. Die Identifikationder Dämonen mit dem Käfer ist eine sekundäre( nach K. A. Romaios) und beruht auf derHypertrichose, der Eukinesie und der miasmatischen Aktivität derselben. Als schwarz, klein,haarig, hängen sie an der Decke und im Kamin( Weg der Dämonen ins Haus)." Axavos ist dieStachelpflanze, oxavtlóxopos ist der Igel. Die ursprüngliche Wurzel hat also etwas mit ,, Stachel"zu tun. Dazu eine Bemerkung: Auch die jedem Athener Haushalt in Parknähe vertrautexarsapida( von der gleichen Wurzel) hat diese dämonischen" Eigenschaften: lange gezackteBeine, extrem lange Fühler, ausgeprägte Mundwerkzeuge, Hartleibigkeit, äußerste Wendigkeit.Politis, 1904: B', 1246 ff. gibt an, daß die Hirschkäfer in Thessalien xalexáttapot genanntwürden und daß die Vorstellung von Dämonen als Käfer auch der deutschen und skandinavi-schen Volkskunde geläufig sei. Der xavfapos( oxabápt) als Dämon ist also evident, er wird alsUngeziefer wie Flöhe und Wanzen in die üblichen Abwehrsprüche miteinbezogen( K. A. Ro-

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