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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
Entstehung
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darstellung der Lazarusfigur. In vielen Fällen sind die Ausführenden ausschließlichMädchen, in anderen ausschließlich Knaben. Die komplette Realisation der Variations-breite von Possibilitäten( noch dazu mit oft strengen Norm- und Zeremonialfixierungen)zeigt an, daß Lazarus in einem besonders starken Spannungs- und Bedeutungsfeld steht.Auch zahlenmäßig schlägt sich das nieder: Von den insgesamt 285 aufgenommenen Ka-landa des Osterzyklus entfallen 213( 75%) auf Lazarus, und zwar- im Gegensatz zuden Zwölften- der Hauptanteil auf den Festtag( Palmsamstag), 131, 21 auf den Vor-tag, 2 auf beide Tage, 27 auf den Palmsonntag, 2 auf Samstag und Sonntag, 1 auf alledrei Tage( mit Freitag), 1 von Palmsamstag bis Karsamstag, 2 zwei Tage vor dem Fest-tag, 1 am Samstag vorher und 1 in der Osterfastenzeit.

Sowohl was Termin als auch die Kalandaform betrifft, steht das Lazarusfest instarkem Zusammenhang mit dem Palmsonntag.98 Am Palmsonntag wird der TriumphChristi über die Pharisäer gefeiert, die Kirche wird mit Palmzweigen geschmückt. InJerusalem wurde das Palmfest im 9. Jahrhundert eingeführt.99 Meist werden jungeBräute und Mädchen, oder auch alte Leute nach der Messe oder in eigenen Umzügen vonden Kindern mit Ruten geschlagen. 100 Dieser Akt gehört zur Gattung des, Schlages mitder Lebensrute", der in ganz Europa nachzuweisen ist. 101 Die hiebei gesprochenenSprüche lassen keinen Zweifel über die Absicht dieser Handlung: Das Baɣioxóa sollGesundheit und Widerstandskraft spenden( euergetische Funktion), bei Frauen und ViehFruchtbarkeit( fertilitätspromovierende Funktion).

Die Karwochenkalanda ,,, Marienklage" oder, Threnos Christi" genannt, erstreckensich terminmäßig über die ganze Karwoche, inhaltlich repetieren sie den Karfreitags-threnos der Frauen am Epitaph in der Kirche. Diese Moirologie hat sich teilweise ausdem liturgischen Kodex gelöst und dem Typ der gängigen Totenklage angenähert.102Gemäß dem Gang des Passionsgeschehens in der griechisch- orthodoxen Kirche 103 kumu-

98 So wird auch in Serbien schon am Palmsamstag der Weidenzweigumzug durchgeführt( Schneeweis, 1935: 178). Ähnlich begegnet man auch in Griechenland Fällen, wo dasβαγιοκτύπημα schon am Lazarustag geubt wird.

99 Megas, 1952: 474 ff. Mannhardt, 1905: 1, 256 leitet die Palmweihe aus demjüdischen Laubhüttenfest ab und setzt sie für die orthodoxe Kirche schon im 4. Jahrhundert an.

100 Dazu Megas, 1952: 474 ff., 1956: 162 ff. Das Holz der Ruten ist in jedem Fall vonBedeutung und natürlich abhängig von Klima und Vorkommen: In rein mediterranen Regionen( Zypern etwa) verwendet man einen Dattelpalmzweig, sonst auch einen Olzweig. In nördlicherenBereichen herrscht die Bachweide vor( so wird in der Ukraine nach Mannhardt, 1905: 1,256 der Palmsonntag sogar Weidensonntag genannt) oder der Kornelkirschstock( coopßa in Thes-salien, Makedonien, Thrakien und Epirus; nach Hahn, 1854: 1, 155 ein Kornelkirschzweig inAlbanien am 1. März).

101 Mannhardt, 1905: 1, 251 ff.

102 Zur Totenklage Boehm, 1947 mit weiterer Literatur.

103 Zur Analyse des österlichen Ritus der byzantinischen Kirche siehe vor allem die neuereArbeit von Pallas, 1965( mit weiterführender Literatur). Es sei die Feststellung in der Ein-leitung erwähnt, daß die orientalische Glossar ::: zum Glossareintrag  orientalische Passionszeremonie von Gründonnerstag bis Karsamstagnacht wenig mit der okzidentalen Glossar ::: zum Glossareintrag  okzidentalen zu tun hat. Am Gründonnerstag erfolgt die adoratio des Ge-kreuzigten; in der Kirche werden die zwölf Evangelien gelesen, nach der 5. Evangelienperikopewird die Kruzifixdarstellung( nur im Umriß) in die Mitte des Kirchenschiffes getragen und dortan dem schon vorhandenen Kreuz befestigt. Am selben Tag, Κόκκινη Πέφτη, färben die Leutedie Ostereier rot( Christi Blut; Megas, 1951: 3, 95 f.). In der Karfreitagvesper erfolgt diesymbolische Kreuzabnahme: Christus wird in ein Leichentuch gehüllt und in den Chorraum ge-tragen. Dieses Tuch mit der Darstellung des verstorbenen Heiland, das in der Folge von Diakonenund Priestern in die Schiffsmitte getragen und unter dem Baldachin( xovẞoóxλtov meint dasGrab) ausgebreitet wird, nennt man ,, Epitaphios". In der Karfreitagnacht erfolgt dann Threnosund Enkomion rund um den Epitaph sowie die Schmückung desselben mit Blumen(- hiersetzt Pallas einen möglichen Bezug zum Adoniskult an) und die Epitaphprozession alsLeichenzug zum Begräbnis Christi rund um die Kirche oder rund um das Dorf. Der feierlicheEinzug in die Kirche wird Mixpà Etoodos genannt; der Epitaph wird auf den Altar gelegt und

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