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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
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1. 5. 1. Euergetische und fertilitätspromovierende Akte

Nach dem Eintritt in das Haus schürt einer der Umherziehenden( oft der, Glücks-pilz" der Gruppe) mit seinem bedeutungsvollen Stock( mit der Verknotung) das Feuerauf und spricht einen Prosperitätswunsch( oft einfach die Namen der Tiere, die sich ver-mehren sollen).

Der Herd ist das Zentrum des Hauses und das Feuer so bei den Sarakatzanenmuß immer brennen. Während der Zwölften sorgt der klotzige ,, Weihnachtsblock" da-für, daß das Feuer nicht erlischt. Wird dieses Auflebenlassen" der Flamme mit der Ver-mehrung der Tiere in Zusammenhang gebracht, so scheint das Feuer etwas mit Lebens-kraft zu tun zu haben. Dann kommt dem Akt pyrolatrische Bedeutung zu. Außerdem istdieser Stock bzw. diese Rute nicht irgendeine, sondern ,, von besonderem Holz"( meistder Kornelkirsche) und von besonderer Gestalt. Der fertilitätsmagische Akt des Feuer-aufschürens besitzt demnach einen pyrolatrischen und einen phallischen Aspekt, ähnlichwie auch die ,, Hochzeit des Feuers" am Weihnachtsabend, wo ein aufrecht placierterHolzstrunk und ein liegender kopulative Bedeutung besitzen. Der knotige Stock( oderdie schlanke Rute oder der blühende Zweig) dient auch zu etwas, was man in der deut-schen Volkskunde lange den, Schlag mit der Lebensrute" nannte. Man schlägt auf denRücken der Menschen, auch auf die Bettdecke, den Tieren wird das Holz aufs Haupt ge-legt. Es überwiegt der euergetische Aspekt, man wünscht langes Leben, Widerstands-kraft und Robustheit. Das Verstreuen von Weizenkörnern soll viele Hühner bringen,ebenso wie das Sich- Niedersetzen der Kalandasänger in der Stube( mit gekreuzten Bei-nen) Brüten bedeutet. Oft kriechen sie auch auf allen Vieren und blöken wie Schafe,lesen dabei Gaben oder Weizenkörner auf. Oft stoßen sie auch einfach Tierlaute aus.Entstehung und Morphologie dieses, zoologischen Mimus" hängen von der Art der je-weiligen regionalen Viehwirtschaft ab.

703) Wnk.( xóλtavta). I. Chrupista( 101, 8 e). III. Kinder singen die Kalanda, haltenStöcke in Händen( toupaλixes), ein Kind schlägt damit an die Türen und schürtdas Feuer des Hauses auf, indem es einen Prosperitätswunsch spricht. IV. Nüsse,Kastanien und Festbrote( xoλitápta), die in einen Sack gesteckt werden. V. Hs1100A: 15 ff.

704) Wnk.( xóvtpa). I. Vlachojannion( 530, 7 b). II. Vortag im Morgengrauen. III.Kleine Kinder singen die Kalanda. Beim ersten Betreten des Hauses müssen sie inBewegung und Stimme Kücken, Lämmer, Zicklein und Kälber nachahmen, wote mλnovovy( damit sie sich vermehren). IV. Kleine Salzkringel. V. Hs 1970: 26.705) Wnk. I. Galanovrysi( 132, 7 b). II. Vortag früh. III. Kinder unter 16 Jahren haltenStöcke( patooбxeç), mit denen sie an die geschlossenen Türen hämmern. Wirdnicht geöffnet, sprechen sie einen Spottspruch, wird geöffnet, gehen sie ins Hausund schüren das Feuer auf und sagen: Wir bringen Bräute, bringen Bräutigame,Lämmer, Ziegen, Rinder und Hennen mit Kücken." IV. Sie werden bewirtet.V. Hs 1973: 5.

707) Wnk. I. Lykudion( 281, 7 b). III. Kinder mit Stöcken( μaτooбxes) gehen in dieHäuser. Eines schürt das Feuer auf und wirft Salz hinein, so daß es prasselt, undsagt: ,, Schafe, Ziegen." Die anderen kriechen auf den Knien, blöken und schlagenmit den Stöcken auf den Boden. Desgleichen schlägt man Bräute und sterileFrauen. V. Hs 1975: 82.

709) Wnk. I. Kalomoira( 169, 7 d). II. Zwei Tage vor Festtag. III. Kinder mit kräftigenStöcken, unten mit einer kugelförmigen Verdickung( toooμáxa), versammeln sichim Schulhof. Wer den größten Stock mit der größten Verknotung besitzt, wird,, edel" genannt. Bei manchen Liedern schlagen sie mit den Stöcken auf den Boden

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