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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
Entstehung
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1. 4. 1. Stock mit verdicktem Ende

Der Stock mit dem verdickten Ende, der Verknotung, dem Knoten, der kugelförmi-gen Verdickung usw., die oft einen eigenen Namen besitzt, wird zur Abwehr für Hunde,als ,, Schlaginstrument" zum An- die- Tür- Hämmern, zum Auf- den- Boden- Klopfen alsLiedbegleitung( wobei häufig absichtlich viel Staub aufgewirbelt wird), auch zum Auf-schüren des Feuers und zum Schlagen steriler oder neuvermählter Frauen verwendet. 29

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Die Verknotungen der Stöcke erreichen manchmal Menschenkopfgröße, die Stöckeselbst sind manchmal wegen ihrer Unhandlichkeit zur Hundeabwehr kaum geeignet. Ineinigen Fällen besteht während des Stockschneidens das Bestreben, den möglichst größtenStock mit der möglichst dicksten Verknotung zu finden. Der Gebrauch zur Hundeab-wehr scheint eine praktisch naheliegende und in vielen Fällen auch zutreffende Sekun-därätiologie zu sein. Zwar ist die Gefährlichkeit und Bissigkeit der Haus- und Hirten-hunde gewollt und zweckentsprechend, das Hundekläffen willkommener Begleitlärmdes Umzugs, aber als ungeklärter Rest bleibt die Größe und Unhandlichkeit der Stöcke,besonders wenn sie von kleinen Kindern regelrecht herumgeschleppt werden. Auch derLärm, die Intensität und Beharrlichkeit, mit der man mit ihnen an die Türen hämmert,übersteigt den bloßen Zweck des Aufweckens der Hausbewohner, oder um sie zumÖffnen zu veranlassen. Manchmal ist auch die Anzahl der Schläge( wie bei Klopfge-heimsprachen von Gefangenen) festgelegt. Als Liedbegleitung kann man sich handlichereLärminstrumente vorstellen. Wieder bleibt eine Differenz in der Konstruktion derlogischen Begründung offen, die nur durch die Annahme weiterer Bedeutungsdimensio-nen zu decken ist. Der dürre Stock des hl. Basilios in den Neujahrskalanda, der plötz-lich grünt, wurde, nach Komparation verschiedener Liedtypen, in einen dendrolatrischenZusammenhang gestellt. Seltsamerweise stellt keine der Brauchexegesen der Ausführen-den eine solche Querverbindung zum Stock des Kirchenvaters her; dieser schlug damitauch keine Türen und sterile Frauen. Doch kann ein dendrolatrischer Hintergrund nichtganz ausgeschlossen werden; ebenso kann man an phallische Symbolik denken, insbeson-dere da das Aussehen des Stockes einen solchen Vergleich nahelegt. Das An- die- Tür-Schlagen( heftiges Eindringen in die Hausöffnung) bekäme dann fertile Bedeutungebenso wie das Auf- den- Boden- Stampfen( ganz abgesehen vom Schlagen der Frauen).Die gewollte Übergröße und Dicke des Stockes sowie die Notwendigkeit der Verkno-tung( unten vorne) fänden eine mögliche Erklärung. Die Evidenz eines tatsächlichenZusammenhangs dieser Bedeutungsfelder wird sich im Zuge des Materialangebots nocherhöhen. Unter Berücksichtigung des dendrolatrischen Kontexts seien folgende Rela-tionen probeweise angedeutet: Gegenstände: Baum, Stock; Symbolfelder: ParadiesbaumLebensbaum blühender Stock

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Phallus.

473) Wnk( xólovtpa). I. Magula( 284, 7 b). II. Vorabend bis Festtag früh. III. Knabenim Alter von 5-16 Jahren gehen mit einem Stock, der unten gebogen ist( xλoótoa) durchs Dorf und rufen xólovτpa, bis es Nacht wird. Dann unterteilensich die Gruppen, und bis Mitternacht wird Holz gestohlen; damit entzündet manein Feuer, vor dem man die Lieder absingt und dabei mit den Stöcken auf denBoden klopft. Ab sechs Uhr früh wird der Umgang und das Holzstehlen fortge-setzt. Die Knaben stoßen dabei Laute von Schafen und Geflügel aus. IV. Sie be-kommen Kringel, die sie auf der xóλovtpa auffädeln, einem Seil, gedreht ausweißen und roten Schnüren, mit einem Ende am Gürtel befestigt, am anderen istein fünf bis sieben cm langes geschmücktes Holz quer dazu gebunden, so daß dieKringel nicht herabfallen können. V. Hs 1980: 14 f.

29 In den letzten beiden Fällen liegt der Schwerpunkt der Bedeutung in der Aktion, sodaß diese Fallstudien der Kategorie 1.5. zugeordnet wurden.

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