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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
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Am Mittag des Festtages gibt es ein Fest. IV. Man hat einen Schlauch bei sich fürOl, einen Sack für Weizen und einen Korb für Eier. Geld wird selten geschenkt,denn es gilt als Fehlen von Wirtschaftsgeist, wenn man keine Lebensmittel imHause hat. V. Spantidakis, 1954: 2 f.

458)( 553, 4 g) Hs 1606/1972: 110 ff. 462)( 242, 4a) Duzos, 1961: 95 f. 463)povyxátora( 261, 12 a) Anonym, 1968 b: 118.

Nachbemerkung zu 1.3.

Die Anzahl der Fallstudien zu den gesungenen Kalanda ließe sich aus den vorhande-nen Materialbeständen etwa verdoppeln. Da einer detaillierten Morphologie empirischaber nichts wesentliches mehr hinzuzufügen ist, wurde von einer weiteren Ausweitungdieser Kategorie trotz der dazu vorhandenen Möglichkeiten Abstand genommen. Die ge-sungenen Kalanda sind grundsätzlich panhellenisch in ihrer Verbreitung, aufgrund dervielfachen Organisation durch Schule und Kirche monoton in ihren Erscheinungsformen.Die Nivellierung der Durchführung, die Infantilisierung, die Verlagerung der Finalitätin Richtung gemeinnützige Zwecke"( Schulkasse, Kirchenrestaurierung, öffentlicheBauvorhaben usw.), Utilitaritätsorientierung also, rücken sie in die Nähe der in west-lichen Großstädten geübten Rot- Kreuz- Sammlungen mit Büchse und Abzeichen. SolcheUmzugsformen sind aber aus sich nicht entwicklungsträchtig und erregen das Interessedieser Studie nur am Rande. Ob man für diesen Entwicklungsgang den Ausdruck Re-gression oder Progression gebrauchen will, ist eine Frage des Blickwinkels.

1. 4. Mitführen eines Symbolgegenstandes

( Objekt ohne unmittelbar praktische Finalität)

Konnte der dynamistische" Aspekt des Sammelumzuges, die Kraftkonzentrationauf seine Ausführenden und ihre durch die Eigenschaft der Kontagiosität ermöglichteUmverteilung an alle Bewohner, aus den dem tatsächlichen Anlaß unangemessenenReaktionen der Brauchträger auf Gabenverweigerung und Konfrontation mit Konkur-renten erschlossen werden, so konkretisiert sich diese bisher nur mittelbar apperzipierbareKraft in gegenständlichen Erscheinungsformen. Durch diese Materialisation wird siefaßbar und deutet als, Symbol" noch auf anderes, als der Gegenstand an sich ist. ImSymbolbegriff, im Sinne des Zusammenhaltens"( soμßáλlev) von verschiedenen Be-deutungsebenen, drückt sich die latente Trennung ebendieser Bedeutungsfelder aus- inden Gegenstand als solchen und in seine intendierte Bedeutung-, was einem naivenSymbolgebrauch eigentlich nicht entspricht, für den ein, Gegenstand als solcher"( ohneseine Bedeutungen") abstrakt und inexistent bleibt. Symbol" wird das Objekt erstdann, wenn das Symboldenken schon verschwunden ist. Symbolbedeutung und Symbol-rezeptibilität stehen im Interdependenzverhältnis. Die Symbolinterpretation ist sozialund individuell( beim Neurotiker) determiniert; ein Gegenstand bedeutet in verschiede-nen Kulturen Verschiedenes. Die Information über die Symbolik eines Attributes durchdie Attributsträger ist also ambivalent: Denn für den im Symboldenken sich Bewegenden,, ist" der Gegenstand fraglos und selbstverständlich auch dieses und jenes, für den, dersagt, der Gegenstand ,, bedeute" dieses und jenes, gilt, daß er seinen Bewußtseinsstandortschon verlegt hat und sich eben nicht mehr in den Bedeutungen bewegt. Rationalisierun-gen, Sekundärätiologien und Pseudofinalitäten treten dann auf und erschweren das Ein-dringen in das ,, bedeutende" Ambiente. Dieser Prozeß des Manifestwerdens jener ange-deuteten ,, Kraft", in dem die Bedeutung, die einem Gegenstand inne" ist, sich nachaußen kehrt( immer abhängig vom Aufnahmevermögen der rezipierenden Instan-zen), hat wesentlich mit der Entwicklung von Theater zu tun.

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