Druckschrift 
Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
Entstehung
Seite
62
Einzelbild herunterladen
 

1. 3. 1. Einfache Form

Man singt die Lieder einzeln, zu zweit oder( auch mehrstimmig) in organisiertenGruppen. Ihr Inhalt bezieht sich auf den religiösen Anlaß, worauf sich eventuell einekurze Gabenforderung oder ein Segens- oder Glückwunsch anschließt. Die Verse entbeh-ren jeglicher größeren Variabilität und beziehen sich nicht direkt auf einen oder mehrereFamilienangehörige des jeweiligen Hauses.

1.3.1.1. Heortologisch fixierte Lieder

Die heortologisch fixierten Lieder sind durchwegs christlich- religiös und beziehensich auf feststehende und verschiebbare Festtermine der Ostkirche. Sie verteilen sich aufden Weihnachts- und den Osterzyklus. Zum Weihnachtszyklus zählen die gesamten,, Zwölften"( wdexanpepa), vom Weihnachtstag über Neujahr( Festtag des hl. Basilios)bis zum Theophanie- oder Epiphanietag( Data, ó Pwrispòs) oder bis zum 7. Januar( Festtag des hl. Johannes des Täufers). Der Osterzyklus wird eingeleitet durch das Auf-erstehungswunder des Lazarus( Palmsamstag), Christi Einzug in Jerusalem( tov Batwv),die Umzugstätigkeit findet in der Karwoche mit der, Marienklage" oder dem, ThrenosChristi" ihren Höhepunkt, welche Lieder auch am Epitaph in der Kirche zum Vortragkommen.

Weihnachtskalanda

Im wesentlichen sind es zwei Varianten des Liedes, die stereotyp und mit panhelle-nischer Verbreitung zum Vortrag kommen. Die erste ist deutlich gelehrten" Ursprungsund geht offenbar auf byzantinische Zeit zurück( zitiert nach Passow, 1860: 217,CCXCI):

Guten Tag Ihr Herren, wenn's beliebt,/ so sing ich Euch von Christi göttlicher Ge-burt. Christus wird heute in der Stadt Bethlehem geboren,/ die Himmel jubeln,es freut sich die ganze Schöpfung./ In der Grotte wird geboren, in einer Pferde-krippe der König des Himmels und Schöpfer aller Dinge./ Eine Engelschar singt,, Ruhm in den Höhen",/ als erster würdigt ihn der Glaube der Hirten. // WennIhr von den Reichen seid, spart nicht mit Goldmünzen,/, wenn Ihr von den Zwei-ten seid, Sechziger und Dreißiger,/ und wenn Ihr von den Armen seid, ein PaarHühner. Wir sagen Euch Gute Nacht, geht schlafen,/ ruht ein wenig, steht wie-der auf, lauft in die Kirche mit großem Eifer/ und hört Gottes heilige Messe.

Zoλóres wurde mit Dreißiger" wiedergegeben, da diese alte Währung( 1 Coλóta)30 napádes( Währung der Türkenzeit) beträgt. Der zweite Teil des Liedes ist in wesent-lich einfacherer Sprache gehalten und offenbar erst später dazugekommen. Die letztenvier Verse beziehen sich auf den Gang zur Mitternachtsmette.- Die zweite Variante istwesentlich kürzer( Passow, 1860: 217, CCXCII, zitiert nach Petropulos,1959: 3):

Christgeburt, Erstgeburt, erstes Fest des Jahres./ Kommt raus, seht, hört, Christwird geboren, wird geboren und aufgezogen mit Honig und Milch den Honigessen Fürsten, die Milch die großen Herrn. // Öffnet Eure Büchsen die wohlver-sperrten und gebt uns für die Mühe aus Euren Goldsäckeln.

Eine Variante fährt mit Vers 9-15 des obigen Liedes fort( Vikas, 1917/18:182). Diese stereotypen Variantenteile bilden oft nur das Grundmuster und sind bedeu-tend anreicherungsfähig. Wenn darauf hingewiesen wird, daß das Lied sich in der letztenGeneration oder in letzter Zeit geändert habe, so ist meist der Übergang von der erstenzur zweiten Variante gemeint.

62

62