1.2. Sammel umzug mit Verbalisierung der Gabenforderung( Finalität)
Der Ausdruck ,, Gabenforderung" wurde dem ,, Heischespruch" vorgezogen, weil ervom ,, Bitten und Betteln" bis zum tatsächlichen„ Heischen und Drohen" alle Nuancenumfaßt. Der Heischespruch wird nur dann so genannt, wenn es sich um einen solchenhandelt( nachdrückliche Forderung).- Die auf den ersten Blick erkennbare Schicht derFinalität ist die Gabenforderung. Es wird dem Vorgang kein„ eigentlicher" Sinn unter-stellt, sofern er nicht von den Teilnehmenden formuliert werden kann. Ob dies eineRückentwicklung bedeutet, kann hier noch nicht entschieden werden.
Die Morphologie der verstümmelten oder ganz ausgesprochenen bzw. ausgerufenenWünsche ist vielfältig. Die eine Seite ist die Beschwörung und Sicherstellung eines GutenJahrs( altgr. εὐετηρία neugr. καλοχρονιά), die Förderung der Prosperität und Fertilitätvon Feld( Eukarpie, Karpophorie) und Vieh, von Haus und Mensch( weibliche Fekundi-tät), die Erhaltung von Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und Widerstandskraft( Euergie);die andere Seite ist die Abwehr des Bösen( Apotropäum), die Vertreibung von Dämonenund Zeichen des Unheils( dazu zählt das ganze Ungeziefer des Hauses: Wanzen, Flöhe,Ratten, Mäuse, Schlangen), aber auch die Verfluchung( Anathema) oder Verspottung,die Beschwörung von Sterilität und Katastrophe für alle jene, die keine Geschenke geben.In manchen Fällen läßt die Disproportionalität der beiden Variablen: Nichtöffnen/Geschenkverweigerung Fluch/ Spott der Sammelnden auch eine andere, bedeutendereDimension in der Finalität des Sammelumzuges vermuten als die bloße Gabenkollektion.Die Exklamationen haben auch rein informative Bedeutung: Das Kommen oder dieAnkunft des jeweiligen Festes wird angekündigt. Häufig wird der Ausruf sogleich miteiner Gabenforderung verbunden, worauf man sich mit einem eueterischen Spruch be-dankt. Festankündigung, Gabenforderung und Eueteriewunsch sind untrennbar verbun-den.
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Der panhellenische universale Festgruß ist xpóvia Tollà( viele Jahre viele undglückliche Jahre sollst du leben), der übliche eueterische Gruß xat too xpóvov( und übersJahr- auch nächstes Jahr). Die übrigen Festbezeichnungen, Wünsche, Sprüche, Grüßewechseln von Gegend zu Gegend und von Termin zu Termin.
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1. 2. 1. Exklamationen
46) Njk.( ooopẞala). I. Metaxades( 323, 12 a). II. Festtag morgens, während die übri-gen Leute in der Kirche sind. III. Kleine Kinder mit zwei Spießen( σ00ẞles). Sierufen zweimal: coopẞala mat- Bastans( hl. Basilios). IV. Die Hausfrauen stek-ken ihnen ein rohes Fleischstück auf den Spieß. V. Hs 2343: 152.50) Njk. I. Didymotichon( 112, 12 a). II. Ab Morgen des Vortages. III. Kleine Kinderrufen: Kolavta ñáμñov toitaiτoi( Koliada, Großmutter, Fleisch! Die Interpre-tation des letzten Ausdruckes als xpéas geschieht laut Autor). Am Abend ziehendie Kinder mit kleinen Laternen und bunten Schleifen geschmückt umher. V. Pa-raskevopulos- Kutudis, 1967: 291.
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53) Wnk. I. Pythion( 431, 12 a). II. Christnacht. III. Erwachsene mit hölzernen Stöckenschreien Kó( avta). IV. Sie erhalten Geld, Mais, Nüsse, Mandeln usw. V.Grammatikoglu, 1969: 186.
5 Über die Beziehung der Ausdrücke coopẞa, coupẞala usw. zur Kornelkirsche vgl. Ex-kurs I, Kap. 2.
6 Der hl. Vasilis( Basilios) hat seinen Festtag am Neujahrstag und ist nicht nur in die Ka-landa eingegangen, sondern sein Name wird auch als Festbezeichnung gebraucht. Vgl. Exkurs 1,Kap. I.
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