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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
Entstehung
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beim autochthonen Oikotyp( Dorfmonographie mit Systemaspekt) mit prinzipieller In-kommensurabilität; bei zu lockerer Handhabung der komparatistischen Kriterien gelangtman zu einer paneuropäischen( oder gar pankosmischen) Synopsis, die aussageschwachbleibt und der theoretischen Spekulation jeden Raum bietet, wo mögliche Unterschei-dungsmerkmale in einem allgemeinsten Synkretismus von Formen und Elementen auf-gehen. Ähnlich verhält es sich mit den Komparationsebenen einer konkreten Phänomen-bezogenheit und einer mehr oder weniger forcierten Abstraktion. Die Erkenntnishältig-keit eines methodischen Ansatzes bzw. die Effizienz der Konstituierung eines Raumbe-griffes zur beschränkten Komparation ist abhängig von den Zielvorstellungen. ExtremeFormulierungen wie: daß in diesem Raum eigentlich alles in alles übergehe, und: nichtslasse sich hier mit nichts vergleichen, verraten metaphysische, nicht wissenschaftliche Er-kenntnisziele. Die beschränkte Belastbarkeit nach verschiedenen Richtungen und dieDependenz vom Aussageziel ist demnach bei kulturgeographischen Raumbegriffen wie,, Balkan" und Mittelmeer" ständig mitzureflektieren. Als Arbeitsbegriffe in gewissenmethodischen Konzepten haben sie ihre Effektivität bewiesen.

0.7. Statistik

Die geographische und heortologische Disparatheit des Fallmaterials und die Zuge-hörigkeit zu verschiedenen Oikotypen und Funktionszusammenhängen wirft die Frageauf, ob die Anwendung statistischer Verfahren methodisch überhaupt zulässig ist, wennman bedenkt, daß die Fassung eines Brauchvorkommens in einem arithmetischen Symbolfür die nachfolgende additive Anwendung letztlich eine totale Vergleichbarkeit der vor-liegenden Phänomene impliziert. Eine solche Nivellierung nicht nur der morphologischenVariationsbreite, sondern vor allem der differierenden Funktionen und Kulturkontexte,mag den Eindruck unkritischer Materialkompilation mit mathematisch- positivistischemErkenntnisanspruch zur empirischen Abstützung eines A- Priori- Theorems erwecken.Doch erklärt sich die Berechtigung zu einem solchen Verfahren aus dem methodischenAnsatz: Die Kommensurabilität der Fakten besteht auf der abstrakten" Ebene derStrukturaffinität, nicht der morphologischen oder funktionellen Identität. Daß sich da-bei Verallgemeinerungen und Vereinfachungen bezüglich des funktionalen Braucham-biente, der Bezüge zu Trägerschicht und Kulturkontext, aber auch bezüglich der Einzel-interpretationen von Aktionen und Elementen ergeben, scheint unumgänglich, da derIdiosynkrasie des jeweiligen Phänomens nicht voll Rechnung getragen werden kann. Dieprinzipielle Aporetik von Idiotypik und Nomothetik ist auch hier nicht aufzulösen. Einefundierte Interpretation dieser weiteren Bezugsfelder muß anderen Arbeiten vorbehaltenbleiben. Da den Zahlen kein( positivistisch) absoluter apodiktischer Erkenntniswert zu-kommt, 73 versucht die statistische Auswertung auch nicht, die einzelnen Werte in einerFeininterpretation aletisch allzusehr zu belasten, sondern spricht ihnen die Validität vonTrends zu, wenn die arithmetische Profiliertheit dazu groß genug ist. Der quantitativenRepräsentativität eines Phänomens kommt daher in der Theoriebildung der aletischeGültigkeitsgrad einer verifizierenden oder falsifizierenden Tendenzbildung in der empi-rischen Basis zu. Dabei ist natürlich in Rechnung zu stellen, daß bei der Materialerstel-lung notwendig schon theoretische Vorstellungen am Werke waren, daß die empirischeFaktenkollektion schon selektiv überarbeitet, nicht, zufällig"( und damit unübersehbar)ist: Ihre Entstehung vollzieht sich unter dem methodischen Gesichtswinkel der hypothe-tischen Strukturevolution zu Theaterformen hin, wobei der Sammelumzug einen theti-schen Ausgangspunkt bildet. Unter diesem Gesichtspunkt nähert sich das erstellte Sample

73 Zahlenwerte einer Statistik beziehen ihre Gültigkeit immer nur aus dem theoretischenRahmen.

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