Druckschrift 
Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
Entstehung
Seite
35
Einzelbild herunterladen
 

macht nur den ersten Schritt des wissenschaftlichen Bemühens aus, den Näherungswertvon Wirklichkeit zu formulieren.

Die methodischen Schwierigkeiten einer theaterwissenschaftlichen oder sonstigenKulturkomparatistik liegen in der Ergebnisrezeption und-vermittlung. Die einzelnenFachbereiche weisen selten ein einheitliches Forschungsbild auf, so daß man sich miteiner unprofilierten Synopsis begnügen muß oder zusätzliche Grundlagenstudien in Kaufnehmen muß. Der Begriffsamplifizierung und-vernutzung könnte durch ein verbind-liches Standardlexikon der Begriffsgeschichte Einhalt geboten werden. Dem Mitschlep-pen überholter Thesen über längere Zeiträume hinweg wäre durch eine autorisierte Ge-wißheitsskala für Hypothesen beizukommen, die jeder Fachbereich für sich erstellt unddie von Zeit zu Zeit auf den neuesten Forschungsstand nachgezogen werden müßte. Denvergleichenden Disziplinen wäre dermaßen ein überschaubares Bild an die Hand ge-geben. Jeder Fachbereich könnte seine Ergebnisse nach verschiedenen Richtungen hin in,, Brückenköpfen" organisieren, so daß der Brückenschlag zur Nachbardisziplin im ge-gebenen Moment gewährleistet ist, ohne daß man einer eklektizistischen Kompilatorikverfällt. Aus dem Gesagten spricht nicht die Nostalgie nach der Einheitswissenschaft,sondern der Glaube an die Fruchtbarkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit. Diese skiz-zenhaften Überlegungen entspringen den Erfahrungen aus der Arbeit mit dem vorliegen-den Brauchmaterial.

-

O. 4. Systematik und Darstellungsfragen

Die äußerlichen Konsequenzen des methodischen Entwurfs sind an der Kategorien-bildung abzulesen, die kapitelartig die Materialfülle gliedert: 1.1.- 1.5. Sammelumzug,1.6. Aktion( auch ohne Sammelumzug), 1.7.- 1.8. Maske und Rollenspiel( meist mitSammelumzug). Zuerst wird eine genügend belegte Morphologie des Sammelumzugeserstellt, wobei auch hier schon auf eine gewisse Entwicklung" Rücksicht genommenwird: 1.1. Nonverbaler und aktionsloser Sammelumzug, 1.2. mit Verbalisierung derGabenforderung, 1.3. mit Absingen eines Liedes, 1.4. Mitführung eines Symbolgegen-standes, 1.5. Ausführung von Symbolakten. Ein progressives Manifestwerden inhärenterSinngehalte an verschiedenen Medien wird damit deutlich: verbale Kommunikation, in-tonierte Kommunikation, materielle Objektivation, ritualisierte Handlung. Die Abgren-zung der drei großen Materialkomplexe entspricht der Ausgangsthese, daß die Maske( Verkleidung) im Verband mit der Aktion bei Anlagerung an eine Prozessionsstrukturgute Chancen zur Konstituierung von Rollen hat, wobei der sozietätsgebundene Pro-zessionstyp( und nicht die Maske) auf lange Strecken der Entwicklung die tragendeGrundstruktur abgibt. Diesen Materialkomplexen sind jeweils Exkurse zugeordnet, diefällig gewordene Erläuterungen nachholen, soweit diese nicht schon in den Vorbemer-kungen der einzelnen Abschnitte geleistet wurden, Detailkonsequenzen ziehen, einenEinblick in die theoretische Literatur um die einzelnen Brauchphänomene geben und dasMaterial in den Gang der postulierten Strukturgenese einordnen bzw. diese aus jenementstehen lassen. Der Vorteil einer solchen stufenweisen Aufbereitung( VorbemerkungExkurs Interpretation) des Materials liegt im diskursiven Progreß zu höheren Ab-straktionsstufen, ohne daß die Reflexion sich allzu sprunghaft vorwärtsbewegen müßteund ein Riß im dialektischen Geflecht von Materialerfassung und Thesenbildung ent-stünde. In diesem Sinne sind manche spätere Interpretationsoptiken schon in den einzel-nen Vorbemerkungen vorbereitet. 42

-

42 Hier ist vielleicht auch der richtige Ort, auf die Rolle der Anmerkungen hinzuweisen.Als Mittel einer z. T. bewußt zweigeleisigen Darstellung sollen sie nicht nur Querverweise, Lite-raturnachweise und weiterführende Reflexionen aufnehmen und damit den Lesetext entlasten,sondern auch später geäußerte Ansichten vorformen, d. h. einen Teil des Gedanken- Gangs dar-

3*

35