Sichtweisen sozial vermittelter Positionen, wie sie in den Theorien verschiedener soziolo-gischer Schulen und der Gruppentheorie greifbar wird( dazu grundlegend A. Schütz,Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt, Wien, J. Springer 1932). Der Grad der Akzep-tierung dieser realitätsstiftenden Kapazität der Rolle( auf der Bühne wie im Alltag) 27ist dabei dem freien Willen des Zuschauers übereignet und erhebt ihn in den Stand desgenuẞvollen Auskostens der Wahlmöglichkeiten zwischen Distanzierung und Identifi-zierung, ohne die Konsequenzen nachfolgender Sanktionen fürchten zu müssen, wie sieein solch freies Übertreten( und Gegenübertreten) der gesellschaftlichen Gegebenheitenüblicherweise nach sich zieht. 28
Im Status einer vagen Zugeordnetheit zum Begriff„ Theater" befinden sich„, Fest"und„ Spiel". Die Schwierigkeit der theoretischen Bewältigung dieser Begriffe scheint inihrer Natur selbst zu liegen, die der Diskursivität konstruktiver Vorstellungshilfen zu-widerläuft. Von der Existenz einer„, Festtheorie" oder„ Theorie der Spiele" kann mannur mit Vorbehalt sprechen. 29 Der Zugang zu einem weiterreichenden Verständnis läufthier über die Phänomene selbst. Eine Diskussion der Begriffskonzeptionen ist daher erstnach dem Aufweis der Erscheinungsformen sinnvoll.
O. 2. Transkription
Zu verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Anlässen ist die Schwierigkeit einersystematischen Übertragung der griechischen Schrift in das lateinische Buchstabensystemkonstatiert worden. 30 Grundsätzlich gibt es zwei Übertragungsmöglichkeiten: die ortho-graphische( Buchstabe für Buchstabe) und die phonetische( Laut für Laut). 31 NachDitten entspricht dies der Begriffsdifferenz von( orthographischer) Transliterationund( phonetischer) Transkription. 32 Während im anglophonen Raum der Übertragungs-modus normiert ist, 33 gibt es für die deutschsprachigen Länder eine solche Regelungnicht. Vorweg ist zu sagen, daß die Transliteration ihren Anwendungsbereich im Biblio-thekswesen findet, wo die Rekonstruktion des griechischen Wortes aus dem lateinischen
27 Dazu vor allem E. Goffmann, The Presentation of Self in Everyday Life. NewYork, Doubleday& Co. 1959.
28 Zu einer Analyse des Zuschauergenusses im Zusammenhang mit der Verfremdung vgl.Wekwerth, 1974: 15 ff.
29 Die wichtigste Literatur zu einer solchen„, Festtheorie“: Kerényi, 1938-1940: 59 ff.;Kirchgässner, 1959: 374 ff; Gadamer, 1967: II, 171; Gadamer, 1972: 118;Haekel in Trimborn, 1971: 121; Leeuw, 1956: 439 ff.; Pieper, 1963 a; Pie-per, 1963 b. Die Kontroversen und verschiedenen Denkansätze werden unter 2.3. diskutiert,ebenso die von Heilfurth getroffene Unterscheidung von Fest und Feier( in Bernsdorf,1969: 275 ff.). Noch komplizierter ist die Forschungslage beim Begriff„ Spiel". Hier seien nureinige Schlüsselwerke aus verschiedenen Disziplinen genannt: Gadamer, 1972: 97 ff.;Harms, 1969; Heidemann, 1968; Erikson, 1971: 206 ff.
30 Für das Neugriechische vgl. vor allem P. Tzermias, Neugriechische Grammatik.Basel, Francke, 1969, 5 ff., 40; I. Rosenthal- Kamarinea, Probleme und Fragen beider wissenschaftlichen Erforschung der neugriechischen Literaturgeschichte. In: Probleme derneugriechischen Literatur, in Zusammenarbeit mit Hans Ditten und Marika Mineemi hg. vonJohannes Irmscher. Berlin, Akademie- Verlag 1959( BBA 14-17), I, 151; Vorwort des Über-setzers in Kyriakides, 1968: 10 ff.; A. Koutsoudas, Verb Morphology of ModernGreece: A descriptive Analysis. Bloomington 1962, 15 ff.
31 Dawkins, 1908/09: 216.
32 Ditten, 1960: 337.
33 British standard for translation of Cyrillic and Greek Characters, London 1958, 20. Eininternationaler Entwurf der ISO( International Organisation for Standardization. Draft ISORecommendation No. 315: Transliteration of Greek into Latin Characters, proposed by TechnicalCommittee) I S50/ TC 46- Documentation erweist sich für das Deutsche nur mit Modifika-tionen anwendbar.
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